01. März 2017, 17:19 Uhr

Trauriges Wettrennen

01. März 2017, 17:19 Uhr
In Namibia haben Orte manchmal noch deutsche Namen, da Teile von Afrika einmal deutsche Kolonien waren. (Foto: dpa)

Was ist das denn für ein Land: Deutsch-Südwestafrika? Dieses Land hat es wirklich einmal gegeben. Allerdings ist das schon rund 100 Jahre her. Heute heißt das Land Namibia und liegt im Süden des Kontinents Afrika.

Vor mehr als 100 Jahren war Namibia eine deutsche Kolonie. Das bedeutet: Diese Länder wurden damals vom Deutschen Kaiserreich besetzt und beherrscht. Doch was macht überhaupt ein deutscher Kaiser in Afrika?

Deutschland will Ansehen

Vor rund 140 Jahren ereignete sich etwas, das die Forscher heute den »Wettlauf um Afrika« nennen. Länder wie Frankreich und Belgien lieferten sich eine Art Wettstreit. Sie alle wollten unter anderem in Afrika Kolonien gründen – und nun ging es darum, die Gebiete schnellstmöglich in Besitz zu nehmen. Auch Deutschland machte bei diesem Wettlauf mit.

Das hatte verschiedene Gründe. Das Land wurde zum Beispiel seit einigen Jahren wieder von einem Kaiser regiert. »Dem Kaiserreich ging es natürlich um Ansehen«, erklärt Arnulf Scriba. Er arbeitet in einem Museum in Berlin. Dort gibt es gerade eine große Ausstellung zum Thema Kolonialismus.

Der Experte erklärt: »Man wollte mit den anderen Großmächten mithalten. Großbritannien zum Beispiel besaß schon seit vielen Jahren Kolonien in anderen Teilen der Erde.«

Gleichzeitig hofften die Großmächte darauf, in Afrika wichtige Rohstoffe zu finden und damit handeln zu können. Oft kauften Händler den Einheimischen ihr Land ab und das meist für superwenig Geld.

Nicht selten wurde den Einheimischen ihr Land auch einfach weggenommen. Sie wurden gezwungen auf den Feldern und Plantagen zu arbeiten. Oder sie mussten beim Bau der Eisenbahnlinien helfen. Das führte immer wieder zu Aufständen.

Deshalb schickte das deutsche Kaiserreich mehr Soldaten. Die Soldaten gingen oft extrem brutal vor: Sie nahmen den Menschen ihr Vieh weg und brannten ihre Felder nieder. In Deutsch-Südwestafrika besetzten die Soldaten Wasserstellen und trieben die Menschen in die Wüste. Viele Leute wurden getötet. Mit den Rohstoffen aus den Kolonien ließ sich jedoch nicht so viel Geld verdienen, wie zuerst gedacht. Außerdem musste Deutschland im Ersten Weltkrieg seine Kolonien an andere Länder abgeben. Die Idee, eigene Kolonien zu besitzen, fand so schließlich ein Ende.

Schau dir einmal eine Landkarte von Afrika an. Fällt dir etwas auf? Einige afrikanische Länder haben merkwürdige Grenzen. Sie sehen aus, als wären sie mit einem Lineal gezogen worden. Das liegt daran, dass die Kolonial-Mächte die Gebiete untereinander aufteilten. Kolonial-Mächte sind die Länder, die Kolonien unter anderem in Afrika besaßen, zum Beispiel Deutschland.

Das Aufteilen hatte Folgen: So wurden etwa bestehende afrikanische Staaten einfach zerteilt. Stämme wurden getrennt und verfeindete Gruppen mussten plötzlich zusammenleben. Viele Fachleute glauben, dass diese Grenzen mit Schuld an den Problemen sind, die viele afrikanische Länder heute haben.

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