28. Juli 2017, 20:26 Uhr

»Nur bedingt einsatzbereit«

28. Juli 2017, 20:26 Uhr
Der Absturz eines Kampfhubschraubers am Mittwoch hat eine seit Langem schwelende Debatte wieder entfacht: Gibt es Defizite bei Ausrüstung und Ausbildung der Bundeswehr? (Foto: dpa)

Auf dem Militärflugplatz Köln wird am heutigen Samstag ein Flugzeug erwartet, das die Leichen der beiden in Mali bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommenen Bundeswehrpiloten an Bord hat. Während im nordhessischen Fritzlar, wo sich die Heimatkaserne der beiden getöteten Soldaten befindet, ein Trauerakt vorbereitet wird, ist die Ursache des Absturzes weiter unklar. Hinweise auf einen Abschuss gibt es nach ersten Erkenntnissen offenbar nicht. Nach Angaben der UN-Mission in Mali deutet vieles auf einen technischen Defekt hin.

Ein Expertenteam der Bundeswehr will in dem westafrikanischen Land die Absturzursache aufklären. Dies, so ein Sprecher von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), könne noch dauern. Dennoch hat der Absturz des »Tiger«-Kampfhubschraubers während eines Aufklärungsfluges die seit Langem schwelende Debatte um mögliche Defizite bei Ausbildung und vor allem Ausrüstung der Bundeswehr neu entfacht. So will der Bundeswehrverband zwar nicht zum Helikopterabsturz Stellung nehmen, verweist aber auf frühere Stellungnahmen, nach denen die Bundeswehr »nur bedingt einsatzbereit« sei. An dieser Einschätzung habe sich nichts geändert, so ein Sprecher der Soldatenvereinigung.

Auch für den SPD-Verteidigungspolitiker Karl-Heinz Brunner ist es zu früh, Aussagen zu möglichen Absturzursachen des Helikopters in Mali zu treffen. »Doch der tödliche Vorfall zeigt ein weiteres Mal, dass wir unseren gesamten Flugapparat dahingehend überprüfen müssen, ob er den klimatischen Bedingungen in den Einsatzländern entspricht.«

Am Einsatz des Kampfhubschraubers im von islamistischen Terroristen und Milizen geplagten Mali, wo fast 900 Bundeswehrsoldaten an der UN-Friedensmission »Minusma« teilnehmen, hatte es im Vorfeld massive Kritik gegeben. Der vom deutsch-französischen Airbus-Konzern unter anderem in Donauwörth gebaute Helikopter ist nur bis zu einer Außentemperatur von 42 Grad zugelassen. Für den Einsatz in Mali wurde dieser Wert wie zuvor für Afghanistan quasi per Sondergenehmigung heraufgesetzt. Doch in der westafrikanischen Wüste können die Temperaturen noch höher klettern – zum Absturzzeitpunkt am vergangenen Mittwoch sollen sie aber bei nur 36 Grad gelegen haben. Zudem soll es beim 2003 bei der Bundeswehr in Dienst gestellten »Tiger« enorme Wartungsprobleme geben, 2013 stürzte ein Exemplar bei einem Übungsflug nahe Oberammergau ab – die Piloten überlebten.

Brunner sieht dringenden Bedarf, »ohne Scheuklappen zu untersuchen, ob der ›Tiger‹ für den Mali-Einsatz geeignet ist – und gegebenenfalls über Nachbesserungen oder Ersatzbeschaffungen nachzudenken«. Wenn nötig müsse auch der Verteidigungsausschuss des Bundestages noch einmal zusammentreten. »Wenn es um die Sicherheit der Soldaten im Einsatz geht, darf eine Entscheidung nicht erst nach der Bundestagswahl fallen.«

Auch der CSU-Verteidigungspolitiker Reinhard Brandl spricht von »Lücken« bei der Ausrüstung der Truppe. »Die Trendwende bei der Bundeswehr ist eingeleitet, aber das bestellte Material ist noch nicht in der Truppe angekommen – das führt zu Engpässen.« Oberste Priorität müsse es sein, dass diese Lücken sich nicht auf die Sicherheit der Soldaten im Auslandseinsatz auswirkten.

Das Verteidigungsministerium wies Kritik zurück. In Mali seien keine unerfahrenen Hubschrauberpiloten im Einsatz. Aus Bundeswehrkreisen heißt es, dass Fluglehrer bei der Qualifizierung des Pilotennachwuchses in Deutschland fehlten. So stehe insgesamt zu wenig qualifiziertes Flugpersonal zur Verfügung.

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