22. Oktober 2017, 21:16 Uhr

Schäbiger Abgang

22. Oktober 2017, 21:16 Uhr
PRE

Firmenpleiten sind selten stilvolle Ereignisse. Die Insolvenz des Flugunternehmens Air Berlin ist jedoch von besonderen Unappetitlichkeiten begleitet. Kunden und Passagiere wurden um ihr Geld gebracht, Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz – aber der Chef bekommt einen millionenschweren Abschied. Und: Deutschlands Kranich sicherte sich für seine Tochter Eurowings zwar die Filetstücke von Air Berlin, will aber ansonsten nichts mehr mit deren Kundschaft zu schaffen haben.

Als Thomas Winkelmann im Februar dieses Jahres die Airline übernahm, hatte sie schon fast ein Jahrzehnt Verluste eingeflogen. Die Pleite schien absehbar, wie an dem abgestürzten Aktienkurs abzulesen war. Den Fangschuss zur Insolvenz erhielt das Unternehmen, als der größte Einzelaktionär Etihad sich weigerte, die gestiegenen Verluste auszugleichen. Mit einer eilig gewährten Bundesbürgschaft sollte der Flugbetrieb einstweilen fortgesetzt werden, was aber nur teilweise gelang.

Dass Winkelmann für seinen neunmonatigen Flug in die Pleite nun rund 4,5 Millionen Euro erhalten soll, empört nicht nur die Belegschaft, von der die meisten ihren Job verlieren werden. Dass der Konkurs schon bei Dienstantritt des Chefmanagers absehbar war, ist auch daran zu erkennen, dass die Millionen nicht im Unternehmen verblieben sind, sondern auf ein Treuhandkonto ausgegliedert und durch eine Bankgarantie abgesichert wurden. Der Kandidat hat erfolgreich gepokert, das Unternehmen finanzierte in seine letzte Hoffnung.

Flüge wurden gestrichen, Zehntausende von Tickets waren wertlos, Passagiere saßen im Nirgendwo fest. Nicht einmal die Garantie, wenigstens bis Ende Oktober noch planmäßig zu fliegen, wurde eingehalten. Offenbar war die Airline mehr damit beschäftigt, das Fell des Bären zu verteilen, als einen ordnungsgemäßen Flugbetrieb sicherzustellen.

In Zeiten, wo selbst mäßig erfolgreiche oder gar gescheiterte Manager goldene Handschläge im zwei- oder gar dreistelligen Millionenbereich erhalten, sind 4,5 Millionen keine Sensation. Schließlich werden Fußballspieler auch zu aberwitzigen Summen gehandelt. Aber im Fall von Air Berlin kommen mangelndes Fingerspitzengefühl und verletzte Regeln unternehmerischer Ethik dazu.

Die Verfechter der Markwirtschaft, die Leistung, Haftung und das Einstehen für Risiken predigen, sollten den Fall nicht schönreden. Die Nutznießer der Konkursmasse hätten allen Anlass, Mitverantwortung zu zeigen. Schließlich wollen sie künftig die geprellten Air Berlin-Kunden fliegen. Ein schäbiger Abgang – aber leider kein Einzelfall.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos