06. Januar 2020, 16:43 Uhr

Das bringen Meditations-Apps

06. Januar 2020, 16:43 Uhr
Eva Kaczor

Die Suche nach Entspannung steht hoch im Kurs. Das zeigt auch der weltweite Nachfrageanstieg bei Meditations-Apps. Außerdem hätten Besitzer von Mobilgeräten laut Report »The State of Mobile 2019« im Jahr 2018 dreimal mehr Geld für Gesundheits- und Meditations-Apps ausgegeben als im Vergleichsjahr 2016. Mobile Mindfulness, also mobile Achtsamkeit, ist zum geflügelten Wort geworden.

»Die meisten Menschen sind durch die Anforderungen im Alltag eher mindless, also kopflos, und leben im Autopilot«, sagt Coachin Ann-Carolin Helmreich. Täglich etwa 30 Minuten zu meditieren schafften die wenigsten. »Achtsamkeit hilft uns, präsent zu werden und wieder in den Fahrersitz des Lebens zu steigen.

Viele Apps setzen auf kurze Meditationsübungen, die zwischen Tür und Angel erledigt werden können. Kann das entspannend sein?

»Mir persönlich gehen Meditations-Apps bislang nicht tief genug«, urteilt Diplom-Psychologin Eva Kaczor aus Berlin. »Generell finde ich, dass Mindfulness-Apps eine tolle Öffnung und super Anwendbarkeit für das Thema geschaffen haben.«

Dennoch geht der Trend zur Achtsamkeit »to go«. Die beliebteste Anti-Stress-Anwendung im August 2019 war laut App-Annie-Auswertung Headspace. Sie zieht mit Mini-Meditationen auch die Gestressten an, die nicht stundenlang über ihren Geist meditieren können.

»Auch während der Mittagspause können Atemübungen mehr Energie für den Tag generieren«, sagt Helmreich. Und: »Eine kurze Meditation, beispielsweise vor einem schwierigen Meeting, bündelt den eigenen Fokus, macht präsenter und leistungsstärker.«

Wer Meditations-Apps in sein tägliches Leben einbaut und regelmäßig meditiert, kann langfristig davon profitieren, wie Kaczor erklärt: »Die Regulation der Stressreaktion verbessert sich.«

Neben Apps für achtsame Gedankenordnung sind auch solche beliebt, die spezielle Atemübungen anbieten, Calm beispielsweise. Nutzer sollen hier den Stress in kurzen Übungen förmlich wegatmen. Funktioniert das? Ja, sagt Kaczor: »Wir können den autonomen Teil unseres Nervensystems über den Atem beeinflussen.« Andere Apps arbeiten mit Klängen. Die sogenannten binauralen Beats sollen per Kopfhörer während der Meditation helfen, sagt Helmreich. »Davon gibt es in der App Insight Timer eine Menge.«

Auch Meditations-Apps, die Nutzer kurz vor dem Schlafengehen helfen, liegen im Trend. So zählte die App »Relax Melodie: Sleep and Yoga« zu den Top-Fünf-Mindfulness-Apps im August 2019. Hier kreieren Nutzer Songs, die den Geist durch sanftes Plätschern, singende Vögel oder beruhigendes Meeresrauschen in den Schlaf wiegen sollen. Andere Apps setzen auf Tiefenentspannung: »Ich finde Apps großartig, die mit Yoga Nidra, dem erleuchtenden Schlaf, arbeiten. Das ist eine Art wacher Schlafzustand«, sagt Kaczor.

»Natürlich kommt Achtsamkeit auch ohne Handy aus«, sagt Helmreich. Ein langer Spaziergang im Wald, kombiniert mit einer Atemübung, löse etwas aus, das eine App nie erreichen könne. FOTO: JAN KEYANI/DPA

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