06. Februar 2017, 22:09 Uhr

Mädchen in Gefahr

06. Februar 2017, 22:09 Uhr
FER

Ein grausames, archaisches Phänomen ist in unserer Mitte angekommen: Durch den großen Zustrom an Flüchtlingen hat sich die Zahl der von Genitalverstümmelung betroffenen Frauen in Deutschland auf fast 50 000 erhöht, eine Steigerung um 30 Prozent innerhalb von nur zwei Jahren. Medizin und Staat müssen den Betroffenen helfen, sind aber kaum darauf vorbereitet. Vor allem aber müssen die Behörden verhindern, dass weiteren Mädchen die Genitalien verstümmelt werden. In Deutschland sind 5500 Mädchen davon bedroht.

Neben Aufklärung und Vorbeugung ist im Kampf gegen die Frauenbeschneidung auch eine konsequente Anwendung der bestehenden Gesetze nötig, ohne Eifer, aber auch ohne Scheuklappen und falsch verstandene Toleranz. Die Verstümmelung der Genitalien von Mädchen und Frauen ist ein Verbrechen, für das es keinen »kulturellen Rabatt« geben darf. Ein Vergleich mit der religiös oder medizinisch begründeten Beschneidung von Knaben ist schon durch Umfang, Massivität und Konsequenzen der Eingriffe wenig sinnvoll. Manche Formen kämen der Abtrennung des Penis bei Jungen gleich.

Darüber aufzuklären, ist eine so wichtige wie schwierige Aufgabe. Sie ist Teil der Herausforderung, dem Import patriarchalischer Gesellschaftsmodelle zu begegnen, die die Gleichberechtigung von Frauen ablehnen und aktiv untergraben.

Dabei ist das Phänomen vielschichtig und kompliziert: Oft sind es die Mütter, die auf der Beschneidung bestehen – aus Angst, die Tochter werde sonst keinen Mann finden. Zur Antwort muss deshalb eine ganz klare rechtliche Eindeutigkeit gehören: Zum Schutz der gefährdeten Mädchen müssen Eltern, die trotz der Aufklärungsmaßnahmen auf der Genitalverstümmelung ihrer Töchter bestehen, konsequent bestraft werden. Gerade auch dann, wenn der Eingriff, wie es offenbar vielfach geschieht, bei einer Reise in die alte Heimat durchgeführt wird – dann eben doch wieder mit Rasierklingen oder Glasscherben und unter schlimmsten hygienischen Bedingungen. Mit großen Risiken und oft schrecklichen Folgen für die Mädchen.

Wer seine Töchter der grausamen Prozedur aussetzt, soll sich nicht auf Unwissenheit herausreden können. Oder auf angebliche religiöse Pflichten, die in Wirklichkeit weder im Islam noch in Christentum bestehen. Die Praxis stammt wohl aus pharaonischer Zeit. Für sie gibt es keine Berechtigung – nirgends.

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