Die polnische Regierung hat sich mit ihrem Vorgehen bei der Wahl des EU-Ratspräsidenten am meisten selbst geschadet. Da nicht einmal der ewige EU-Querulant, Ungarns Viktor Orban, bereit war, den seltsamen Kurs mitzufahren, stand sie am Ende ganz allein da. Im Kreis ihrer 28 Kollegen ist die polnische Regierungschefin Beata Szydlo nun einmal mehr entlarvt als eine Marionette des Chefs der nationalkonservativen PIS, Jaroslaw Kaczynski. Der wollte seinen Landsmann Donald Tusk verhindern, weil er ihn für den Drahtzieher des Flugzeugabsturzes von Smolensk hält, bei dem sein geliebter Zwillingsbruder 2010 ums Leben kam. Eine absurde Verschwörungstheorie. Polen wird es über den Streit um Tusk schon nicht zum kompletten Bruch mit den anderen Ländern in der EU kommen lassen. Das liegt schon deswegen nahe, weil die Polen ihre Drohung nicht wahrmachten und den Gipfel Hals über Kopf verließen.

Wer weiß, womöglich hat der seltsame Warschauer Alleingang sogar etwas Gutes und Orban entdeckt auch bei anderen Themen wieder Gemeinsamkeiten mit anderen EU-Staaten. Das wäre gut: In nächster Zeit gilt es, durchzubuchstabieren, wo die EU in zehn Jahren stehen will. Da wäre es schädlich, wenn sich mit den vier Visegrad-Staaten Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei ein rebellischer Block verfestigen würde.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Donald Tusk
  • Jaroslaw Kaczynski
  • Viktor Orbán
  • Markus Grabitz
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos