27. Juli 2017, 22:20 Uhr

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27. Juli 2017, 22:20 Uhr
JU

Jeder hat eine zweite Chance verdient. Das gilt auch für Karl-Theodor zu Guttenberg. Seit der Affäre um seine in weiten Teilen abgekupferte Doktorarbeit sind sechs Jahre vergangen. Und die ehemalige Lichtgestalt der CSU scheint inzwischen zu einem offeneren Umgang mit seinen Fehlern gefunden zu haben.

War der Grundton seines Buches »Vorerst gescheitert« von 2011 noch uneinsichtig und besserwisserisch, übt sich Guttenberg heute in Demut und Selbstironie. Seit Guttenberg, der in den USA lebt und arbeitet, wieder häufiger in Deutschland auftritt, wird heftig über seine Rückkehr in die Politik spekuliert. Viele sehnen sich nach dem Glamour, für den Guttenberg in seiner Zeit als Wirtschafts- und Verteidigungsminister stand.

Besonders laut ruft Parteichef Horst Seehofer nach Guttenberg. Der betont zwar, er fühle sich dafür in den USA viel zu wohl. Doch seine Dementis lassen alles offen. Guttenberg weiß, dass er nicht den Eindruck erwecken darf, er dränge sich auf. Aber wenn die Partei ihn braucht, wenn noch ein wenig mehr gebettelt wird – wer weiß? Doch der Weg zurück sollte für den abgestürzten Überflieger nicht über eine Kampagne in den Boulevardmedien und einen einsamen Beschluss von Parteichef Horst Seehofer führen. Sondern über einen echten politischen Neuanfang.

Guttenberg müsste sich der Parteibasis stellen und den Wählern, sich für ein Mandat bewerben, sich wieder hocharbeiten. Für die Bundestagswahl im Herbst aber stehen die Listen bereits fest. Bliebe eine Bewerbung um ein Landtagsmandat im kommenden Jahr. Nach einem Einzug ins Maximilianeum könnte Guttenberg dann zunächst auf bayerischer Ebene mehr Verantwortung übernehmen, nach und nach. Und dann sehen, ob der Sprung in die Bundespolitik erneut gelingt.

Dass sich Guttenberg jetzt im Wahlkampf in den Dienst der Partei stellt und eine Reihe von Reden halten will – das könnte ein Anfang sein auf dem Weg zurück ins politische Rampenlicht. Ein Comeback Guttenbergs nach Gutsherrenart aber, von null auf hundert, aus dem selbst gewählten amerikanischen »Exil« per Seehofer-Dekret direkt in ein Ministeramt auf Bundesebene – das wäre weder der eigenen Partei noch den Wählern zu vermitteln.

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