06. Dezember 2017, 22:04 Uhr

May im Terrorvisier

Die britischen Geheimdienste sind im Dauereinsatz gegen Terroristen. Fünf Anschläge trafen das Land in diesem Jahr schon, insgesamt neun Attacken wurden vereitelt – darunter ein Attentat gegen Premierministerin Theresa May.
06. Dezember 2017, 22:04 Uhr
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Von DPA
Terror und kein Ende: Britische Sicherheitsbehörden haben einen Anschlag auf Premierministerin Theresa May verhindert. (Foto: dpa)

Es war ein unkomfortables Briefing: Andrew Parker, der Chef des Inlandsgeheimdienstes MI5, unterrichtete am Dienstag das britische Kabinett über die Terrorgefährdung. Ein Anschlag, den man aber zum Glück habe vereiteln können, sagte Parker, hätte die britische Premierministerin Theresa May selbst betroffen.

Zwei vom Terrornetzwerk Islamischer Staat (IS) inspirierte mutmaßliche Terroristen hatten geplant, einen Sprengsatz vor den Toren zu Mays Amtssitz Downing Street zu zünden. Die Männer hätten vorgehabt, im anschließenden Chaos die Premierministerin zu erstechen.

Seit Mittwoch stehen die beiden mutmaßlichen Attentäter vor Gericht in London. Es handelt sich laut britischen Medien um den 20-jährigen Naa’imur Zakariya Rahman aus Nordlondon und den 21-jährigen Mohammed Aqib Imran aus Birmingham. Die beiden jungen Männer waren am 28. November von der Polizei festgenommen worden. Sie standen schon Wochen vorher unter der Beobachtung von Scotland Yard und MI5.

Dieser Anschlag gehört zu den neun Terrorattacken, die die britischen Sicherheitsdienste allein in diesem Jahr haben verhindern können. Seit der Ermordung des Soldaten Lee Rigby durch islamistische Extremisten vor vier Jahren, so Parker, habe man insgesamt 22 Anschläge vereitelt. In diesem Jahr allerdings sei die Bedrohung exponentiell gestiegen. Andrew Parker sprach davon, dass Großbritannien vor der größten terroristischen Herausforderung seit einer Generation stehe. Allein in diesem Jahr hat es fünf Anschläge – vier in London, einen in Manchester – gegeben, denen insgesamt 36 Menschen zum Opfer fielen.

Die Zahl der Festnahmen von Terrorverdächtigen, so der MI5-Chef, habe mit 379 Verhaftungen im letzten Jahr bis zum Juni einen Höchststand erreicht. Die Geheimdienste gehen davon aus, dass es im Königreich rund 3000 islamistische Gefährder gibt. Insgesamt umfasst der Kreis von Individuen, die in der Vergangenheit auf dem Radar der Sicherheitskräfte aufgetaucht sind und als mögliche Gefährder oder Sympathisanten gelten, rund 20 000 Personen. Und zurzeit werden mehr als 500 laufende Ermittlungen zu geplanten Terroranschläge durchgeführt. Die Zahlen demonstrieren eine drastisch gestiegene Bereitschaft von Terroristen zuzuschlagen. Angesichts des Ausmaßes der Bedrohung überrascht es daher nicht, dass die Terrorwarnstufe auf dem zweithöchsten Level »severe«, ernst, liegt, was bedeutet, dass eine Attacke »hoch wahrscheinlich« ist.

Zusätzliche Maßnahmen

Im Kampf gegen den Terror setzen die Briten neben der Überwachung von Terrorverdächtigen und dem Informationsaustausch und der Kooperation mit ausländischen Sicherheitskräften zudem auf passive Gefahrenabwehr durch eine Änderung der Straßenarchitektur. Ministerien im Regierungsviertel Whitehall wurden durch Poller, Stahlbarrieren und zusätzliche Mauern geschützt. Auch vor dem Parlament in Westminster erschienen erstmals massive Barrieren, um einen möglichen Terroranschlag durch Autobomben zu verhindern. Nach zwei Terrorattacken durch Autos auf Londoner Brücken wird jetzt über zusätzliche Maßnahmen für belebte öffentliche Räume nachgedacht.



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