09. Juni 2017, 16:49 Uhr

Sturm im Labor

09. Juni 2017, 16:49 Uhr
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Von DPA

Der Raum ist so niedrig, dass man den Kopf darin einziehen muss. Er gehört zu einem Windkanal. In diesem Windkanal testen Nicholas Balaresque und seine Kollegen gerade die Flügel eines Windrads. Fachleute sagen: Sie testen die Rotorblätter einer Windenergieanlage.

So ein Rotorblatt muss eine Menge aushalten. Der Wind drückt mit enormer Kraft dagegen. Die Leute, die das Rotorblatt gebaut haben, müssen wissen, wie sie dessen Form noch verbessern können.

Außerdem schauen sich die Leute an, welche Geräusche ein Rotorblatt im Wind macht. Denn nur, wenn es wenig Lärm macht, darf das Windrad in der Nähe von Wohnsiedlungen laufen. Auch darum tüfteln die Hersteller von Windrädern ständig an der Form ihrer Rotorblätter.

Dafür sind in die Wände des Windkanals viele kleine Mikrofone eingelassen. Sie messen, wie viel Lärm am Rotorblatt entsteht. Weitere Geräte in der Decke, im Boden und an den Wänden messen die Kraft, die der Wind auf das Rotorblatt ausübt.

Rotorblätter sind allerdings riesig: Ein einzelnes Blatt kann so lang sein wie fünf große Busse hintereinander! Da das ganze Rotorblatt nicht in den Windkanal passt, testen Nicholas Balaresque und seine Kollegen hier nur einzelne Teile, zum Beispiel die Spitze.

So funktioniert’s

Haben Nicholas Balaresque und seine Kollegen die Blattspitze im Windkanal richtig eingebaut, geht es los: Am Computer stellt Nicholas Balaresque ein, wie stark der Wind pusten soll. Ein großes Gebläse erzeugt den Wind. Es pustet ihn in den Kanal wie ein riesiger Föhn. Von dort aus strömt der Wind im Kreis durch den Tunnel. Dabei wird er mit jeder Runde schneller.

Kurz bevor der Wind an der Blattspitze vorbei strömt, wird er noch durch eine Art Trichter gedrückt. »Weil die Luft durch die enge Öffnung muss, steigt die Geschwindigkeit«, erklärt Nicholas Balaresque. Auf dem Bildschirm sieht er nun, an welchen Stellen der Luftstrom besonders kräftig gegen das Blattstück drückt – und wo Geräusche entstehen.

Läuft der Windkanal auf Hochtouren, bläst der Wind hier mit bis zu 360 Kilometern pro Stunde. Er ist also schneller unterwegs als der schnellste ICE! »Dann darf sich niemand im Windkanal aufhalten«, sagt Nicholas Balaresque. Denn das wäre gefährlich.



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