Meinung & Hintergrund

Heikle Aufgabe

Angela Merkel ist um ihre Gastgeberrolle wahrlich nicht zu beneiden. Wenn sich in ihrer Geburtsstadt Hamburg ab morgen die 20 mächtigsten Staats- und Regierungschefs der Welt treffen, liegt Ärger in der Luft. Das gilt draußen auf den Straßen der Hansestadt, wo mehrere Tausend gewaltbereite Linksextremisten unverhohlen auf Randale aus sind. Leider sind auch unter den Staatschefs, die im Messezentrum der Hansestadt zusammenkommen, einige, die derart auf Krawall gebürstet sind, dass es für die deutsche Kanzlerin äußerst schwierig werden wird, die Gipfel-Harmonie herzustellen, die die gewaltig in Unordnung geratene Welt gerade jetzt so dringend bräuchte. Da ist US-Präsident Donald Trump, der so gerne poltert, dass er mit internationaler Kooperation – gelinde gesagt – nicht viel am Hut hat.
05. Juli 2017, 21:19 Uhr
Redaktion

Angela Merkel ist um ihre Gastgeberrolle wahrlich nicht zu beneiden. Wenn sich in ihrer Geburtsstadt Hamburg ab morgen die 20 mächtigsten Staats- und Regierungschefs der Welt treffen, liegt Ärger in der Luft. Das gilt draußen auf den Straßen der Hansestadt, wo mehrere Tausend gewaltbereite Linksextremisten unverhohlen auf Randale aus sind. Leider sind auch unter den Staatschefs, die im Messezentrum der Hansestadt zusammenkommen, einige, die derart auf Krawall gebürstet sind, dass es für die deutsche Kanzlerin äußerst schwierig werden wird, die Gipfel-Harmonie herzustellen, die die gewaltig in Unordnung geratene Welt gerade jetzt so dringend bräuchte. Da ist US-Präsident Donald Trump, der so gerne poltert, dass er mit internationaler Kooperation – gelinde gesagt – nicht viel am Hut hat.

In Hamburg trifft Trump erstmals auf Wladimir Putin. Der hat mit der Annektierung der Krim, im Konflikt in der Ostukraine und mit seiner Unterstützung für den syrischen Diktator Assad das russische Band zum Westen bis auf Weiteres gekappt. Auch aus der Türkei kommt wahrlich kein einfacher Gast: Der zum Autokraten mutierte Recep Tayyip Erdogan, der sein Land gerade in eine Diktatur verwandelt und Deutschland mit Leidenschaft brüskiert.

Andere Gipfelteilnehmer kommen mit schweren Sorgen im Gepäck: Südkorea richtet seinen Blick auf den unberechenbaren Nachbarn in Norden, der gefährlich mit Atomwaffen zündelt. Nationen wie Japan, Brasilien, Argentinien oder Australien suchen nach der Aufkündigung des geplanten transpazifischen Freihandelsabkommens TPP durch Donald Trump nach neuen Handelsbeziehungen – und haben dabei vor allem die EU im Blick. Doch die Vertreter Europas sind im Moment vor allem mit sich selbst beschäftigt – die EU sortiert sich nach dem Brexit neu und ein nachhaltiges, gemeinsames Vorgehen in der Flüchtlingsfrage ist nicht in Sicht. Hunger, Kriege, Klimawandel und Perspektivlosigkeit vertreiben weltweit Millionen von Menschen aus ihrer Heimat – gerade in Afrika. Südafrika, der einzige Vertreter des Kontinents, um dessen Zukunft es beim Gipfel ja im Besonderen gehen soll, wird von haarsträubenden Korruptionsskandalen des Präsidenten Jacob Zuma erschüttert.

Doch gerade weil die Gäste so zerstritten und schwierig, die Probleme so vielfältig wie gravierend sind, wäre es grundfalsch, den G20-Gipfel als überflüssiges Polit-Spektakel abzutun. In bewegten Zeiten ermöglicht es das Format der Runde, ohne den Druck, dass am Ende bindende Verträge stehen müssen, Gespräche auf höchster und vor allem auf sehr persönlicher Ebene. Wem, wenn nicht der so nüchtern wie pragmatisch agierenden Bundeskanzlerin kann es gelingen, die Kollegen Weltenlenker zumindest zum Nachdenken zu bringen.

Unterstützung bei ihrer heiklen Aufgabe scheint Angela Merkel dabei ausgerechnet aus China zu bekommen. Präsident Xi Jinping setzt erklärtermaßen auf wirtschaftliche Kooperation. Weitere Stimmen der Vernunft und Lichtblicke auf Merkels Gästeliste sind Justin Trudeau aus Kanada, und Emmanuel Macron aus Frankreich. So ist die Ausgangslage vor dem Gipfel in Hamburg zwar ernst, aber keineswegs hoffnungslos.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/ueberregional/mantelredaktion/meinunghintergrund/Meinung-Hintergrund-Heikle-Aufgabe;art471,280629

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