27. März 2017, 20:36 Uhr

Guter Hausarzt Gold wert

27. März 2017, 20:36 Uhr
Wichtiges Vertrauensverhältnis: Die Wahl des Hausarztes sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. (Foto: dpa)

Ein Umzug, eine Erkältung, die eine Lungenentzündung war, oder einfach nur ein ungutes Gefühl: Manche hält es nicht ewig bei ihrem Hausarzt, sie wechseln in eine andere Praxis. Das ist in Deutschland kein Problem, denn es besteht das Recht auf freie Arztwahl. Von dieser Regel gibt es aber Ausnahmen. Und dann ist es auch gar nicht so leicht, jemanden zu finden, dem man vertraut.

? Was sind die genauen Aufgaben des Hausarztes?

»Der Hausarzt kann als Facharzt für Allgemeinmedizin zahlreiche Symptome des Körpers im Sinne einer Krankheitsgeschichte einordnen«, erklärt Roland Stahl, Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. »Er behandelt diese dann selbst oder überweist den Patienten an einen spezialisierten Facharzt.«

? Kann man nicht besser gleich zum Facharzt gehen?

Das können Patienten grundsätzlich machen. Vincent Jörres, Sprecher des Deutschen Hausärzteverbandes, gibt ein Beispiel, warum man es aus seiner Sicht aber nicht tun sollte: Geht ein Patient mit einer Bindehautentzündung zum Augenarzt, mit Gelenkschmerzen zum Orthopäden und mit Problemen beim Wasserlassen zum Urologen, behandeln die jeweiligen Fachärzte häufig nur die jeweiligen Symptome. Wäre der Patient mit seinen Beschwerden zum Hausarzt gegangen, hätte dieser vielleicht erkannt, dass der Patient Morbus Reiter haben könnte – eine entzündliche Gelenkerkrankung, bei der auch Augen und Harnröhre betroffen sind.

? Kann man den Hausarzt einfach so wechseln?

Grundsätzlich besteht in Deutschland das Recht auf freie Arztwahl – man kann entsprechend bis auf einige Ausnahmen jederzeit den Arzt wechseln, sagt Christoph Kranich von der Verbraucherzentrale Hamburg.

? Bei welchen Ausnahmen ist dies zum Beispiel möglich?

Wer einen Vertrag zur sogenannten hausarztzentrierten Versorgung unterschrieben hat, ist je nach Vertragslaufzeit an seinen Hausarzt gebunden. »Die ganz freie Arztwahl hat man nicht mehr«, sagt Kranich. Der Patient muss in aller Regel als Erstes beim Hausarzt vorstellig werden. Aber: »Gynäkologen, Kinder-, Zahn- oder Augenärzte sind davon ausgenommen.« Und in Notfällen oder wenn man in einer anderen geografischen Region krank wird, kann man auch direkt zum Facharzt gehen.

? Warum unterschreibt jemand so einen Vertrag?

Das Modell soll die Behandlungsqualität verbessern, aber auch die Kosten, etwa durch doppelte Untersuchungen, verringern. Patienten profitieren je nach Krankenkasse zum Beispiel in Form von günstigeren Beiträgen oder der Kostenübernahme für zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen. Die Krankenkassen sind verpflichtet, hausarztzentrierte Versorgung anzubieten. Die Teilnahme ist aber sowohl für Ärzte als auch für Patienten freiwillig.

? Können Patienten trotz der hausarztzentrierten Versorgung den Arzt wechseln?

»Ja, wenn man Gründe hat«, sagt Kranich. Das kann zum Beispiel ein Umzug sein. Oder aber, dass man das Vertrauen zu seinem Arzt verloren hat. »Das muss man gegenüber seiner Krankenkasse geltend machen.« Kranich rät, genau auf das Kleingedruckte zu achten, bevor man einen Vertrag unterschreibt und sich diesen auch unbedingt aushändigen zu lassen.

? Wie kann man einen guten neuen Arzt finden und auf was sollte man achten?

Es kann hilfreich sein, sich im Freundes- und Bekanntenkreis umzuhören. Wer eine Empfehlung bekommt, sollte immer auch fragen, warum derjenige diesen Arzt gut findet, sagt Kranich. Schließlich hat nicht jeder die gleichen Ansprüche. Auch im Internet finden sich Ärztebewertungen auf speziellen Portalen. »Da würde ich nie drauf vertrauen«, sagt Kranich und verweist auch auf erfundene Bewertungen. Er empfiehlt die Arztsuche über die »Weiße Liste« der Bertelsmann-Stiftung, die vor Manipulation besser geschützt sei. Auch auf der Webseite der Kassenärztlichen Bundesvereinigung kann man nach Ärzten in seiner Region suchen. »Dort finden sich häufig auch Angaben zu Zertifizierungen von Praxen«, ergänzt Stahl. Der neue Arzt sollte alle notwendigen Informationen bekommen. Dazu muss er die Patientenakte kennen. Das Original bekommen aber weder der Patient noch der neue Arzt. Allerdings kann der Patient seine Akte in der alten Praxis kopieren lassen und dem neuen Arzt übergeben.

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