15. Oktober 2016, 12:00 Uhr

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Was über diese Woche zu sagen ist? Jede Menge. Falls es einem nicht die Sprache verschlagen hat. Es war nicht die Woche der politischen Glanzleistungen, keine Phase vorbildlicher Aufgabenbewältigung, keine Sternstunde für die so oft geforderten guten Nachrichten, die wir selbst auch viel lieber ins Blatt bringen würden. Es gibt sie, klar – aber alles überlagernd waren es in Kalenderwoche 41 eben die anderen (Eil-)Meldungen und Schwerpunktthemen, die uns in den Bann gezogen haben.
15. Oktober 2016, 12:00 Uhr
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Von Annette Spiller
Die jahrelange Durststrecke zu Hause in der Osthalle gegen Frankfurt wollen (v. l.) Thomas Scrubb, Joshiko Saibou und Dwayne Evans von den Gießen 46ers am Samstag um 20.30 Uhr im Hessenderby beenden – die Trinkflaschen halten sie schon in den Händen. (Foto: Vogel)

Allen voran beschäftigte uns der geradezu unfassbare Vorgang um den Islamisten und Terrorverdächtigen Dschaber al-Bakr, der nach übereinstimmenden Angaben der deutschen Sicherheitsbehörden ganz offenbar kurz davor stand, einen großen Anschlag zu verüben. Am Anfang der Woche standen die brisanten Hinweise, dann folgte die erfolglose Polizeiaktion in Chemnitz, die Flucht, die Ergreifung und Festsetzung des Verdächtigen durch Landsleute, die Einlieferung in die Justizvollzugsanstalt Leipzig, die Erleichterung, dass ein schlimmes Geschehen wohl in letzter Minute verhindert werden konnte. Am Ende dieser Woche jedoch ist al-Bakr tot. Suizid unter Aufsicht sozusagen, in seiner Zelle. Alle dünnen Antworten, die die sichtlich erschütterten Verantwortlichen auf einer denkwürdigen Pressekonferenz zustande brachten, konnten die absolute Stümperhaftigkeit des staatlichen Handelns auch nicht annähernd überdecken. Ein Fall von offenbar völliger Verkennung dessen, was wirksame Kontrolle eines Fanatikers mit Todessehnsucht bedeutet, von dem man sich zudem wichtige Hinweise auf Hintermänner, Umfeld und Tatvorbereitung erhoffte. Sachsens Justiz steht nach dieser Woche ganz schlecht da, zu Recht in der Öffentlichkeit am Pranger. Und wer es ganz böse formulieren will, könnte sagen, dass zu allem entschlossene Täter offenbar nicht einmal im Gewahrsam des Staates davon abgehalten werden können, ihr Ziel zu erreichen – in diesem Fall den Selbstmord. Ohne Worte, das alles.
Nächste Ungeheuerlichkeit ist die Meldung, dass eine Laborprobe vom Fundort der toten neunjährigen Peggy DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt aufweist. Seit dem Verschwinden des Mädchens 2001, die Leiche wurde im Juli dieses Jahres in einem Waldstück gefunden, wird über den Hergang der Tat und den Täter gerätselt. Kann es wirklich sein, dass die aufsehenerregenden Fälle zusammenhängen, dem NSU auch noch dieses Verbrechen zugeschrieben werden muss? Kaum auszudenken.
Was auch sprachlos macht: Wenn Donald Trump redet. Im Zuge des zweiten TV-Duells mit seiner Widersacherin Hillary Clinton schlug ein altes Video Wellen, das den US-Republikaner von seiner höchst sexistischen Seite zeigt. Jede Frau könne man küssen und begrabschen, wenn man nur berühmt genug sei, brüstete sich der Mann, der nächster Präsident der Vereinigten Staaten werden will. So ging das munter weiter, das Echo war entsprechend – bis hin zum Auftreten von Frauen, die von nicht nur verbalen Übergriffen Trumps berichteten. Das Trump-Imperium schlug zurück – aber man darf sich schon fragen, wie jemand angesichts all dieser Unglaublichkeiten, die der Spitzen-Republikaner sich mittlerweile geleistet hat, allen Ernstes noch für ihn trommeln und stimmen kann...
Bleiben ein paar Zeilen für andere Aufreger der Woche. Über die Ermordung und die Beerdigung des Gießener Hells-Angels-Chefs Mucuk, die selbst international Wellen schlugen, hatten wir so viel im Blatt, dass wir es hier bei dieser Erwähnung belassen wollen. Der viel geliebte thailändische König Bhumibol ist gestorben, und das Volk trauert um seine verehrte Instanz. Beim Konzern Kaiser’s Tengelmann wird es jetzt ziemlich eng, nachdem die Gespräche nicht erfolgreich waren. Ach, noch etwas: Der Bahnhof »Stuttgart 21« soll nun im Jahr 2021 fertig werden. Jetzt wissen wir auch, wofür die 21 steht. Übrigens, beim Flughafen BER kommt eine 34 hinterher...
Die gute Nachricht zum Schluss, wie es sich gehört: Bob Dylan hat den Literaturnobelpreis abgeräumt. Und alle anderen Meldungen sind hier zu finden: »Blowin’ in the Wind«.


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