08. November 2017, 21:31 Uhr

Denkzettel für Trump

08. November 2017, 21:31 Uhr

Das Ergebnis am Jahrestag seiner Wahl zum 45. Präsidenten der USA ging Trump unter die Haut. So sehr, dass er am anderen Ende der Welt, in Südkorea, die neue Twitter-Obergrenze von 280 Anschlägen ausnutzte, sich von dem republikanischen Spitzenkandidaten in Virginia, Ed Gillespie, zu distanzieren. Der Kandidat habe hart gearbeitet, »mich und wofür ich stehe aber nicht mit Begeisterung vertreten«, twitterte der Präsident.

Vor den Wahlen klang das noch ganz anders. Da lobte Trump Gillespie, einen traditionellen Republikaner, der die strategische Entscheidung getroffen hatte, mit Trump-Themen anzutreten

Gillespie agitierte im Wahlkampf gegen Einwanderer, setzte sich für den Erhalt der Konföderierten-Denkmäler in dem südlichen Bundesstaat ein, profilierte sich als Champion der Waffennarren, versuchte die boomende Wirtschaft herunter zu reden und schürte Angst vor Verbrechen, obwohl es in Virginia so wenige gibt wie kaum irgendwo sonst in den USA.

Vor dem Wahltag lag er in Umfragen Kopf an Kopf mit Ralph Northam, der in dem tendenziell den Demokraten zugeneigten Bundesstaat einen miserablen Wahlkampf geführt hatte. Umso erstaunlicher fiel das Ergebnis aus. Gillespie ging in der Wahlnacht mit Pauken und Trompeten unter.

Gegner mobilisiert

Alle wichtigen Wahlämter gingen an die Demokraten und im Parlament haben sie gute Aussicht, die republikanische Mehrheit abzulösen. Die Erklärung für das Desaster hat allein mit Trump zu tun, der laut Nachwahlumfragen seine Gegner mobilisierte. Doppelt so viele Wähler, die Trump als Motiv für ihre Wahlbeteiligung nannten, wollten dem Präsidenten einen Denkzettel verpassen als ihn unterstützen. Der Erhalt der Krankenversicherung bewegte die Wähler stärker als Einwanderung und Konföderierten-Denkmäler.

In Virginia sorgte die Anti-Trump-Stimmung sogar für den historischen Einzug der ersten offen als Transfrau antretenden Kandidatin ins Repräsentantenhaus des Bundesstaates. Die Demokratin Danica Roem (33) gewann im 13. Distrikt des Bundesstaats gegen den 73-jährigen Bob Marshall, ein stolzer LGTB-Hasser, der seit 26 Jahren für die Republikaner im Parlament saß.

Mit deutlichem Abstand siegte bei den Gouverneurswahlen im demokratischen New Jersey der ehemalige US-Botschafter in Deutschland, Phil Murphy. In New York verteidigte der linke Bürgermeister Bill de Blasio mit rund Zweidrittel der Stimmen sein Amt. Zwei wichtige Pflichtsiege, die Analysten erwartet hatten.

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