12. September 2016, 12:00 Uhr

Friedenssignale

Wenn die Politik Friedensschalmeien anstimmt, ist Vorsicht angebracht. Die Bemühungen um einen Waffenstillstand in Syrien waren bisher eine Kette enttäuschter Hoffnungen. Jetzt aber scheint es erstmals seit Jahren begründete Aussichten dafür zu geben, dass ein Friedensplan das jahrelange Gemetzel beenden könnte. Der vorsichtige Optimismus gründet darauf, dass sich die beiden Großmächte USA und Russland intensiv und planvoll verständigt haben und die kriegsbeteiligten Gruppen in Schach halten. Syrien ist nicht der einzige, aber bei weitem der schrecklichste Brandherd im Nahen Osten.
12. September 2016, 12:00 Uhr
Die jahrelange Durststrecke zu Hause in der Osthalle gegen Frankfurt wollen (v. l.) Thomas Scrubb, Joshiko Saibou und Dwayne Evans von den Gießen 46ers am Samstag um 20.30 Uhr im Hessenderby beenden – die Trinkflaschen halten sie schon in den Händen.	(Foto: Vogel)
Die jahrelange Durststrecke zu Hause in der Osthalle gegen Frankfurt wollen (v. l.) Thomas...

Wie tief der Hass sitzt, in den sich die Kriegsparteien verbissen haben, zeigen die schweren Bombenangriffe ausgerechnet an dem Tag, als der Waffenstillstand verkündet wurde. Die Trümmerlandschaft zweier Städte wurde nochmals umgepflügt. Bis zu 100 Zivilisten starben, so wird berichtet. Doch von heute an sollen die Waffen eine Woche schweigen, das verkündeten jedenfalls die beiden Außenminister John Kerry (USA) und Sergej Lawrow (Russland).
Der am häufigsten strapazierte Kommentar zu diesem Abkommen lautet: Hoffnung. Hoffnung auf Frieden, auf ein Ende von Elend, Leid, Tod und Vertreibung. Die beiden Großmächte haben sich in eine siamesische Abhängigkeit begeben. Russland verpflichtet sich, die syrische Armee des Diktators Baschar al-Assad zum Waffenstillstand zu bewegen, im Gegenzug wollen die USA die von ihnen unterstützten Rebellengruppen ebenfalls zur einer Waffenpause zwingen.
Die beiden haben sich viel vorgenommen. Denn in dieser Region, die von Hass und Unversöhnlichkeit infiziert ist, will eigentlich die eine Gruppe die andere vernichten. Friedensarbeit hat es da schwer. Aber die beiden Großmächte haben sich zu einer Partnerschaft verkettet, die sie in die Verantwortung einbindet, dass alles eingehalten wird. Falls da Rebellengruppen aus der Reihe tanzen, bekämen sie es mit beiden Großmächten zu tun. Soweit die Vision der Diplomatie.
Ob die andere Hoffnung aufgeht, die Kräfte dann auf den Kampf gegen die IS-Terroristen zu konzentrieren, ist offen. Es ist davon auszugehen, dass die Terrormilizen eine mögliche Waffenruhe nutzen könnten, sich militärisch zu konsolidieren. Genauso wie Diktator Assad unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung seine heimische Opposition bombardierte, so hat auch die Türkei neben den IS-Milizen die Kurden beschossen.
Die USA haben mit dem Deal einstweilen ihr Nahziel aufgegeben, Assad zu vertreiben. Dafür haben sie Moskau in die Feuerpause eingebunden, um die Kräfte gegen die gefährlichsten Gegner zu bündeln, die radikalen Dschihadisten. Putin setzt sich neben Obama als Ordnungsmacht im Nahen Osten fest. Und die Fantasie der Hoffnung geht spazieren: Frieden für das zerbombte Syrien, weniger Flüchtlinge, Niederschlagung des Terrors und friedliche Signale für eine unfriedliche Region.

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