19. September 2017, 20:08 Uhr

Diebische Schnecke

Manche Meeresschnecken haben kein Haus, um sich darin zu verstecken. Aber sie sind super Diebe. Denn die Schnecken klauen bei anderen Tieren besondere Zellen. Mit ihnen können sie sich verteidigen.
19. September 2017, 20:08 Uhr

Was macht eine Schnecke, wenn sie sich bedroht fühlt? Oder angegriffen wird? Na klar, sie zieht sich schnell in ihr Schneckenhaus zurück. Denn dort ist sie vor ihren Feinden sicher. Was aber macht eine Schnecke, wenn sie kein Schneckenhaus hat? Sie klaut sich ihren Schutz einfach bei anderen. Einige Fadenschnecken machen das so.

Giftige Fäden

Die Tiere leben unter Wasser, in bis zu etwa 60 Metern Tiefe. Man findet sie in fast allen Meeren der Welt. Die Schnecken ernähren sich vor allem von Nesseltieren. Das sind zum Beispiel Quallen und Seeanemonen. Und genau diese werden von den Schnecken beklaut. Nesseltiere haben nämlich eine super Waffe, um sich gegen Feinde zur Wehr zu setzen: Sie besitzen Nesselzellen. Auf genau die haben es die Fadenschnecken abgesehen. Du kennst Nesselzellen vielleicht auch: Manchmal brennt es, wenn man bestimmte Quallen im Meer berührt – das liegt an den Nesselzellen.

Die Nesselzellen sitzen in der obersten Hautschicht der Nesseltiere. Sie sind so klein, dass man sie mit bloßem Auge nicht erkennen kann. »Im Inneren der Nesselzelle gibt es eine Kapsel. Und in dieser Kapsel lagert ein giftiger Faden«, erklärt Heike Wägele. Sie arbeitet in der Stadt Bonn im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Die Forscherin untersucht, was die Schnecken mit den geklauten Zellen anstellen.

Dabei passiert etwa Folgendes: Eine Fadenschnecke will zum Beispiel eine Seeanemone anfressen. »Dabei explodieren die Nesselzellen, die giftigen Fäden schießen heraus und treffen den Angreifer«, verrät die Forscherin. Das passiert alles irre schnell. Aber die Nesseltiere feuern nicht alle Nesselzellen auf einmal ab, sondern immer nur einen Teil. »Der andere Teil muss erst noch reif werden«, sagt Heike Wägele. Das ist sinnvoll, denn sonst wäre die Seeanemone schon nach einem Angriff wehrlos. Sie hätte alle Waffen abgefeuert. Deshalb werden die Nesselzellen erst nach und nach reif. Genau das nutzt die Fadenschnecke aus. Heike Wägele und ihre Kollegen haben herausgefunden, dass die Schnecken nur die unreifen Nesselzellen einlagern. Genauer gesagt: nur die Kapseln. Das passiert in einem kleinen Sack an der Spitze von Anhängen auf dem Rücken.

Die Schnecke kann die unreifen Kapseln selbst abschussbereit machen. Doch wie geht das? »Sie werden angesäuert. Und nach etwa 48 Stunden sind die Kapseln reif«, verrät die Expertin. Knabbert dann ein Fisch an der Schnecke, kann sie die giftigen Nesselfäden abschießen. (Foto: dpa)

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