»Südafrika wird Präsident Carter überleben!« Diese Prognose stellte der südafrikanische Außenminister Pik Botha 1977 vor der UNO auf. Er sollte nur zum Teil recht behalten. Was den frisch gekürten Chefdiplomaten des Apartheid-Regimes zu dieser Aussage trieb, war der bevorstehende Beschluss eines internationalen Waffenembargos gegen die Republik am Kap. Der Artikel rechts stammt aus unserer Ausgabe vom 5. November vor 40 Jahren.

US-Präsident Jimmy Carter war die Apartheid-Regierung Südafrikas ein Dorn im Auge. Während die sogenannte Segregation – die Ausgrenzung der Schwarzen aus der Gesellschaft – in den USA formal 1964 abgeschafft worden war, verblieb Südafrika als eines der letzten Länder, die eine klar rassistische Gesetzgebung verfolgten. In der internationalen Gemeinschaft stieß das immer mehr auf Ablehnung, wenngleich Südafrika, das 1977 nur zu 17 Prozent von Weißen bewohnt war, gerade für Westeuropa ein wichtiger Handelspartner war: Fast 60 Prozent des weltweiten Goldabbaus fand in dem Apartheids-Staat statt.

Die verzwickte Situation wurde durch weitere Vorkommnisse angeheizt. Zum einen erlangten Kolonien um Südafrika herum, wie Angola und Mosambik, ihre Unabhängigkeit von Portugal, wodurch der ideologische Konflikt mit diesen Ländern anschwoll. 1976 dann erschoss die südafrikanische Polizei bei einer Schülerdemonstration mehrere Menschen, darunter auch Kinder. Das brutale Vorgehen der Polizei bei den Aufständen, die in einem Vorort von Johannesburg namens Soweto begannen und 1977 noch nicht niedergeschlagen waren, erschreckte die internationale Gemeinschaft. Hinzukam die staatliche Ermordung des schwarzen Bürgerrechtlers Steve Biko im September des Jahres.

Andere schwarzafrikanische Länder forderten Sanktionen durch die UN, zu denen diese sich schließlich durchringen konnten. Wenngleich Kritiker nicht zu Unrecht anmerkten, dass Südafrika aufgrund seiner Ressourcen und Industrie in der Lage war, sich Waffen selbst zu bauen, einigte man sich auf ein Kampfmittelembargo.

Bis 1994 – dem Ende der Apartheid in Südafrika – bestanden die Sanktionen. Jimmy Carter lebt freilich heute noch, Südafrika gibt es auch noch – nur das System ist glücklicherweise Geschichte. (tib)

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