13. Juli 2017, 22:16 Uhr

Eklat bei »Maischberger«

Es geht hoch her bei Sandra Maischberger. Wolfgang Bosbach findet das Verhalten der Mitdiskutantin Jutta Ditfurth unerträglich – und verlässt die Talkrunde.
13. Juli 2017, 22:16 Uhr
»Gewalt in Hamburg: Warum versagt der Staat?« ist das Thema in der Sendung »Maischberger«. Erbost über das Verhalten der früheren Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth verlässt Wolfgang Bosbach die Talkrunde. Moderatorin Sandra Maischberger kann ihn nicht zurückhalten. (Foto: dpa)

Wolfgang Bosbach hat schon mit vielen über vieles diskutiert. Er gilt als ein Lieblingsgast der Talkshow-Macher, weil er eine klare Sprache spricht. Und weil er auf viele Zuschauer authentisch wirkt. Auseinandersetzungen mit Menschen anderer Meinung vor laufender Kamera ist er gewohnt. Aber am Mittwochabend ist dem CDU-Innenpolitiker in der Sendung »Maischberger« im Ersten über die Krawalle beim Hamburger G20-Treffen der Kragen geplatzt. Bosbach verließ die Talk-Sendung nach einer hitzigen Diskussion mit der früheren Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth mit dem Kommentar: »Das muss ich nicht mitmachen.« Ditfurth bezeichnete ihn daraufhin als »kleine Mimose«.

Eine Talk-Sendung vorzeitig verlassen? Das war für den langjährigen Bundestagsabgeordneten eine neue Erfahrung: »Bis jetzt bin ich mehr als einmal tapfer gewesen bis zum Ende«, sagte er am Donnerstag. »Ich hatte schon einen Imam, der geredet hat wie ein Wasserfall, ich hatte schon eine vollverschleierte Muslima, die Werbung für den Dschihad gemacht hat. Jetzt bei dem Auftritt von Frau Ditfurth ist bei mir das Fass übergelaufen.« Bosbach wirft ihr unter anderem vor, die Krawalle zu verharmlosen.

Seinen wütenden Abgang hält er nach wie vor für richtig: »Nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen habe, muss ich freimütig gestehen, ich frage mich, warum ich nicht schon früher gegangen bin«, erklärte er. »Frau Ditfurth hat sich wirklich die ganze Sendung über bemüht, durch Mimik, Gestik und Dazwischenreden zu zeigen, dass sie von abweichenden Argumentationen überhaupt nichts hält«, kritisierte der CDU-Politiker. »Für mich hatte die Argumentation von ihr nur einen roten Faden: Alle Gewalt ging von der Polizei aus, und die 500 verletzten Polizisten sind an ihrem Unglück selber schuld. Und da ist für mich die Grenze des Erträglichen überschritten.«

Ditfurth geht nicht

Moderatorin Sandra Maischberger teilte per Facebook mit, sie bedaure sehr, dass Bosbach die Runde vorzeitig verlassen habe. »Mein Versuch, ihn zum Bleiben zu bewegen, schlug leider fehl. Das ist immer eine Niederlage in einer Sendung, deren Aufgabe es ist, Menschen ins Gespräch zu bringen.«

Nachdem Bosbach gegangen war, bat Maischberger Jutta Ditfurth, die Runde ebenfalls zu verlassen – doch die ignorierte die Aufforderung. »Ich möchte mich ausdrücklich bei Frau Ditfurth für den Versuch entschuldigen, sie aus der Sendung komplimentieren zu wollen«, schrieb Maischberger auf Facebook. Das sei eine »unüberlegte Kurzschlussreaktion« gewesen.

Bosbach sagte, er habe mit seinem Abgang ein Zeichen setzen wollen: »Talkshows machen nur dann Sinn, wenn alle die Bereitschaft mitbringen, sich ernsthaft mit der Position des Gegenübers zu beschäftigen und ihn ausreden zu lassen.« Er habe nichts gegen eine Zwischenfrage oder gegen einen flotten Spruch.

Der Politiker will trotzdem auch künftig in Talk-Sendungen gehen und sieht keine Entwicklung zu mehr Krawall bei solchen Formaten: »Ich würde nicht sagen, dass es immer schlechter und schlimmer wird. Aber vielleicht wird die Intoleranz größer.«

Der stellvertretende Chefredakteur Fernsehen beim zuständigen »Maischberger«-Sender WDR, Udo Grätz, betont, dass Bosbachs vorzeitiger Abgang eine Ausnahme sei: Bisher habe es in der Sendung nur einmal so einen Fall gegeben, 2007, als der Wissenschaftsjournalist Joachim Bublath sich die Ausführungen der Sängerin Nina Hagen nicht mehr länger anhören wollte. »So etwas ist absolut selten, das war gestern schon etwas Besonderes«, sagte Grätz.

Neue Regeln für das Diskutieren in Talk-Sendungen hält er nicht für nötig: »Wenn wir solche Fälle jede Woche hätten oder monatlich, dann müsste man vielleicht darüber nachdenken. Aber es gibt allein im Ersten rund 100 Gesprächssendungen jährlich, und so etwas wie gestern kommt so gut wie nie vor.« Auch Grätz sieht nicht, dass sich die Diskussionskultur verschlechtern würde: »Vor fünf, sechs Jahren gab es in solchen Sendungen mehr Aggressionen. Es ist eher sachlicher geworden – und es ist auch nicht so, dass die Zuschauer auf Krawall stehen.«

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