07. Mai 2017, 21:54 Uhr

Berben für mehr Frauenpower

Werk von Max Beckmann soll versteigert werden Kritik an den Söhnen Mannheims wächst Picknick im Museum Tschechow ohne Tschechow »Die Tochter« gewinnt Filmkunstfest MV

Eine Decke, ein Korb mit Geschirr und Lebensmitteln, ein paar nette Leute und hoffentlich gutes Wetter: Das ist das Grundrezept für ein gelungenes Picknick. Das gemeinsame Essen im Freien ist weltweit beliebt – und nun auch ein Fall fürs Museum.
07. Mai 2017, 21:54 Uhr
In der Ausstellung »Picknick-Zeit« im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt wird mit einer ausgefallenen Installation an den mexikanischen Brauch erinnert, auf den Gräbern der Toten zu feiern. (Foto: dpa)

Ein Schlüsselwerk des Malers Max Beckmann (1884-1950) soll im Juni erstmals versteigert werden. Das Gemälde »Hölle der Vögel«, das Beckmann 1938 im Exil in Amsterdam gemalt hatte, könnte bei der Versteigerung am 27. Juni in London den bisherigen Rekordpreis für den Künstler übertreffen, wie das Auktionshaus Christie’s in der Nacht zum Samstag in New York mitteilte. Das Auktionshaus erwartet für das Bild, das sich derzeit in einer Privatsammlung befindet, einen Preis von umgerechnet rund 35 Millionen Euro. Das bislang teuerste versteigerte Bild des expressionistischen Malers war 2001 »Selbstbildnis mit Horn«, das für rund 20 Millionen Euro ersteigert wurde.

Die Kritik am Lied »Marionetten« der Band Söhne Mannheims um den Sänger Xavier Naidoo wächst. In dem umstrittenen Song heißt es unter anderem in Richtung Politiker: »Teile eures Volks nennen euch schon Hoch- beziehungsweise Volksverräter.« Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) sagte am Sonntag am Rande einer Ausstellung in Mannheim, er habe den Wirbel um den Song mitbekommen. »Von allen, die sich betätigen, ob in der Kunst oder in der Politik, wünsche ich mir, dass sie die Würde des anderen respektieren, dass man ordentlich miteinander umgeht. Alles andere führt ins Elend, und das zeigt auch die Debatte um dieses Lied.«

Der Radiosender Bremen Vier sagte vor dem Wochenende die Kooperation bei einem Konzert der Gruppe am 13. Mai ab. Bremen-Vier-Chef Helge Haas begründete das unter anderem damit, es würden Verschwörungstheorien befeuert.

Es passiert eher selten, aber manchmal schreibt ein Picknick Geschichte. Etwa das Paneuropäische Picknick im ungarischen Sopron im August 1989. Es war das Jahr des großen politischen Umschwungs in Europa und Hunderte von DDR-Bürgern entschlossen sich nicht zu einem Verdauungsspaziergang, sondern zum Weg über die nahegelegene Grenze zu Österreich. Der Grenzzaun, der einst den Kontinent teilte, war zumindest in Ungarn zu diesem Zeitpunkt kein Todesstreifen mehr. »Das war der Anfang vom Ende des Eisernen Vorhangs«, sagt Charlotte Trümpler, Kuratorin der Ausstellung »Picknick-Zeit« im Frankfurter Museum Angewandte Kunst.

Einer der Trabis, die vor bald 30 Jahren samt Brotkrümeln und Essensresten nach dem Picknick in Sopron zurückblieben, steht nun in der Ausstellung. Die Schau rückt bis zum 17. September weltweite Picknicksitten in den Blickpunkt – als erste große Ausstellung dieser Art, wie Trümpler betont. Nicht nur in Sopron habe ein Picknick zu »politischer Mobilisierung« geführt, meint Museumsdirektor Matthias Wagner K. Ohnehin sei ein Picknick stets eine »außerhäusliche Ausnahmesituation« einer Gemeinschaft. Auch wenn manchmal nur das Wetter alle Pläne und Absichten durcheinander wirft.

Sets aus Lack und Plastikgeschirr

Doch im Allgemeinen lautet das Motto eines Picknicks eher nicht »Freiheit und Demokratie«. Je nach Lebensstil und Gelbeutel geht es um Nudel- oder Hummersalat, vegane Quiche oder Würstchen vom mitgebrachten Grill. Ob Großfamilien im Park, Hipster am urbanen Strand oder Wanderer, die die Pause im Wald oder in den Bergen zu einem genüsslichen Picknick umfunktionieren: Geselligkeit und gemeinsames Essen unter freiem Himmel spielen dabei die Hauptrolle.

Kuratorin Trümpler, mit Picknick-Erinnerungen an »verkohlte Kartoffeln, gebratene Würste und geschmolzenen Käse« in den Schweizer Bergen aufgewachsen, wurde nicht zuletzt durch den Besuch der »Henley Royal Regatta« zu der Ausstellung inspiriert. Die britische Oberschicht picknickte dabei beim Genuss von Champagner aus Kristallgläsern ebenso stilvoll wie ritualisiert. Picknickkörbe britischer Nobelmarken und Porzellangeschirr stehen denn auch in der Frankfurter Ausstellung für die feine britische Art.

Weniger bekannt dürfte den meisten deutschen Museumsbesuchern sein, dass schon lange vor den berühmten Gemälden französischer Impressionisten über Landausflüge mit Mahl im Freien die japanische Tradition der Picknickausflüge zu Zeiten der Kirschblüte bis ins 8. Jahrhundert zurückreicht. Picknicksets aus Lack und zeitgenössische Bento-Behälter stehen in der Ausstellung für diese Tradition, während das praktisch-stapelbare Plastikgeschirr aus Deutschland bei manchem Besucher womöglich Kindheitserinnerungen weckt.

Zeichnungen, Bilder und Fotos zeigen, wie das Freiluftessen etwa in Indien oder in der Türkei, im Iran oder in Namibia zelebriert wird. Die Lust am gemeinsamen Essen im Freien, das wird so deutlich, kennt keine Grenzen. In Mexiko gilt das sogar für die Grenze von Leben und Tod: Am katholischen Feiertag Allerheiligen/Allerseelen ziehen mexikanische Familien Anfang November mit Speis und Trank auf die Friedhöfe zu den Gräbern ihrer Toten.

Nein, glücklich sind sie nicht. Die »Drei Schwestern«, die sich in regelmäßigen Abständen im Ferienhaus irgendwo auf dem Land treffen. Regisseur Simon Stone zeigte zum Auftakt des 54. Berliner Theatertreffens am Samstagabend Anton Tschechows berühmtes Stück – in einer radikal modernisierten Fassung voller Liebe, Leid und Lebensfrust.

Ohne einen Originalsatz von Tschechow kommen Stone und sein Ensemble vom Theater Basel aus. Die Dialoge des Klassikers wurden komplett neu geschrieben. Stone bietet eine Überschreibung mit deftiger Wortwahl und exzentrischen Ausbrüchen. Dennoch schafft er es, die Melancholie von Tschechows Drama spürbar und die Stagnation im Leben seiner Figuren und ihren Traum von einem besseren Leben nachvollziehbar zu machen.

Vom als besonders wählerisch geltenden Berliner Theaterpublikum gab es für die Basler zum Festivalstart viel Applaus. Unter den Zuschauern im Haus der Berliner Festspiele waren auch zahlreiche prominente Schauspieler und Theatermacher wie Lars Eidinger, Nina Hoss, Burghart Klaußner und Claus Peymann. Am Sonntag wurde beim Festival bereits die erste Auszeichnung verliehen: Regisseur Herbert Fritsch wurde mit dem mit 20 000 Euro dotierten Theaterpreis Berlin ausgezeichnet. Er sei extrem gerührt und emotional »umgerührt«, sagte der 66-jährige Theatermacher, dem Freunde und Kollegen wie Volksbühnen-Intendant Frank Castorf und die Schauspieler Corinna Harfouch, Sebastian Blomberg, Christine Urspruch und Josef Ostendorf gratulierten.

Zuschauer fühlt sich wie Voyeur

Die Jury sprach Fritsch die Auszeichnung für seine außerordentlichen Verdienste um das deutschsprachige Theater zu. Zum diesjährigen Theatertreffen ist er mit seiner Inszenierung »Pfusch« eingeladen.

Bei Simon Stones Auftakt-Inszenierung aus Basel beeindruckte das Publikum vor allem auch das Bühnenbild von Lizzie Clachan. Sie entwarf für die Spieler auf der Drehbühne ein komplett eingerichtetes Haus – mit Küche, Bad, Schlaf- und Wohnzimmer. Durch die großen Fenster sind die mit Mikrofonen ausgestatteten Schauspieler zu beobachten, als seien sie freizügige Nachbarn.

Wenn Mascha (Franziska Hackl), Olga (Barbara Horvath) und Irina (Liliane Amuat) dort ihren kiffenden Bruder und ihre frustrierten Freunde treffen, dann fühlt man sich wahlweise ein bisschen wie ein Voyeur oder als Zuschauer einer High-End-Soap.

Stone feierte bereits im vergangenen Jahr beim Theatertreffen einen Triumph: Seine Version von Ibsens »John Gabriel Borkman« mit Stars wie Caroline Peters, Birgit Minichmayr und Martin Wuttke wurde mit Szenenapplaus und Bravo-Rufen gefeiert.

Bis zum 21. Mai zeigt das Theatertreffen deutschsprachiger Bühnen die von einer Jury ausgewählten »bemerkenswertesten« Inszenierungen der Saison. Dazu gehören sechs Inszenierungen aus Deutschland, zwei Inszenierungen aus der Schweiz und zwei internationale Koproduktionen. Regisseure wie Herbert Fritsch, Ersan Mondtag und Milo Rau wurden für das Festival ausgewählt – bei dem schon die Einladung als Auszeichnung gilt.

Mit seiner Zehner-Auswahl hat das Festival in diesem Jahr allerdings etwas Pech. Aus technischen Gründen kann Ulrich Rasches Inszenierung von Schillers »Die Räuber« (Münchner Residenztheater) mit ihren gigantischen Laufbändern in Berlin nicht gezeigt werden. Das Hamburger Thalia Theater musste seine Vorstellungen von Theodor Storms »Der Schimmelreiter« in Regie von Johan Simons wegen einer Erkrankung im Ensemble absagen.

Das Spielfilmdebüt »Die Tochter« der Regisseurin Mascha Schilinski hat den Hauptpreis des 27. Filmkunstfestes Mecklenburg-Vorpommern gewonnen, den mit 10 000 Euro dotierten »Fliegenden Ochsen«. Die Jury, zu der Schriftsteller Lutz Seiler (»Kruso«) gehörte, kürte den Film einstimmig zum Sieger des größten Publikumsfestivals in Ostdeutschland, wie ein Sprecher am Samstag mitteilte. Der Film erzähle in spektakulären Bildern und auf stark berührende Art und Weise die Geschichte eines Kindes nach der Trennung seiner Eltern. »Die Tochter« erhielt außerdem den Preis für die beste Musik- und Tongestaltung. Seit Dienstag wurden 150 Filme aus 17 Ländern gezeigt.

Frauen sind nach den Worten von Schauspielerin Iris Berben im Filmgeschäft ungeachtet jüngster Erfolge noch immer unterrepräsentiert. »Eine Branche, die sich oft und zu Recht als Avantgarde beschreibt, ist in Sachen Gleichstellung nicht gerade Vorreiter. Filmregisseurinnen zum Beispiel sind nicht häufiger zu finden, als weibliche Vorstände in DAX-Unternehmen«, beklagte sie in Schwerin, wo sie mit dem Ehrenpreis des Filmkunstfestes Mecklenburg-Vorpommern ausgezeichnet wurde. Sie rief Regisseurinnen, Autorinnen, Kamerafrauen, Schauspielerinnen, Masken- und Kostümbildnerinnen auf, hartnäckig und selbstbewusst ihre Talente sichtbar zu machen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Auktionshäuser
  • Birgit Minichmayr
  • Burghart Klaußner
  • CDU
  • Claus Peymann
  • Corinna Harfouch
  • Frank Castorf
  • Frauenpower
  • Herbert Fritsch
  • Iris Berben
  • Johan Simons
  • Josef Ostendorf
  • Lars Eidinger
  • Malerinnen und Maler
  • Martin Wuttke
  • Max Beckmann
  • Museen und Galerien
  • Nina Hoss
  • Peter Altmaier
  • Residenztheater
  • Schauspieler
  • Thalia Theater
  • Theatermacher
  • Theodor Storm
  • Wetter
  • Xavier Naidoo
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos