Meinung & Hintergrund

Am Rande notiert

Von Wangenküssen und Merkel-Rauten
07. Juli 2017, 22:11 Uhr
DPA

Von Wangenküssen und Merkel-Rauten

(dpa). Es sind ein paar Minuten der kleinen Gesten und Signale: Alle Welt schaut hin, als Angela Merkel bei ihrem bisher wohl schwierigsten G20-Gipfel die anderen Staats- und Regierungschefs empfängt. Nur eine Konstante gibt es beim traditionellen Defilee der Mächtigen: Fast jedes Mal macht Merkel nach dem Handshake beim Blick in die Kameras mit den Händen ihre berühmte Raute.

Als Erstes kommt das EU-Duo über den roten Teppich, Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Ratspräsident Donald Tusk. Als erster Präsident kommt Emmanuel Macron, Merkels junger neuer EU-Hoffnungsträger aus Frankreich – Küsschen auf die Kanzlerinnen-Wangen inklusive.

Kurz danach treten zwei der schwierigsten Gäste dieser G20-Runde auf. Erst der Türke Recep Tayyip Erdogan – der Mann, der Merkel und die Bundesregierung gerne mit Nazi-Vergleichen überzieht. Dann erscheint Wladimir Putin, der nach einem auffällig ernsten Wortwechsel mit einem Lächeln und Kopfnicken von Merkel in Richtung erster Arbeitssitzung gehen kann.

Für die Begrüßung gibt es eine protokollarisch strenge Rangfolge: Zuerst die Funktion, dann die »Anciennität«, im Klartext: Staatschefs sind höherrangig als Regierungschefs, daher werden zuerst die Regierungschefs begrüßt. Und dabei gilt jeweils: Je länger man im Amt ist, desto später wird man begrüßt. Doch in Hamburg bringen unter anderem US-Präsident Donald Trump und dessen chinesischer Amtskollege Xi Jinping die Reihenfolge durcheinander. Nachdem 15 der hochrangigen Gäste an Merkel vorbeigezogen sind, erklärt das Protokoll das Defilee für beendet, Merkel tritt ab. Doch ein paar Minuten später erscheint die Kanzlerin noch mal zum Händeschütteln: Nicht nur Trump und Xi hatten Verspätung, auch der südkoreanische Präsident Moon Jae-in.

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