24. Oktober 2016, 12:00 Uhr

Eine Farce

Die Grünen sind eine Partei mit Prinzipien. Wer sie als Spitzenkandidat in die Bundestagswahl führt, entscheidet allein die Basis. Und damit sich nur ja niemand benachteiligt fühlt, muss alles sorgsam austariert sein. Gesucht wird ein grünes Doppel, dem mindestens eine Frau angehört und in dem sich beide Flügel der Partei wiederfinden, die Pragmatiker und die Parteilinken. Tatsächlich jedoch ist die Urwahl, die am Wochenende mit dem ersten Schaulaufen der vier Aspiranten in Hannover begonnen hat, zumindest in Teilen eine Farce.
24. Oktober 2016, 12:00 Uhr
RWA
Die jahrelange Durststrecke zu Hause in der Osthalle gegen Frankfurt wollen (v. l.) Thomas Scrubb, Joshiko Saibou und Dwayne Evans von den Gießen 46ers am Samstag um 20.30 Uhr im Hessenderby beenden – die Trinkflaschen halten sie schon in den Händen. (Foto: Vogel)


Posten schon sicher

Weil Parteichefin Simone Peter gar nicht erst zur großen Kür antritt, hat die Fraktionsvorsitzende Kathrin Göring Eckardt leichtes Spiel und ihren Platz im grünen Spitzenduo schon sicher, egal wie die Mitglieder am Ende abstimmen – es muss ja eine Frau dabei sein. Damit ist die Thüringerin gesetzt, die zwar maßgeblich für den missratenen Wahlkampf des Jahres 2013 mit verantwortlich war, sich anschließend mit geschicktem Eigenmarketing aber trotzdem das einflussreiche und prestigeträchtige Amt an der Fraktionsspitze gesichert hat. Um die zweite, noch freie Stelle neben ihr im Wahlkampf balgen sich mit Parteichef Cem Özdemir, Fraktionschef Anton Hofreiter und dem schleswig-holsteinischen Umweltminister Robert Habeck drei Männer, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Hier hat die Partei wirklich eine Wahl, hier muss sie auch eine Richtungsentscheidung treffen. Mit Özdemir würde sie die Signale auf Schwarz-Grün stellen, Hofreiter wiederum gilt eher als Sympathisant einer rot-rot-grünen Allianz, Habeck sortiert sich irgendwo dazwischen ein, mit gewissen Präferenzen für das Realo-Lager.
Mindestens so wichtig wie das Spitzenpersonal ist allerdings die politische Ausrichtung dieses Wahlkampfes, über die der Parteitag Mitte November in Münster entscheidet. Wie vor vier Jahren laufen die Grünen auch diesmal Gefahr, mit Forderungen wie der nach einer Abschaffung des Ehegattensplittings und tendenziell höheren Steuern einen großen Teil ihrer Anhänger zu verprellen. Ein Spitzenkandidat Özdemir hätte vermutlich große Probleme, einen so dezidiert linken Wahlkampf glaubhaft zu führen. Kathrin Göring-Eckardt tut sich da leichter. Sie hat sich in den vergangenen Jahren als so anpassungsfähig erwiesen, dass auch viele Grüne gar nicht mehr so genau wissen, was sie nun ist – eine Noch-Reala oder schon eine Neo-Linke.

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