15. Juni 2017, 18:35 Uhr

Im Norden Jamaika, im Westen Schwarz-Gelb

15. Juni 2017, 18:35 Uhr

Es ist das Ende einer langen Durststrecke: Im Mai gelang es der CDU nach zwölf Jahren erstmals wieder, aus der Opposition heraus auf Landesebene zurück an die Macht zu kommen. Der Coup gelang gleich zwei Mal, in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Wenn alles klappt, kommt die Union nun drei Monate vor der Bundestagswahl auf sieben Ministerpräsidenten – zieht also gleich mit der SPD.

Am Rhein haben sich CDU-Landesvorsitzender Armin Laschet und FDP-Chef Christian Lindner in nur drei Wochen reibungslos auf die Bildung einer schwarz-gelben Regierung geeinigt. Ebenso fix ging es an der Förde bei CDU, FDP und Grünen mit ihrem »Jamaika«- Bündnis. »Fertig!«, hieß es am Dienstagabend fast zeitgleich in Schleswig-Holstein und NRW: Der Koalitionsvertrag steht. Auch wenn die offiziellen Unterschriften noch fehlen.

Ehrgeizige Partner

In Nordrhein-Westfalen will sich Laschet am 27. Juni zum Ministerpräsidenten wählen lassen. In Kiel soll CDU-Chef Daniel Günther einen Tag darauf folgen. Der 43-Jährige hatte die Wahl am 7. Mai überraschend gewonnen, Laschet (56) eine Woche später in NRW. Sie bezwangen mit Torsten Albig und Hannelore Kraft zwei SPD-Regierungschefs, die von ihrer Wiederwahl ausgegangen waren. Die Katholiken eint auch die Unterstützung für Angela Merkel. Beide wollen ihr kräftigen Rückenwind aus Nord-West für den 24. September liefern, den Wahltag im Bund.

Mit dem FDP-Führungsduo Lindner und Wolfgang Kubicki haben die Koalitions-Architekten Laschet und Günther zwei ehrgeizige Partner mit auch bundespolitischen Ambitionen an Bord. In Kiel ist zudem der Grüne Robert Habeck als Akteur mit Gewicht und Perspektive dabei. Die Grünen im Norden haben sich mit der Reise nach »Jamaika« durchaus schwergetan, hatten sich mit der nun abgewählten Koalition mit SPD und SSW – Südschleswigscher Wählerverband – doch stark identifiziert. Habeck und Finanzministerin Monika Heinold machten ihren Leuten aber immer wieder klar: Die Alternative zu »Jamaika« wären wohl die harten Oppositionsbänke. Zum Frust der SPD hatten die Grünen nach einem klaren »Nein« Kubickis die vage Chance auf eine »Ampel«-Option schnell abgehakt. Die grüne Bundespartei schaut aufmerksam hin – schließlich könnte Schwarz-Gelb-Grün eine der Machtoptionen nach der Bundestagswahl sein.

NRW will an die Spitze

Im bevölkerungsreichsten Bundesland fehlt nur noch der letzte Feinschliff, am Freitag wird der Koalitionsvertrag vorgestellt. Schwarz-Gelb steht in NRW künftig etwas bevor, was die letzten beiden Kieler Koalitionen schon mitmachten: Regieren mit einer Ein-Stimmen-Mehrheit im Landtag. Das verstärkte den Druck in Düsseldorf, einen breit zustimmungsfähigen Vertrag zu zimmern. Die FDP lässt ihre 15 500 Mitglieder vom 16. bis 23. Juni darüber online entscheiden, die CDU plant einen Parteitag am 23. Juni in Neuss.

Die NRW-Runden verliefen unerwartet harmonisch, wenn man bedenkt, dass Lindner noch in der Wahlnacht polterte: »Ich bin ... nicht der Wunsch-Partner von Herrn Laschet und er nicht meiner.« Ganz schnell sind sich die Teams unter »Armin« und »Christian« in Top-Stimmung bei Innerer Sicherheit, Wirtschaft, Verkehr, Bauen, Bildung, Schule oder Finanzen einig geworden. Ein zentrales Ziel: Von Schlusslicht-Plätzen an die Spitze der Länder gelangen.

Und wer sitzt nach sieben Jahren Rot-Grün bald mit Laschet am Kabinettstisch? Lindner nicht. Der 38-Jährige will Bundespolitik pur machen, nach der September-Wahl nach Berlin wechseln – genauso wie Bundesparteivize Kubicki. Erst wenn Laschet die Kür zum Ministerpräsidenten geschafft hat, will er Namen nennen.

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