25. September 2017, 18:48 Uhr

Von Macht und Ohnmacht

25. September 2017, 18:48 Uhr
Weber

Mit drei Stücken an drei Abenden beginnt Anselm Weber seine Intendanz am Schauspiel Frankfurt: William Shakespeares »Richard III.« (Regie Jan Bosse) am 28. September, Georg Büchners »Woyzeck« (Regie Roger Vontobel) am 30. September und dazwischen die Uraufführung des Auftragswerks »Das hässliche Universum« von Laura Naumann.

So unterschiedlich das Königsdrama und das Ausgestoßenen-Schicksal erscheinen mögen: »Es geht um das Verhältnis von Macht und Ohnmacht«, erläuterte Weber. Das Auftaktstück »Richard III.« sieht er gar als »das Stück der Stunde: Es gibt keinen politisch brisanteren Stoff über den Narzissmus, der in der Welt vorherrscht, sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft«.

»Wir« hat Weber seine erste Spielzeit überschrieben und in verschiedenen Sprachen auf das Cover des Programmhefts drucken lassen, 31 Stücke wurden ausgewählt. Sie sollen sich »mit den Rechten, Regeln und Werten unserer Gesellschaft auseinandersetzen«. Wichtig ist ihm aber, dass »die Frage nach dem Wir« nicht nur im Schauspiel gestellt wird, sondern auch außerhalb.

»Ich finde, dass das Theater sich öffentlich einmischen muss«, meinte Weber. »Und das Theater muss sich öffnen.« Er wolle ein Theater, »das sich in die Stadt bewegt und dann die Stadt auch wieder zurückholt«. Um solchen Ankündigungen Taten folgen zu lassen, hat er mithilfe von Sponsoren das Projekt »All Our Futures« begonnen. Mehr als 200 Jugendliche aus Stadtteilen, die eher als kulturfern gelten, können drei Jahre lang mitmachen. »Es geht um die Frage: Wie wollen wir leben? In welcher Stadt, in welcher Zukunft?«, erklärte Weber.

In Zeiten, in denen autoritäre Regime erstarken, »ist es die Pflicht des Theaters, konkret dazu beizutragen, die Mitte zu verteidigen – und zwar mit allen Mitteln«, sagte Weber. Es sei Zeit, die Blase zu verlassen. Das Interesse an politischen Themen und Debatten ist seinem Eindruck nach stark gewachsen. »Die Menschen haben ein unglaubliches Bedürfnis, darüber zu reden, was da passiert.« Das Theater als »Ort der Rück- und Selbstvergewisserung« könne ein guter »Katalysator für Ohnmachtsgefühle« sein.

Sich in die Debatte um Sanierung, Abriss, Umzug oder Neubau der Städtischen Bühnen einzumischen, steht hingegen erstmal nicht auf Webers Agenda. »Ich gehe im Moment relativ entspannt damit um«, sagte der Intendant. Ein Gutachten hatte Kosten von rund 900 Millionen Euro sowohl für eine Sanierung als auch für einen Neubau genannt. Weber glaubt, dass der »Findungsprozess« in der Stadt noch Jahre dauern wird. »Bis dahin ist die künstlerische Arbeit nicht bedroht oder eingeschränkt.«

Trotz der baulichen Unsicherheit will Weber für neue Kontinuität sorgen. 50 Festanstellungsverträge hat er schon unterschrieben, seit August wird parallel an den drei Stücken für den Spielzeitbeginn geprobt. Die Zuschauer können sich auf neue Gesichter freuen: Mehr als die Hälfte des Ensembles ist neu in der Stadt.

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