01. Oktober 2016, 12:00 Uhr

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Der US-Wahlkampf läuft gefühlt schon Ewigkeiten. Am 8. November sind die Amerikaner aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Nach der zähen Kandidatensuche nähern wir uns so ganz allmählich der heißen Phase. Endlich, könnte man sagen, denn die Argumente sind längst ausgetauscht, die Protagonisten ausreichend beleuchtet. Jetzt geht es nur noch darum, wer fehlerfrei durch die letzten Wochen kommt.
01. Oktober 2016, 12:00 Uhr
Die jahrelange Durststrecke zu Hause in der Osthalle gegen Frankfurt wollen (v. l.) Thomas Scrubb, Joshiko Saibou und Dwayne Evans von den Gießen 46ers am Samstag um 20.30 Uhr im Hessenderby beenden – die Trinkflaschen halten sie schon in den Händen. (Foto: Vogel)

Viele Beobachter atmeten erleichtert auf, als die Demokratin Hillary Clinton das erste mit großer Spannung erwartete TV-Duell gegen den Republikaner Donald Trump für sich entschied. Aber nutzt ihr das auch? Trump hat sich während dieser Kampagnen schon so viele böse Schnitzer geleistet, dass er eigentlich überhaupt nicht mehr im Rennen sein dürfte. Doch geschadet hat ihm das nicht. Schließlich sind beide Kandidaten in den Umfragen immer noch relativ dicht beieinander. Liegt das an Trumps Art, über alles und jeden einfach hinwegzufegen? »Ich war toll«, tönte er im Brustton der Überzeugung nach dem Duell. Oder vielleicht an seiner Kontrahentin? Hillary Clinton ist nämlich Teil des Polit-Establishments, das viele Amerikaner so herzlich ablehnen.
Man wird das Gefühl nicht los, dass bei manchem Pro-Clinton-Kommentator die Furcht mitschwingt, dass es Trump wirklich schaffen könnte. Den eigenen Favoriten starkreden, dann wird es schon irgendwie klappen. Meine – nicht allzu gewagte – Prognose: Clinton wird Trump bis zum Schluss nicht richtig abschütteln können. Es sei denn, der Milliardär macht in einer der nächsten beiden TV-Debatten einen entscheidenden Fehler. Oder bei einem Wahlkampfauftritt. Oder bei einem Auslandsbesuch. Oder in einem Interview. Oder, oder, oder...
Trump wird übrigens ein ausgezeichnetes Verhältnis zum russischen Präsidenten Wladimir Putin nachgesagt. Zufälligerweise sahen russische Experten Hillary Clinton nach der TV-Debatte nicht als Siegerin.
Ein kleiner Schlenker ins Inland: Dass sich eine Wahl so lange hinzieht wie in den USA – in Deutschland wäre so etwas undenkbar. Wirklich? Wenn man sich die schwarz-rote Koalition so anschaut, dann hat zumindest der Vorwahlkampf schon längst begonnen...
Das aber nur am Rande, denn in der abgelaufenen Woche hat sich das politische Geschehen weniger in Berlin als vielmehr im Ausland abgespielt. Ein ewiger Brandherd: Syrien. Während die Menschen in dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Land sterben, überziehen sich die Mächtigen mit gegenseitigen Schuldzuweisungen. Es habe einen »heftigen Schlagabtausch« im UN-Sicherheitsrat gegeben, und einige Außenminister übten »scharfe Kritik« an Moskau ob der erneuten Gewalteskalation. Genutzt hat beides freilich wenig. Moskau weist die Vorwürfe zurück, und das Leiden der Menschen setzt sich unvermindert fort. Diese Ohnmacht herrscht schon lange vor. Auch kurzfristige diplomatische Erfolge, wie die jüngst ausgehandelte und wenig später schon wieder gescheiterte Waffenruhe, können über dieses Dilemma nicht hinwegtäuschen. Es bewegt sich nichts im Syrien-Konflikt. Egal, wie scharf der Ton auch mittlerweile geworden ist.
Ob sich rund um den Abschuss der Passagiermaschine MH17 etwas tun wird, steht ebenfalls noch in den Sternen. Zwar hat eine Untersuchung ergeben, dass das Flugzeug von prorussischen Rebellen über der Ost-ukraine abgeschossen wurde, Konsequenzen ergeben sich daraus aber offenbar (noch) nicht.
Was bestimmte sonst noch die Schlagzeilen der vergangenen Woche? Die Trauer um Schimon Peres und Max Mannheimer, der Schrumpfkurs bei der Commerzbank, die EU-Klage gegen die deutsche Pkw-Maut und die ersten selbst gesprochenen Worte der NSU-Angeklagten Beate Zschäpe vor Gericht. Um etwas wirklich Positives zu finden, musste man schon nach Kolumbien blicken. Dort besiegelten die dortige Regierung und die FARC-Rebellen das Ende des Blutvergießens. Am kommenden Montag wird es dann noch einen Volksentscheid zum ausgehandelten Friedensvertrag geben.
Unterzeichnet wurde das Schriftstück übrigens mit einem »Kugel«-Schreiber, der aus einer Patronenhülse gefertigt wurde. Angesichts von 220 000 Toten im ältesten Konflikt Südamerikas wahrlich passend. Leider.


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