21. August 2017, 20:57 Uhr

Das letzte Todesurteil

21. August 2017, 20:57 Uhr
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Von Tim Brückmann

Ein abgeschrägtes Beil, beschwert mit Gewichten, fährt aus etwa zwei Metern Höhe auf den darunter liegenden Menschen herab. Die Guillotine galt lange Zeit als »sicherste« Methode der Hinrichtung, heute ist sie noch immer ein Symbol für die Französische Revolution und die anschließende Terrorherrschaft Robespierres.

Im Dienst war die – umgangssprachlich auch »le rasoir national« (»das nationale Rasiermesser«) genannte – Enthauptungsmaschine bis 1977. Am 10. September des Jahres wurde in Frankreich das letzte Todesurteil mit ihr vollstreckt. Es war das dritte innerhalb von 14 Monaten, wie die kleine Meldung aus dieser Zeitung anmerkt, die in unserer Ausgabe vom 12. September erschienen ist. Dass es bis heute die letzte vollstreckte Todesstrafe in ganz Westeuropa sein sollte, war damals aber noch nicht absehbar.

Der zum Tod durch die Guillotine Verurteile war Hamid Djandoubi, ein in Frankreich lebender Tunesier, der seine Geliebte zur Prostitution zwang und sie später aus Rache über ihre Anzeige bei der Polizei erdrosselte.

Auch die Vergewaltigung eines 15-jährigen Mädchens wurde ihm zugerechnet. Das Geschworenengericht in Aix-en-Provence sprach ihn schließlich schuldig; der damalige Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing lehnte einen Revisionsantrag im September ab, woraufhin Djandoubi bereits am Tag darauf hingerichtet wurde.

Was beim Tod durch die Guillotine mit dem menschlichen Körper passiert, ist nicht vollständig erforscht. Es gibt verschiedene Berichte von Beobachtern einer Hinrichtung per Guillotine, die aussagen, der abgetrennte Kopf sei bei der Präsentation vorm Publikum ansprechbar gewesen, hätte teilweise sogar versucht, zu sprechen. Die Anwesenden der nicht öffentlichen Enthauptung Djandoubis berichten sogar, der Kopf des Verurteilten habe noch 30 Sekunden nach Durchtrennung der Halswirbelsäule und Loslösung vom Körper auf Zurufe reagiert. Es ist auch strittig, ob der Tod schmerzfrei ist, denn durch die großflächige Schnittverletzung, bei der Muskeln, Sehnen und Knochen durchtrennt werden, ist theoretisch kurzzeitig ein Schmerzreiz gegeben.



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