18. Januar 2017, 21:58 Uhr

Bewährte Kräfte

Bei den Grünen ist die Basis der Boss. Der Boss hat jetzt ein Machtwort gesprochen – und zwar mit der Stimme der Vernunft. So war die Urwahl der beiden Spitzenkandidaten der Partei für die Bundestagswahl viel mehr als nur eine weitreichende personelle Weichenstellung. Mit ihrem deutlichen Votum haben die Parteimitglieder auch den Streit zwischen dem bürgerlichen Realo- und dem linken Fundi-Flügel bis auf Weiteres entschieden.
18. Januar 2017, 21:58 Uhr
JU

Bei den Grünen ist die Basis der Boss. Der Boss hat jetzt ein Machtwort gesprochen – und zwar mit der Stimme der Vernunft. So war die Urwahl der beiden Spitzenkandidaten der Partei für die Bundestagswahl viel mehr als nur eine weitreichende personelle Weichenstellung. Mit ihrem deutlichen Votum haben die Parteimitglieder auch den Streit zwischen dem bürgerlichen Realo- und dem linken Fundi-Flügel bis auf Weiteres entschieden.

Ein Realo-Duo soll es richten, Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir, zwei bewährte Kräfte, die bereits gezeigt haben, dass sie für Sachpolitik ohne ideologische Scheuklappen stehen. An der evangelischen Ex-Bürgerrechtlerin aus Thüringen und dem Gastarbeitersohn aus Schwaben führt derzeit bei den Grünen kein Weg vorbei – noch. Denn obwohl bei der Urwahl knapp unterlegen, zählt auch Robert Habeck zu den Gewinnern. Mit ihm wird künftig zu rechnen sein – möglicherweise sogar als Parteichef. Großer Verlierer ist dagegen Toni Hofreiter, Vorzeige-Öko und nicht nur optisch Nachfahr jener Polit-Rebellen, die sich einst anschickten, die deutsche Politik durcheinanderzuwirbeln. Der einzige Fundi unter den drei männlichen Kandidaten macht keinen großen Hehl daraus, dass er sich ein rot-rot-grünes Bündnis auch auf Bundesebene wünscht. Dass er so deutlich abgeschmiert ist, zeigt, dass weite Teile der grünen Klientel politisch längst in die bürgerliche Mitte gerückt sind. Viele der Revoluzzer von damals gehören heute zu den Besserverdienenden, denen die grünen Parteilinken so gerne tiefer in den Geldbeutel greifen würden. Ein großer Teil der Stammwähler ist es leid, dass sich manche ihrer Spitzenfunktionäre ein ums andere Mal mit Vorschlägen aus dem grünen Wolkenkuckucksheim blamieren. Sie wollen nicht über kassenfinanzierte »Sex-Assistentinnen« für Pflegebedürftige diskutieren. Und sie schütteln entnervt den Kopf, wenn Parteichefin Simone Peter den Einsatz der Kölner Polizei in der jüngsten Silvesternacht kritisiert.

Den Realos obliegt es nun, die Partei wieder auf den Weg der Vernunft und zu einem deutlich zweistelligen Wahlergebnis zu führen – möglichst bis an die Regierung. Das Ergebnis der Urwahl indes als vorgezogene Koalitionsaussage zu deuten, wäre falsch. Rot-rot-grün wäre auch mit Göring-Eckardt und Özdemir vorstellbar. Wenn sich der Partei eine Möglichkeit der Regierungsbeteiligung bietet, wird sie zuschlagen.

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