01. Oktober 2017, 22:30 Uhr

Trump gießt Öl ins Feuer

01. Oktober 2017, 22:30 Uhr
Tillerson

Es ist nicht das erste Mal, dass der US-Präsident seinen Außenminister öffentlich demütigt. Während Rex Tillerson ein ums andere Mal versucht, die Feuer einzudämmen, die Donald Trump gelegt hat, macht der Präsident unmissverständlich klar, wer die Richtlinien der amerikanischen Politik bestimmt. Im Fall Nordkoreas brüskierte er seinen Chef-Diplomaten öffentlich und in einem Ton, der Spekulationen über seine Zukunft im Kabinett auslöst.

»Ich habe Rex Tillerson, unserem wunderbaren Außenminister, gesagt, dass er seine Zeit verschwendet, indem er versucht, mit dem kleinen Raketenmann zu verhandeln«, twitterte Trump, nachdem Berichte über die Möglichkeit von Direktgesprächen zwischen den USA und Nordkorea Schlagzeilen machten. Tillerson hatte in China erstmals über »drei offene Kanäle zu Pjöngjang« gesprochen. »Wir sondieren«, fügte der US-Außenminister hinzu. »Wir fragen: Wollt ihr reden?« Er deutete an, das Ziel direkter Gespräche könnte einen atomwaffenfreie Zone auf der koreanischen Halbinsel sein. Das wichtigste zu diesem Zeitpunkt sei jedoch, die Temperatur in dem Konflikt abzusenken. US-Präsident Trump hat hingegen mit seinem Tweet Öl in das Feuer gegossen, das er mit der Androhung der »totalen Zerstörung« Nordkoreas vor den Vereinten Nationen entfacht hatte. Pjöngjang fasste das als Kriegserklärung auf und drohte mit Vergeltung.

Die Sprecherin des US-Außenministeriums Heather Nauert, räumte auf Nachfrage ein, Nordkorea habe die Avancen der US-Regierung bisher ignoriert. »Trotz unserer Zusicherung, dass die Vereinigten Staaten kein Interesse an einem Zusammenbruch des gegenwärtigen Regimes haben, gaben die nordkoreanischen Vertreter nicht zu erkennen, an Gesprächen über eine nukleare Abrüstung interessiert oder dazu bereit zu sein.«

Hohe Mitarbeiter der US-Regierung warnten bereits vor dem Trump-Tweet, »zu viel« in die Äußerungen Tillersons »hineinzulesen«. Selbst in den düstersten Zeiten der Beziehungen zwischen beiden Ländern habe es Gesprächsleitungen gegeben.

Aggressivere Reaktion

Laut Medienberichten hat Trump eine bisher nicht bekannte Direktive unterzeichnet, die unter anderen Cyber-Sabotage gegen Nordkorea erlaube. Das Pentagon überarbeite zurzeit seine Pläne, aggressiver auf Provokationen Nordkoreas zu reagieren. Falls Pjöngjang mit dem angekündigten Atomwaffentest über dem Pazifik ernst machen wolle, erwägen die Militärs unter anderen, die Startrampen zu zerstören oder Raketenabwehrsysteme einzusetzen.

Trump hatte Tillerson zuvor schon bei Äußerungen zum Klimaschutz, Katar oder der NATO öffentlich widersprochen. In den US-Medien wird schon seit geraumer Zeit über erhebliche Frustrationen des Minister und Rücktrittabsichten berichtet. Thomas Spang

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