26. April 2017, 22:21 Uhr

Elend im Reichtum

26. April 2017, 22:21 Uhr
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Tägliche tödliche Gewalt, Terror und Hunger prägen Venezuela, das einst wegen seines Ölreichtums und Wohlstandes beneidet wurde. Die Sozialisten unter Präsident Nicolás Maduro und eine ohnmächtige Opposition kämpfen verbissen um die Macht.

Das Land, in dem Benzin billiger als Wasser ist, kämpft mit Straßenterror, einer hohen Mordrate, Hyperinflation und Mangelwirtschaft. Die Krise steuert auf einen Staatsbankrott zu – ein Fanal für ganz Lateinamerika.

Allein am Benzin wird das Versorgungschaos deutlich. Venezuela verfügt – neben Saudi-Arabien – über die größten Ölreserven der Erde. Aber weil Investitionen und die nötige Technik fehlen, bleibt das »schwarze Gold« größtenteils im Boden. Venezuela muss sogar Benzin importieren – aus den (offiziell verhassten) USA. Gleichzeitig jedoch wird der Treibstoff vom Staat hoch subventioniert und zu niedrigsten Preisen verschleudert. So gibt es in Venezuela den billigsten Treibstoff der Welt.

Blühender Schwarzmarkt

In der Hauptstadt Caracas kostet selbst eine Flasche Wasser das Hundertfache eines Liters Benzin. Die Landeswährung Bolivar befindet sich im freien Fall, die Regierung kommt mit dem Gelddrucken nicht nach. Eine Inflation von geschätzten 700 Prozent höhlt die Kaufkraft aus, vertreibt Kapital aus dem Land und befeuert die sozialen Konflikte.

Wer über Dollar oder andere starke Währungen verfügt, kann sich auf dem blühenden Schwarzmarkt Medikamente und Lebensmittel besorgen; Kranke und Hungernde aber, die nur die eigene Landeswährung Bolivar in der Tasche haben, haben dagegen Pech.

Die Natur hat mit landschaftlicher Vielfalt nicht gegeizt. Venezuela bietet zauberhafte Strände und Inseln, ein angenehmes karibisches Klima, kontrastreiche Hochgebirge, Flüsse und Seen – eigentlich ein Paradies für Touristen. Die aber meiden ein Land, in dem Mangel herrscht und sie ihres Lebens nicht mehr sicher sein können.

Verteilt und verpulvert

Der sozialistische Präsident und seine Sicherheitstruppen machen finstere ausländische Kräfte und den niedrigen Ölpreis für die Krise verantwortlich. Schon unter Maduros Vorgänger Hugo Chavez hatte Venezuela den strategischen Fehler vieler Erdölländer gemacht: Statt den Ölreichtum in den Aufbau und die Modernisierung einer starken Wirtschaft zu investieren, wurde er verteilt und verpulvert. Dadurch trifft jeder Absturz des Ölpreises die Volkswirtschaft ins Mark.

Um eine drohende Zahlungsunfähigkeit zu verhindern, versilbert das Land seine Goldvorräte. Staatliche Preisdiktate blockieren landwirtschaftliche und industrielle Produktion. De facto herrscht eine Art Bürgerkrieg zwischen dem Präsidenten und der von ihm entmachteten Opposition. So hat Caracas die höchste Mordrate auf der Welt, öffentliche Sicherheit ist Mangelware.

Doch der Schlüssel zu einer Befriedung des Landes liegt beim Regime Maduro selbst. Es muss freie Wahlen erlauben und die Verfassung respektieren.

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