04. Januar 2017, 22:09 Uhr

Schuldspruch spaltet

»Es wird hier einen Bruderkrieg geben!«, schreit eine blonde Frau in Tel Aviv aus vollem Hals. Mit mehr als hundert anderen Demonstranten steht die 31-jährige Idal Scharon vor dem Militärhauptquartier. Dort wird gerade der Schuldspruch gegen den Soldaten Elor Asaria verlesen, der im März vergangenen Jahres einen verletzt am Boden liegenden Palästinenser mit einem Kopfschuss getötet hat. Das Militärgericht verurteilte ihn gestern wegen Totschlags.
04. Januar 2017, 22:09 Uhr
Umstrittener Schuldspruch: Das Urteil gegen den israelischen Soldaten Elor Asaria wegen der Tötung eines palästinensischen Attentäters hat für heftige Proteste gesorgt. (Foto: dpa)
»Es wird hier einen Bruderkrieg geben!«, schreit eine blonde Frau in Tel Aviv aus vollem Hals. Mit mehr als hundert anderen Demonstranten steht die 31-jährige Idal Scharon vor dem Militärhauptquartier. Dort wird gerade der Schuldspruch gegen den Soldaten Elor Asaria verlesen, der im März vergangenen Jahres einen verletzt am Boden liegenden Palästinenser mit einem Kopfschuss getötet hat. Das Militärgericht verurteilte ihn gestern wegen Totschlags.
Der emotionsgeladene Prozess gegen den Kampfsanitäter hat Israel gespalten. Rechte Politiker kritisierten das Urteil und wollen sich für eine sofortige Begnadigung Asarias einsetzen. Die Anhänger Asarias toben vor Wut. Ihre Empörung richtet sich gegen Linke und die Medien.
Einige Demonstranten haben sich in große blau-weiße Israel-Flaggen gehüllt, andere tragen gelb-schwarze Schals des Fußballclubs Beitar Jerusalem, dessen Fans für rassistische Ausfälle bekannt sind. Schwarz vermummte Mitglieder von »La Familia«, dem ultrarechten harten Kern der antiarabischen Fans, werden aggressiv. Sie reißen einer Journalistin den Schreibblock aus der Hand.
Andere Demonstranten wirken dagegen sehr höflich, wie die 54-jährige Corinne Parienti, eine Immigrantin aus Marseille. Sie trägt ein schwarzes Schild, »Ich bin Elor«, steht darauf in weißer Schrift. »Elor hat getan, was er tun musste«, sagt sie. Sie fordert ein hartes Vorgehen gegen jeden Attentäter: »Ein Terrorist ist kein Opfer. Er ist nicht gekommen, um Blumen zu verteilen, ein Terrorist darf seinen Anschlag nicht überleben.« Das Urteil gegen Asaria sei »eine Schande für den Staat Israel« ruft ein Mann mit weißer Kipa. »Der Teufel soll euch holen, Betselem!« Ein Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation Betselem hatte den entscheidenden Beweis gegen den israelischen Soldaten geliefert. Er filmte den Vorfall in Hebron im Westjordanland am 24. März vergangenen Jahres.

Schuss ohne Vorwarnung

Auf dem Video ist zu sehen, wie der 21-jährige palästinensische Attentäter verletzt am Boden liegt. Ein Soldat, den der Palästinenser mit einem Messer verletzt hat, wird medizinisch versorgt. Plötzlich hebt Asaria sein Gewehr und schießt dem auf den Rücken liegenden Attentäter ohne Vorwarnung in den Kopf.
Der Prozess gegen Asaria hat in Israel eine heftige Kontroverse darüber ausgelöst, unter welchen Umständen Soldaten auf Palästinenser schießen dürfen. Der Fall ist besonders relevant wegen einer Welle palästinensischer Anschläge, bei denen seit Oktober 2015 insgesamt 37 Israelis getötet wurden. Mehr als 250 Palästinenser kamen in der Zeit ums Leben, die meisten davon wurden bei ihren eigenen Anschlägen erschossen.
Nach einer Umfrage des Israelischen Demokratie-Instituts unterstützen 65 Prozent der jüdischen Israelis das Vorgehen Asarias als Selbstverteidigung. Am höchsten war die Unterstützung mit 84 Prozent bei jungen Israelis im Alter von 18 bis 24 – dem Alter, in dem viele in der Armee dienen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Attentäter
  • Demonstranten
  • Hebron
  • Militärgerichte
  • Palästinenser
  • Personen aus Israel
  • Terroristen
  • Totschlag
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 24 - 4: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.