09. Juli 2017, 22:03 Uhr

Virtuosität zum Dahinschmelzen

09. Juli 2017, 22:03 Uhr
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Von Sascha Jouini
Poetisches Gespür und virtuose Technik: Arabella Steinbacher war der Star der Weilburger Schlosskonzerte. (Foto: jou)

Vielen der zahlreichen Besucher dürfte das Weilburger Schlosskonzert mit Violinistin Arabella Steinbacher und der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz am Samstag im Renaissancehof noch lang in Erinnerung bleiben, derart tief berührten die Interpretationen. Geleitet wurde das Konzert von dem jungen Pianisten und Dirigenten Frank Dupree. Zu welch animierender Spielfreude er das Orchester trieb, zeigte sich schon beim Eröffnungssatz »Castillane« aus der Balletsuite nach Jules Massenets Oper »Le Cid«. Mit feinem Rhythmusgefühl unterstrich das Ensemble den tänzerischen Charme sowie das spanische Kolorit. Der zweite Satz »Andalouse« kam melodisch anmutig und in federnder Bewegung daher, während der vierte mit dem Titel »Aubade« durch den klanglich luftigen, unbeschwerten Charakter bezauberte.

Star des Abends war Arabella Steinbacher, eine der renommiertesten Violinistinnen. Mit nuancierter Tongebung spielte sie auf ihrer Stradivari die »Zigeunerweisen« op. 20 von Pablo de Sarasate. Die Komposition gab ihr Gelegenheit, poetisches Gespür in kantablen Passagen mit virtuoser Technik in schnellen Abschnitten zu verbinden. Das akkurate Timing zwischen Solistin und Orchester brachte die energetischen Züge auf den Punkt.

Zum Träumen einladend

In eine gedankenversunkene, zum Träumen einladende Sphäre entführte die Introduktion zum »Rondo Capriccioso« op. 28 von Camille Saint-Saëns. Davon hob sich der Hauptteil durch zackigen Rhythmus und spielerische Leichtigkeit ab. Steinbacher beherrschte ihr Instrument perfekt, mit stets lockerer Bogenführung. Hinzu kam eine untrügliche Ader für musikalische Spannungsbögen und elegante Übergänge. Am selben Strang ziehend, rundete das Orchester das Bild ab. Großen Unterhaltungswert barg auch Maurice Ravels »Tzigane«, ein Virtuosenstück im Stil einer ungarischen Rhapsodie. Nach dem ausgedehnten, mit Kniffligkeiten gespickten Violinsolo setzte das Orchester ein und fächerte den Klang auf. Impressionistische Passagen verführten wieder zum Schwelgen. Dazu kontrastierten Folklorelemente. Herzlichem Beifall folgte eine Zugabe zum Dahinschmelzen: die »Meditation« aus Massenets Oper«Thais«.

Komplexer aufgebaute Orchesterwerke standen nach der Pause auf dem Programm. In Sergei Rachmaninows »Caprice bohémien« mündete der latent dramatische Beginn in einen markanten ersten Höhepunkt, dem im weiteren Verlauf melodisch schwermütige Passagen gegenüberstanden. In der dynamisch differenzierten Interpretation offenbarte sich die raffinierte Instrumentation in ihrem ganzen Abwechslungsreichtum. Einen packenden Abschluss des starken Konzerts bildete die mit weitläufigen Entwicklungen aufwartende Fantasie-Ouvertüre »Romeo und Julia« von Peter Tschaikowski. Sascha Jouini



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