04. Juli 2017, 21:46 Uhr

Schwieriger Klub

04. Juli 2017, 21:46 Uhr
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Die Vermutung, bei den G20-Staaten handele es sich um eine Art Weltregierung, die per Knopfdruck Wohlstand, Gerechtigkeit und Menschenwürde herstellen könne, ist eine höchst naive Erwartung. Der schwierige Klub hat nicht einmal einen gemeinsamen Wertekanon. Was die Kritiker von ihm verlangen, ist utopisch. Die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer bemühen sich im Dialog darum, ihre Finanz-, Wirtschafts- und Umweltpolitik jenseits nationaler Egoismen untereinander abzustimmen. Wenn sie zusammenfinden, können alle gewinnen; wenn nicht, wird die Welt verlieren.

Der Krawall und die Demonstrationen um das Treffen in Hamburg vernebeln die Zusammenhänge. Im Grunde geht die diplomatische Gipfelei auf die Weltwirtschaftskrise der Dreißigerjahre des vorigen Jahrhunderts zurück. Damals erfasste die Weltwirtschaft ein von mehreren Nationen geschürter Protektionismus. Statt sich aber an einen Tisch zu setzen, arbeiteten die Länder wirtschaftlich, finanziell und politisch gegeneinander. Die Folge: Der Welthandel brach zusammen, die Arbeitslosigkeit schoss in die Höhe, Armut und soziales Elend breiteten sich aus. Es folgte die Nazi-Zeit und letztlich der Zweite Weltkrieg.

Diese Erfahrungen schoben nach 1945 eine Diplomatie an, die das unselige »jeder gegen jeden« verhindern sollte. Internationale Organisationen, Vereinbarungen und Bündnisse wuchsen auf, nicht zuletzt die Gipfeldiplomatie. In den Siebzigern gründeten die Industrieländer USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan und Deutschland die G7-Gruppe. Sie verstand sich als Wertegemeinschaft, die sich der Demokratie, der Freiheit und der Marktwirtschaft verpflichtet fühlte.

Bei der Erweiterung auf 20 Mitglieder blieb der Wertekonsens auf der Strecke. Hinzukamen aufstrebende Länder wie China, Indien, Brasilien, die Türkei, Indonesien, Mexiko, Südafrika, Südkorea, Australien und Saudi-Arabien. Wenn Demokratien, Diktaturen, Autokratien und Monarchien zusammentreffen, ist ein politischer Gleichklang schwer bis unmöglich. Als Problemfelder bleiben jedoch die Wirtschafts- und Finanzpolitik, das Erdklima, Energie, die Bekämpfung von Seuchen, Terror und Unterentwicklung.

Die Abstimmung ist meist mühsam und konfliktbeladen. Davon kann die deutsche Kanzlerin Angela Merkel als Gastgeberin des diesjährigen G20-Gipfels ein Lied singen. Die USA sind bereits aus dem Klimabündnis ausgestiegen. Auch auf allen anderen Problemfeldern driften die nationalen Absichten bisweilen weit auseinander. Verbindliche Beschlüsse sind nicht möglich, bestenfalls ein gewisser Gleichklang der politischen Ziele.

Der Gipfel wäre schon ein Erfolg, wenn die Staats- und Regierungschefs für einige wesentliche Politikbereiche Leitplanken oder Selbstverpflichtungen beschlössen.

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