20. September 2016, 12:00 Uhr

Ab wann ein Patient direkt ins Krankenhaus sollte Hautveränderungen bei Babys untersuchen lassen Das Abraham-Prinzip Vergeblich gegen das Vergessen Geld für Blick über den Tellerrand Grippeimpfung für Diabetiker besonders wichtig

(dpa). Akute Verletzungen sollten auch akut behandelt werden – aber wann geht man ins Krankenhaus und wann besser zum niedergelassenen Arzt? »Im Prinzip haben Patienten die freie Arztwahl«, erklärt Prof. Reinhard Hoffmann von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU). Wer aber mit jedem Zipperlein ins Krankenhaus fährt oder so die Wartezeit auf Termine umgehen will, erschwere unter Umständen die Versorgung echter Notfälle. Patienten mit offensichtlich schwereren Verletzungen, die zudem liegend transportiert werden müssen, gehörten ins Krankenhaus.
20. September 2016, 12:00 Uhr
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Nur bei schweren Verletzungen sollte man in die Klinik fahren. (Foto: dpa)

Wer sich beim Sport offensichtlich den Fuß gebrochen hat oder beim Schlittschuhlaufen schlimm auf das Handgelenk gefallen ist, kann zum niedergelassenen Unfallchirurgen oder Orthopäden – oder er kann direkt ins Krankenhaus fahren. Mit leichteren Verletzungen sollte man eher zum niedergelassenen Arzt gehen. »Am Wochenende natürlich auch direkt damit ins Krankenhaus«, rät Hoffmann, der auch Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) ist. Wer vor zwei Wochen beim Skifahren gestürzt ist und am Wochenende plötzlich Schmerzen im Knie bekommt, gehöre aber nicht in die Notfallaufnahme. Grundsätzlich wird man mit einer akuten Verletzung nicht weggeschickt – sowohl beim Facharzt als auch in der Klinik. Allerdings muss man unter Umständen mit erheblichen Wartezeiten rechnen. (dpa). Eltern sollten auch bei ihren Kindern Warzen und Male beobachten. Auffällige Hautveränderungen könnten in seltenen Fällen Anzeichen für Hautkrebs sein, erklärt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Gegebenenfalls sollte sich der Kinderarzt Male, Warzen oder Pusteln ansehen, die sich in ihrer Farbe oder Größe verändern, wuchern oder bluten. Eltern müssen besonders wachsam sein, wenn bereits Hautkrebsfälle in der Familie bekannt sind. Hautkrebs kommt bei Kindern zwar sehr selten vor, wird aber aus diesem Grund oft spät erkannt. (dpa). Keine Angst vorm Alter – das ist die Botschaft, die der Hamburger Zukunftsforscher Horst Opaschowski in seinem neuen Buch »Das Abraham-Prinzip – Wie wir gut und lange leben« verbreitet. In Deutschland finde eine »Altersrevolution« statt, heißt es darin, aber sie komme auf leisen Sohlen.
Die Lebenserwartung steigt weiter, nach Prognosen der UN werde jeder Zweite, der in diesem Jahr in Deutschland geboren wurde, noch 100 Jahre später am Leben sein.

Das Ende einer Ära

Und im Alter werden diese Menschen nicht gebrechliche und geistig umnachtete Greise sein. Im Gegenteil: »Das Leben wird immer lebenswerter«, sagt der 75-Jährige. Die Ära des Alterspessimismus gehe zu Ende. Allerdings bedürfe es für ein Leben nach dem Abraham-Prinzip – der Stammvater wurde nach biblischer Überlieferung 175 Jahre alt – wichtigen Voraussetzungen. Die Menschen sollten auf ihre körperliche und geistige Fitness achten, rät Opaschowski.
In einer repräsentativen Umfrage, die Opaschowski zusammen mit dem Ipsos-Institut im vergangenen März durchführen ließ, nannten die Befragten ihre Bedingungen, die für ein langes Leben erfüllt sein müssten. Ganz oben steht mit 81 Prozent »kein Pflegefall sein«, aber auch »geistig fit sein«. Das Risiko der Pflegebedürftigkeit im Alter werde überschätzt, tritt er den Befürchtungen entgegen. 95 Prozent der über 65-Jährigen in Deutschland lebten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes selbstbestimmt in eigenen Wohnungen.
Nur knapp fünf Prozent der Rentner – das sind 708 000 Menschen – wohnen in Alters- und Pflegeheimen. Dagegen unterstreicht der Professor das Bemühen um geistige Fitness. Das lebenslange Lernen betont auch Opaschowskis Tochter, Irina Pilawa (44), die an dem neuen Buch mitgearbeitet hat. Sie sagt, man müsse bereits die Kinder darauf vorbereiten. Nicht unbegründet ist nach Opaschowski die Sorge um die Rente. Heute sei die Berufstätigkeit nur noch eine Phase im Leben. Um die Jahrzehnte danach zu finanzieren, brauche Deutschland eine flexible Altersgrenze.
»Nur die Flexi-Rente kann verhindern, dass das Rentenniveau weiter absinkt«, sagt Opaschowski. Noch wichtiger für ein glückliches Leben im Alter sind nach seiner Ansicht die sozialen Kontakte, auch wenn vielen das nicht genügend klar sei. Die Mehrgenerationenfamilie gebe nach Opaschowski zum Beispiel Sicherheit. Er meint: »Was nützt Ihnen ein Penthaus an der Alster, wenn keiner kommt, der Sie besucht?« Weniger Ablagerungen im Gehirn und weniger geistigen Abbau! Eine neue Studie gibt Hoffnung für ein Alzheimermedikament namens Aducanum. Doch Experten warnen, dass es genauso scheitern könnte wie die über hundert, die bereits vorher gescheitert sind.
Aducanum gilt seit einigen Jahren als großer Hoffnungsträger für die Alzheimerdemenz. Denn der synthetische Antikörper attackierte in Mäusehirnen genau jene Amyloid-Ablagerungen, die weithin als Hauptauslöser der Erkrankung gelten. Also beschloss man beim federführenden US-Pharmaunternehmen Biogen, eine Studie am Menschen durchzuführen, in der man 165 Patienten im Anfangsstadium der Alzheimerdemenz behandelte. Eine Gruppe bekam einmal monatlich das neue Medikament, die andere zur Kontrolle ein wirkungsloses Placebo.

Sichtbare Erfolge

Die Ergebnisse der Studie hat man nun in der Fachzeitschrift »Nature« vorgestellt. Demnach begannen im sechsten Behandlungsmonat die Ablagerungen in den Hirnen der Aducanum-Gruppe zu verschwinden, und zwar umso mehr, je höher die verabreichte Antikörperdosis war. Zudem schnitten diese Patienten in Gedächtnis- und Lerntests besser ab, als die Teilnehmer der Kontrollgruppe. Was die Studienautoren zu dem Resümee veranlasste: »Unsere Ergebnisse bestätigen die Amyloid-Hypothese und rechtfertigen die Weiterentwicklung von Antikörpern zur Behandlung von Alzheimer.«
Doch nicht alle Forscher sehen das so. Eric Reiman vom Alzheimer’s Consortium in Arizona verweist auf die Schwächen der Studie, wie etwa auf die geringe Zahl der Probanden, von denen zudem 22 frühzeitig aus dem Versuch ausschieden, wegen Nebenwirkungen des Medikaments.
»Am häufigsten wurde eine Schwellung des Gehirns festgestellt«, sagt Reiman. Außerdem befanden sich die Probanden allesamt im Anfangsstadium der Erkrankung, die jedoch im Alltag meistens erst dann erkannt wird, wenn sich die ersten klinischen Symptome zeigen – und zu diesem Zeitpunkt sind bereits weit mehr als die Hälfte der Gehirnzellen zerstört. Ob da das Entfernen der Plaques überhaupt noch etwas bringt, ist ausgesprochen zweifelhaft. Ähnliche Wirkstoffe wie Aducanum haben bei fortgeschrittenen Alzheimererkrankungen bereits enttäuscht.
Wie überhaupt der Kampf gegen die Alzheimererkrankung bislang von Enttäuschungen geprägt wird. Die deutschen Pharma-hersteller geben auf ihrer Website www.pharma-fakten.de zu: »Seit 1998 gab es über 100 gescheiterte Forschungsversuche.« Im Vergleich dazu wurden im selben Zeitraum nur drei neue Medikamente auf den Markt gebracht, die Erfolgsquote liegt also unter drei Prozent. Und dabei ist noch einschränkend festzuhalten, dass auch die zugelassenen Mittel keinen Durchbruch in der Therapie, sondern nur eine gewisse Symptomlinderung gebracht haben.
Laut einer Studie der Cleveland Clinic in Ohio fielen zwischen 2002 und 2012 sogar 99,6 Prozent der Alzheimertherapien am Ende durch, als sie sich in klinischen Studien behaupten mussten. Im Vergleich dazu nimmt sich bei den Krebstherapien die Versagerquote mit 81 Prozent geradezu rosig aus. Jedenfalls bereiten bösartige Geschwüre der wissenschaftlichen Medizin deutlich weniger Kummer als das konzertierte Zellsterben unter der Schädeldecke.

Forscher sind zunehmend besorgt

In der Wissenschaftlergemeinde verbreitet sich deshalb die Sorge, dass die Pharmaindustrie sich aus der Alzheimerforschung zurückziehen wird, weil sie keine Perspektiven mehr darin sieht. Es sei daher höchste Zeit für die Frage, mahnt Amos Korczyn von der Tel Aviv University, »warum der enorme Aufwand der letzten Jahre keinen Ertrag gebracht hat«. Es sei offensichtlich, so der israelische Neurologe und weltweit renommierte Alzheimer-Experte, dass man in der Forschung und Therapieentwicklung einiges verändern müsse. Einen der größten Fehler sieht Korczyn im Festhalten an der These, wonach die degenerative Hirnerkrankung durch schädliche Eiweißverbindungen hervorgerufen wird.
Tatsächlich entdeckte man in einigen Hirnen viele Amyloide, ohne dass sich irgendein Demenzsymptom gezeigt hätte, und umgekehrt gab es Patienten, die trotz geringer Amyloidbelastungen dement waren. Diese Befunde wurden ignoriert, die Forschung fokussiert sich bis heute auf die Ablagerungen. Dabei wäre es sinnvoller, »die Erkrankung als das Resultat mehrerer Prozesse zu sehen, die in jeder einzelnen Person unterschiedlich zum Tragen kommen«, meint Korczyn. Was bedeuten würde, dass mehr die Durchblutungsstörungen, die Gehirnentzündungen oder möglicherweise seine Ängste und Depressionen im Fokus stehen.
»Und dies muss möglichst früh geschehen«, sagt Korczyn. Vieles deute darauf hin, dass die Weichen auf Alzheimer schon gestellt werden, bevor der betreffende Mensch im Seniorenalter ist. Jörg Zittlau “ Die Erkrankung als das Resultat mehrerer Prozesse zu sehen, die in jeder einzelnen Person unterschiedlich zum Tragen kommen „ (jzi). Alzheimerforschung unter der Leitung eines Nichtexperten– für Microsoft-Gründer und Philanthrop Paul Allen ist diese paradox anmutende Kombination eine echte Alternative im Kampf gegen die degenerative Hirnerkrankung.
Der vielfache Millionär musste den geistigen Verfall seiner Mutter mitansehen, und seitdem hat er immer wieder für die Alzheimerforschung gespendet.
So auch letztes Jahr: Sieben Millionen Dollar, an fünf Forscherteams. Die Voraussetzung war jedoch, dass jedes Team von mindestens einem Wissenschaftler geleitet wurde, der nicht aus der Alzheimerforschung stammt. Allens Erklärung: »Wir müssen Menschen und Perspektiven fördern, die das Problem von außen betrachten.« Es geht ihm also um den viel zitierten Blick über den Tellerrand – er scheint in der Alzheimerforschung notwendiger denn je. (dpa). Für Diabetiker und chronisch Kranke ist die Grippeschutzimpfung im Herbst besonders wichtig. Bei ihnen verlaufe die Krankheit oft besonders schwer, erklärt das Deutsche Grüne Kreuz (DGK) zu Beginn der Grippe-Saison. Da das Immunsystem von Diabetikern unter anderem durch den hohen Blutzuckerspiegel geschwächt ist, würden Influenza-Viren häufiger schwere Atemwegsinfekte auslösen. Auch die Ständige Impfkommission in Deutschland empfiehlt Diabetikern die Impfung. »Studien zeigen immer wieder, dass Diabetiker anfälliger sind für ernste Komplikationen durch eine echte Grippe als Menschen ohne Diabetes«, erklärt DGK-Immunologin Ute Arndt. Eine aktuelle Studie belegt: Gegen Grippe geimpfte Typ-2-Diabetiker wurden seltener wegen eines Herzinfarkts, Schlaganfalls oder Herzinsuffizienz in eine Klinik eingewiesen als Impfverweigerer, so die Forscher.

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