03. September 2017, 23:01 Uhr

Im Galopp durch zig Themen

03. September 2017, 23:01 Uhr
Zu Beginn einmal Händeschütteln – das gehört zum guten Ton. Ein großer Schlagabtausch während des TV-Duells zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Herausforderer Martin Schulz (SPD) bleibt auch aus. (Foto: dpa)

Das letzte Wort hat die Kanzlerin, sie spricht von den Herausforderungen der Zukunft. Angela Merkel schließt eine Koalition mit Linkspartei und AfD aus. Martin Schulz von der SPD betont, er werde im Falle eines Wahlsieges ein »europäisches Deutschland gestalten«. Eine Koalition mit der Linken schließt er nicht aus.

Beim TV-Duell, dem einzigen direkten Aufeinandertreffen von CDU-Kanzlerin Merkel und Martin Schulz dominiert blau das Studio: Merkel im kobaltblauen Blazer und Schulz im taubenblauen Anzug, Krawatte in ähnlichem Ton heben sich kaum ab. Auch bei den Inhalten sind die Unterschiede nicht gewaltig. Das Duell beginnt mit dem Thema, das die Bundesbürger wie kein anderes umtreibt: In der Flüchtlingspolitik hält Schulz Merkel vor, Fehler gemacht zu haben. Sie habe die europäischen Partner nicht ausreichend eingebunden. Merkel weist dies zurück, verteidigt ihre Entscheidung, ab September 2015 die Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen. Sie räumt aber ein, die Lage in den Flüchtlingslagern in Syriens Nachbarländern zu lange ignoriert zu haben. Große Differenzen gibt es in der Flüchtlingspolitik indes nicht zwischen Schulz und Merkel. Integration nennen beide eine große Herausforderung.

Auch in der Frage des derzeit ausgesetzten Familiennachzugs für Flüchtlinge mit eingeschränktem Schutzstatus gibt es von beiden keine eindeutigen Aussagen. Schulz will »im Einzelfall prüfen«. Merkel kündigt an, zunächst zu untersuchen, ob es verkraftbar wäre, wenn weitere Hunderttausende ihre Familien nachholen. Die Entscheidung könne durchaus so ausfallen, wie es Innenminister Thomas de Maizière (CDU) fordert. Der will den Familiennachzug für die »subsidiär Geschützten« auch über März 2018 hinaus aussetzen.

Im Umgang mit der Türkei fordert Schulz »klare Kante« und spricht sich für einen Stop der EU-Beitrittsverhandlungen mit Ankara aus. Auch Merkel sieht für die Türkei keinen Platz in der EU. Zum Angriff geht Schulz beim Thema Rente über, wirft Merkel vor, die CDU plane die Rente mit 70. Merkel schließt dies aus.

SPD-Chef ignoriert Fans

Über Strecken wirkt das TV-Duell hektisch, im Galopp geht es durch einen riesigen Reigen an Themen. Zum offenen Schlagabtausch kommt es kaum. Beide attackieren die Autobranche im Dieselskandal, kritisieren US-Präsident Donald Trump, kündigen an, Familien zu entlasten, kündigen im Fall ihrer Wahl mehr Anstrengungen bei der Inneren Sicherheit an. Die Moderatoren Sandra Maischberger (ARD), Maybrit Illner (ZDF), Claus Strunz (Sat1) und Peter Kloeppel bohren wacker nach, können die Kandidaten aber zu keinen unerwarteten Aussagen bewegen.

Inhaltlich zeigen sich Merkel und Schulz gut präpariert. Echte Schwächen zeigen beide nicht. Schulz macht seinen vielleicht größten Fehler bereits, als er gegen 19.11 Uhr vor dem TV-Studio aus der Limousine steigt. Er geht zunächst Richtung TV-Studio, lässt den jubelnden SPD-Nachwuchs stehen. Kurz darauf kommt Schulz zurück, schüttelt doch noch ein paar Juso-Hände. Angela Merkel, die acht Minuten später kommt, passiert das nicht. Sofort begrüßt sie ihre Fans von der Jungen Union, lächelt, scherzt. Die CDU-Anhänger schwenken ein Plakat. »Möge die Bessere gewinnen«, steht darauf. Bernhard Junginger

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