13. März 2017, 20:29 Uhr

Prävention 5.0 gegen Darmkrebs

Die Darmkrebsvorsorge rettet Leben. Das weiß auch Dr. Eckart von Hirschhausen: »Bringen Sie Licht dorthin, wo die Sonne nie scheint! Mit einer Darmspiegelung kann Krebs früh erkannt und dann oft geheilt werden.« Im Darmkrebsmonat März engagieren sich Kliniken, Gesundheitsorganisationen, Unternehmen, Städte, Medien und Privatpersonen für die Darmkrebsvorsorge. In puncto Prävention gibt es mittlerweile eine Reihe moderner Methoden. Ab April steht Versicherten etwa deutlich empfindlicher Test zur Verfügung.
13. März 2017, 20:29 Uhr
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Aus der Redaktion
Angst und Scham halten manche Menschen davon ab, die aktuell angebotenen Präventionsmöglichkeiten zu nutzen. Das kann schwere Folgen haben. (Foto: dpa)

Die Darmkrebsvorsorge mittels Stuhlbluttest und Darmspiegelung hat ein Akzeptanzproblem. Angst und Scham halten manche Menschen davon ab, die aktuell angebotenen Präventionsmöglichkeiten zu nutzen. Neuartige Methoden versprechen höhere Teilnahmeraten. Trotz umfangreicher Aufklärungskampagnen und intensiver Berichterstattung der Medien sind die Teilnahmerraten an der Vorsorgekoloskopie bisher hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Seit Einführung der Untersuchung im Jahr 2002 haben sich bis heute nur rund 25 Prozent der Anspruchsberechtigten einer Vorsorge-Darmspiegelung unterzogen. Das ist zu wenig, um die Rate der Todesfälle deutlich abzusenken. Zwar wird mit dem immunchemischen Test (FIT) ab 1. April 2017 flächendeckend ein Stuhlbluttest angeboten, der deutlich mehr Karzinome und Polypen erkennt als der seit 30 Jahren gebräuchliche Papierstreifentest. Aber auch dieser neue Test hat noch den Nachteil, dass er als Testverfahren auf Basis von Stuhl vielen Menschen unsympathisch ist.

Hunde erschnüffeln Krankheit

Um die Teilnahmerrate an der Darmkrebsvorsorge wirklich deutlich anzuheben, sind daher dringend neue Methoden gefragt. Durch Big Data und die rasanten Fortschritte in der Gentechnik und Molekularbiologie sind eine Reihe neuer Ansätze für die Darmkrebsvorsorge sichtbar geworden. Die wenigsten sind schon wirklich ausgereift. Aber es zeichnet sich bereits jetzt schon ab, dass eine Wende bei der Prävention von Darmkrebs bevorsteht. Dies heißt aber nicht, dass die Koloskopie überflüssig wird. Denn der Erfolg all der neuen nichtinvasiven Methoden, die gegenwärtig in der Entwicklung sind, fußt darauf, dass positive Befunde anschließend durch die Darmspiegelung abgeklärt und erkannte Krebsvorstufen abgetragen werden.

Wie also sieht die Darmkrebsvorsorge der Zukunft aus? Bluttests waren und sind seit Jahren die große Hoffnung. Denn jeder Versicherte bekommt irgendwann einmal beim Arzt Blut abgenommen. Und wenn durch solche Blutanalysen vorhandene Darmkarzinome und Polypen automatisch miterkannt werden könnten, wäre dies ein äußerst komfortables Screening-Modell. Das Problem aber ist komplex. Weltweit sind Wissenschaftler damit befasst, es zu lösen. Der erste Bluttest, der es geschafft hat, die Genehmigung der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA zu erhalten, ist der Septin-9-Test der Epigenomics AG aus Berlin. Dieser wie auch andere Bluttests liefern meist gute Ergebnisse für das Aufspüren von Karzinomen, nicht aber für das Erkennen der Krebsvorstufen (Polypen).

Oder wie wäre es, wenn man einmal wie bei der Verkehrskontrolle ins Röhrchen bläst und sofort weiß, ob man Darmkrebs in sich trägt? Was sich wie Science Fiction anhört, könnte ebenfalls bald Wirklichkeit werden und für einen ungeahnten Boom bei der Teilnahme sorgen: Dass Hunde Darmkrebs erschnüffeln können war schon länger bekannt. Israelische Wissenschaftler haben dieses Prinzip nun mechanisiert und einen Atemtest zur Darmkrebsfrüherkennung entwickelt. Unter der Leitung von Professor Hossam Haick vom Technion Israel Institute of Technology in Haifa, wurde nicht nur das Na-Nose genannte Testgerät für die Praxis, sondern auch die als Sniffphone betitelte Technik fürs Smartphone entwickelt. Na-Nose wurde bereits international lizensiert und ist daher vielleicht auch bald in Deutschland verfügbar. Selbst wenn Na- Nose zwar keine Vorstufen, sondern nur ein bereits vorhandenes Karzinom erkennt, wäre diese Früherkennungsmethode aufgrund ihrer wohl hohen Compliance ein geeignetes Mittel um Darmkrebs frühzeitig entdecken und dann erfolgreich behandeln zu können.

Das Wesentliche an der echten Darmkrebsvorsorge bleibt, dass man Vorstufen von Darmkrebs erkennen will und durch ihr Abtragen verhindert, dass Krebs entsteht. Das passende Ergebnis zu dieser Vorsorge liefert ein Urintest aus Kanada. Der PolypDX der Firma Metabolomic Technologies identifiziert Moleküle im Urin, die für Vorstufen von Darmkrebs, die sogenannten Polypen signifikant sind. Erste Studien mit dem Test zeigen vielversprechende Ergebnisse und sehr hohe Detektionsraten. Und durch die vermutlich hohe Akzeptanz, verspricht diese Methode eine hohe Teilnahmerate.

Auch im Bereich Big Data gegen Darmkrebs liegt Israel vorn. Das Start-up Medial EarlySign aus Tel Aviv verspricht ein Frühwarnsystem für Darmkrebs auf Basis gewöhnlicher Laborwerte, die bei routinehaften Blutuntersuchungen gewonnen werden. Das soll mit medizinischen Daten von Millionen Menschen auf der ganzen Welt gelingen. Eine Megaplattform errechnet in mathematischen Modellen versteckte Signale in den Laborwerten von Blutproben und identifiziert Menschen mit hohem Risiko für Darmkrebs. Inspiriert durch selbstlernende Mechanismen von Trading-Datenbanken, wurde das Modell anhand von Daten bereits erkrankter Patienten entwickelt.

Bis all diese Methoden nicht mehr nur Zukunftsmusik, sondern Realität der Regelversorgung werden, vergehen aber noch Jahre. Bis dahin bieten die aktuellen gesetzlichen Präventionsmöglichkeiten gegen Darmkrebs Stuhltest und Darmspiegelung hervorragende Möglichkeiten, gesund zu bleiben. Vorausgesetzt, man nimmt sie in Anspruch.



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