26. Juni 2017, 21:15 Uhr

Ein abenteuerlicher Fall

Auch mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall gibt es noch Interessantes aus der Ost-Vergangenheit zu entdecken. Ein Stasi-Offizier als Wirtschaftsverbrecher? Ein neues Buch erzählt diese wahre Geschichte.
26. Juni 2017, 21:15 Uhr
Schriftsteller Klaus Behling erzählt die Geschichte von einem unglaublich anmutenden Wirtschaftsverbrechen in der DDR. (Foto: dpa)

Rund 84 Kilogramm Gold, Brillanten, Silbermünzen, 1,6 Millionen D-Mark, 2,2 Millionen DDR-Mark, Teppiche, Schmuck – ein Teil davon zufällig entdeckt in einer Wohnung in Ost-Berlin. Stasi-Minister Erich Mielke soll es die Sprache verschlagen haben, als er den Bericht im Februar 1981 über die Funde auf den Tisch bekam.

»Das war das größte Wirtschaftsverbrechen in der DDR – begangen von einem Stasi-Offizier und seiner Geliebten«, sagt Autor Klaus Behling. Zusammen mit Jan Eik hat er ein Buch mit dem Titel »Attentat auf Honecker und andere besondere Vorkommnisse« herausgebracht. Die Geschichte des gierigen Stasi-Mannes ist eine von acht. Behling war früher DDR-Diplomat in Kambodscha und nach 1989 Journalist. Er habe einen Tipp zu diesem abenteuerlichen Fall bekommen und dann in Unterlagen bei der Stasi-Unterlagen-Behörde recherchiert, erzählt der 68-Jährige.

Er beschreibt, wie der Stasi-Mann in großem Stil über Jahre in die eigene Tasche wirtschaftete, ohne dass es auffiel. »Es gibt immer noch Sachen, die erstaunen«, sagt Behling, der schon andere Bücher über die DDR geschrieben hat.

Der Oberstleutnant im Ministerium für Staatssicherheit (MfS), der auch Finanzökonom war, habe mit Wissen der Stasi die Scheinfirma »Industrievertretung« hochgezogen, Embargo-Güter importiert und davon kräftig profitiert, sagt der Autor. »Der hat sich daran erfreut, Geld und das Gefühl zu haben, dass er machen kann, was er will«, so Behlings Fazit nach der Durchsicht von Verhörprotokollen. Er zitiert in dem Buch aus dem Lebenslauf des selbstverliebten Funktionärs: »Ich habe Agenten liquidiert und Feinde enttarnt.«

Die internen Stasi-Ermittler mussten in ihrem Bericht kleinlaut eingestehen, dass die Manipulationen schon Ende 1961/Anfang 62 begonnen hatten – mit der Aktion »Licht«: Bei der Suche nach harten Devisen sei die damalige DDR-Führung unter Walter Ulbricht auf die Idee verfallen, mehr als 21 000 Bankschließfächer zu kontrollieren, die seit Kriegsende nicht mehr geöffnet worden waren. In der Folge wurde »herrenloses Gut« in den Westen verscherbelt, darunter Antiquitäten, Gemälde, Edelsteine, wie es im Buch heißt. An der Aktion sei auch der umtriebige Stasi-Mann beteiligt gewesen. Von den Erlösen habe er unkontrollierte »Rücklagen« gebunkert und zudem von West-Firmen Provisionen bezogen. Anfangs habe er Gewinne in bar im Finanzministerium abgeliefert, dann einfach nicht mehr. Das abgezweigte Geld habe er in wertbeständiges Gold umgetauscht, hat Behling rekonstruiert. Der Mann sei immer mehr zum Alleinherrscher über eine unkontrollierte, streng geheime Firma geworden, die im Handelsregister nicht existierte.

Es sei ein peinlicher Offenbarungseid für das MfS gewesen, als es erkannte, dass über Jahre Millionenbeträge aus seiner Verfügung verschwanden, schreibt Behling. Doch letztlich sei das konfiszierte Diebesgut zu einem warmen Regen für das Stasi-Ministerium geworden. Der reuelose Stasi-Mann wurde demnach in einem geheimen Prozess zu 15 Jahren verurteilt und starb 1983 im Gefängnis an einer schweren Krankheit.

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