27. Februar 2019, 21:52 Uhr

Schwere Geschütze

Michael Cohen wirft Donald Trump bei Anhörungen im US-Kongress vor, ein »Rassist«, »Blender« und »Betrüger« zu sein. Der langjährige Hausanwalt des Präsidenten rechnet im Kongress mit seinem früheren Chef ab und erhebt schwere Vorwürfe in der Russland-Affäre.
27. Februar 2019, 21:52 Uhr
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Von DPA
Michael Cohen, der mehr als ein Jahrzehnt für Trump gearbeitet hat, ist eine zentrale Figur in mehreren Affären um den Präsidenten. Er hat sich von ihm abgewendet und ihn mit Aussagen vor Gericht in Bedrängnis gebracht. (Foto: dpa)

Der ehemalige »Pitbull« Donald Trumps tritt vor dem Kongress wie ein geprügelter Hund auf. Dicke Ringe unter den Augen, heisere Stimme und blasse Hautfarbe – die Ereignisse der vergangenen Monate haben Michael Cohen mitgenommen. Sichtbar nervös steht er Punkt 10 Uhr 25 vor den Mitgliedern des »Oversight Committees« auf, hebt die Hand und schwört, die Wahrheit zu sagen.

Das hatte er schon einmal getan, um die Abgeordneten dann über zu belügen. Seitdem hat sich einiges geändert. Das FBI durchsuchte im Frühjahr 2018 Cohens Büros, Sonderermittler Robert Mueller vernahm ihn und ein Bundesgericht im südlichen Gerichtsbezirk von Manhattan verurteilte Cohen im Dezember zu einer mehrjährigen Haftstrafe.

Im November wechselte im Repräsentantenhaus die Mehrheit. Der neue Vorsitzende des für die Kontrolle der Regierung zuständige Komitees, der Demokrat Elijah Cummings, forderte Cohen erneut zur Aussage auf und schärfte ihm ein, er werde keine Lügen dulden. »Verstehen sie das?« Cohen antwortet kleinlaut mit »Ja«. Das letzte Mal sei er gekommen, um den Präsidenten zu schützen. »Diesmal komme ich, um die Wahrheit zu sagen.«

Er hat eine Reihe schriftlicher Dokumente mitgebracht, die seine brisanten Vorwürfe gegen Trump belegen sollen. Schecks mit der Unterschrift des Präsidenten, Finanzdokumente und Artikel. Harte Beweise, die für den Präsidenten noch gefährlich werden können.

Cohen zeichnet ein dunkles Bild von dem Mann, für den er zehn Jahre lang tätig war. »Er ist ein Rassist. Er ist ein Blender. Er ist ein Betrüger«, setzt Cohen zu einer brisanten Litanei an handfesten Vorwürfen an.

Er sagt unter Eid aus, Trump habe vor der Veröffentlichung der von russischen Hackern bei den Demokraten erbeuteten E-Mails Hillary Clintons gewusst. Er sei im Juli 2016 in Trumps Büro gewesen als dieser einen Anruf von dessen langjährigen Vertrauten Roger Stone erhalten habe. Dieser habe ihm gesagt, er habe am Telefon gerade mit Julian Assange gesprochen. Der Wikileaks-Gründer habe ihm gesteckt, innerhalb der kommenden Tage werde es einen »massiven Abwurf« an E-Mails geben, die Hillary Clinton schwer belasteten. Daraufhin habe Trump geantwortet: »Wäre das nicht großartig?«

Geschäfte in Russland

Cohen behauptet des Weiteren, er habe noch bis weit in den Wahlkampf hinein in Moskau für den Bau eines Trump-Wolkenkratzers geworben. Bis zum Krönungsparteitag der Republikaner im Sommer 2016 habe Trump ihn »mindestens ein halbes Dutzend Mal gefragt«, wie die Dinge in Russland liefen. »Trump wusste und leitete die Moskauer Verhandlungen während des Wahlkampfs und log darüber«.

Der langjährige Hausanwalt des Präsidenten sagt, er sei Anfang Juni 2016 in Trumps Büro gewesen als Donald Junior hineinstürmte und seinen Vater über eine bevorstehende Begegnung mit einer Vertreterin der russischen Regierung informierte. Diese hatte »Schmutz über Hillary« avisiert. »Das Treffen ist in trockenen Tüchern«. Trump habe daraufhin geantwortet: »Ok, gut ... halt mich auf dem Laufenden.«

Cohen präsentierte dem Kongress zudem einem Kontoauszug, der die Schweigegeldzahlungen kurz vor den Präsidentschaftswahlen in Höhe von 135 000 US-Dollar an die Porno-Darstellerin Stormy Daniels dokumentiert. Ein weiterer Scheck mit der Unterschrift des Präsidenten belegt die Rückzahlung. Trump habe den Plan der verdeckten Erstattung über insgesamt elf Schecks abgesegnet.

Trump habe über Farbige privat noch schlimmere Dinge gesagt als öffentlich, sagte Cohen. So hätte er ihn einmal gefragt, ob er ein einziges Land kenne, das von Schwarzen regiert werde, das kein »Shithole« (Drecksloch) sei? »Das war als Barack Obama Präsident war.« Als Grund, warum Schwarze nicht für ihn stimmen würde, habe Trump auch eine abfällige Erklärung gehabt. »Die sind zu dumm.«

Trump hatte bereits im Vorfeld der Anhörung versucht, das Zeugnis seines einmal als »sechsten Kindes« bezeichneten Adlatus als »Lügner« zu diskreditieren.

Cohen feuerte mit einer persönlichen Note zurück, indem er daran erinnerte, wie Donald Trump ihn seinerzeit anwies die Wahrheit über seine Drückebergerei während des Vietnamkriegs zu lügen. »Ist das nicht eine Ironie, dass Du jetzt in Vietnam sitzt«, wandte er sich direkt an den Präsidenten, der die Anhörung in Hanoi am Fernsehen verfolgte.



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