08. Mai 2017, 19:48 Uhr

Trauer um Vater des Aufschwungs

08. Mai 2017, 19:48 Uhr

Zwischen den vielen Meldungen über den Terror der RAF und mögliche Abwehrmaßnahmen erhielt die bundesrepublikanische Öffentlichkeit im Mai 1977 eine weitere traurige Nachricht: Ludwig Erhard, der »Vater des Wirtschaftswunders« und Bundeskanzler von 1963 bis 1966, war am 5. des Monats in der Hauptstadt Bonn verstorben. Die Beisetzung fand am 12. Mai statt – der Originalartikel rechts erschien am Tag danach.

Bereits 1977 war der Unionspolitiker Erhard für die meisten unwiederbringlich der Mann, der als Wirtschaftsminister für den Aufschwung in der jungen Bundesrepublik der 1950er Jahre gesorgt hatte. Sein bulliges, pausbäckiges Gesicht war – genau wie die nie fehlende Zigarre in seiner Hand – das Markenzeichen des »Wirtschaftswunders«. Die CDU profitierte durch diese Wahrnehmung enorm, weil sie es schaffte, den Erhard-Nimbus in die eigene Außenwirkung zu integrieren. Doch das »Wunder« des Aufschwungs war nicht ausschließlich das Werk des Ökonomie-Experten: Zwar schaffte Erhard es – selbst Anhänger eines Liberalismus mit staatlicher Ordnungsfunktion (Ordoliberalismus) – die Grundzüge der noch heute bestehenden sozialen Marktwirtschaft durchzusetzen. Das Aufblühen der Wirtschaft war jedoch auch in einem großen Maße der Genesung der weltweiten Konjunktur zu verdanken.

Eine fortwährend schwierige Beziehung führte Ludwig Erhard zu Kanzler Konrad Adenauer, dessen Nachfolger er 1963 wurde. Adenauer war seinem Wirtschaftsminister und späterem Vizekanzler nie wohlgesonnen: So missfiel dem Granden der CDU Erhards ständiges Zigarrenrauchen, auch einen übermäßigen Alkoholkonsum warf er ihm vor. Doch nachdem Adenauer im Nachklang der Spiegel-Affäre und um Platz für einen Nachfolger zu machen seinen Posten als Kanzler räumte, führte kein Weg an dem bei den Menschen enorm beliebten Erhard vorbei. In seinen drei Jahren als Bundeskanzler schaffte er es jedoch nicht, seine politischen Ideen konsequent umzusetzen. Erhard hatte kaum Verbündete in der eigenen Partei, vom realpolitischen Tagesgeschäft verstand er wenig.

Eine der bis heute bleibenden Fragen zu Ludwig Erhard ist, wann und ob überhaupt der Wirtschaftsexperte in die CDU eintrat. Verschiedene Spekulationen ranken sich um seine Parteimitgliedschaft: Verbürgt ist eine Anfrage Adenauers an Erhard zu diesem Thema. Auch ist es möglich, dass Erhard erst 1966 Mitglied wurde, dieser Beitritt allerdings auf 1963, also die Zeit seines Amtsantritts als Kanzler, zurückdatiert wurde.

Bis heute geblieben ist auch die Ludwig-Erhard-Stiftung, die der ehemalige Kanzler noch selbst, zehn Jahre vor seinem Tod, ins Leben rief. Sie kümmert sich um die Bewahrung des Erhardschen Schaffens: Forschung und Weiterführung der sozialen Marktwirtschaft.

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