12. Februar 2017, 22:16 Uhr

Trauer um Star-Tenor Nicolai Gedda Liverpool gratuliert Literaturpreis für grotesken Humor vergeben Manga-Künstler Jiro Taniguchi gestorben Technik-Oscar für Münchner Firma Arri Niederlande feiern 100 Jahre »De Stijl« »Orchester in der Kehle«

12. Februar 2017, 22:16 Uhr
N. Gedda

Der weltweit gefeierte schwedische Tenor Nicolai Gedda ist in der Schweiz im Alter von 91 Jahren gestorben. Das bestätigte der Bürgermeister des Städtchens Tolochenaz am Genfer See in der Schweiz am Samstag. Gedda hatte dort jahrelang gelebt. Der Sänger sei schon am 8. Januar zu Hause verstorben, aber nicht in Tolochenaz begraben worden, sagte Salvatore Guarna der Deutschen Presse-Agentur. Wo Gedda seine letzte Ruhe fand, wusste Guarna nicht. Seine Ehefrau lebe noch in dem Ort. Sie werde in diesem Jahr 90.

Gedda zählte zu den großen Tenören des 20. Jahrhunderts. Er wurde in seiner mehr als 40 Jahre währenden Karriere wegen seines breiten musikalischen Spektrums gefeiert. Legendär waren seine mit Leichtigkeit erreichten hohen Töne.

Zum 20. Geburtstag erfüllten sich am Samstag das Papageno Musiktheater am Palmengarten, das 1997 als Kindertheater mit der »Zauberflöte« begonnen hatte, und sein Leiter Hans-Dieter Maienschein sich selbst den unbescheidenen Wunsch, das »Liverpool Oratorio« von Paul McCartney auf die Bühne zu bringe – im Großen Saal der Alten Oper.

Intendant Dr. Stephan Pauly gratulierte vor fast ausverkauften Plätzen dem Ehepaar Maienschein und übergab dann das Mikro an Jonathan Power, einen früheren Auslandskorrespondenten und vor allem Schulkameraden und Freund von Sir Paul. Er verlas eine Email von Paul (er freue sich, dass Liverpool nach Frankfurt kommt) und erzählte augenzwinkernd von Pauls erfolglosem Versuch, in den Liverpool Cathedral Choir aufgenommen zu werden.

Dort fand 1991 zum 150. Jubiläum des Royal Liverpool Philharmonic Orchestra die Premiere des »Liverpool Oratorio« statt. Es war der erste Ausflug des Ex-Beatles in die Welt der Klassik, und er musste trotz der Mitwirkung von Stars wie Kiri Te Kanawa oder Sally Burgess viel Spott und Häme für sein autobiografisch gefärbtes Werk einstecken. In der Tat sind die Texte hier und da am Rande des Peinlichen, wenn etwa in Teil 7 »Krisen« der Vorwurf Shantys (Pauls Alter Ego) an seine Frau Mary Dee, sie habe ihm kein Abendessen gekocht, bis zum Abwinken wiederholt wird oder im finalen »Frieden«-Teil die Lösung quasi vom Himmel fällt: »Alle leben zusammen in Frieden«. Das ist von geradezu John Lennon-artiger Naivität und damit schon wieder liebenswert. Abgesehen davon erreichen die Libretti vieler klassischer Opern weit höhere Werte auf der Skala des Hanebüchenen. 200 Mitwirkende füllen die Bühne, darunter die Frankfurter Kantorei und das Orchester Camerata Frankfurt (Ltg. Winfried Toll) sowie die Limburger Domsingknaben (Ltg. Andreas Bollendorf). Streicher, wohin das Auge blickt, Harfe, etliche Perkussion und ein Spieltisch für die große Orgel: All dies sorgt vom gedämpften Beginn (Shantys Geburt im Krieg) bis zum feierlichen Ende für einen angenehmen, nie dissonanten Orchesterklang ohne zu viel Süße – ein Vorwurf, der auf etlichen Pop von Paul ja zutrifft. Szenenwechsel werden durch instrumentale Zwischenspiele überbrückt, gelegentlich treten Instrumente in den Vordergrund, etwa die Trompete in dem bewegenden Teil »Vater« – eine Anspielung darauf, dass Pauls Vater im Alter das Trompetenspiel wegen ausfallender Zähne aufgeben musste.

Filmsequenzen eingespielt

Die Handlung wird von den Solisten Hans-Christoph Begemann (Bariton), Gail Gilmore (Mezzosopran), Daniela Haase (Sopran) und Stefan Vinke (Tenor) getragen. Vor allem die für Anna-Maria Kaufmann kurzfristig eingesprungene Haase und der auch aus Bayreuth bekannte Stefan Vinke überzeugen durchweg, vor allem in den Duetten. Allenfalls die eingespielten Filmsequenzen wirken in ihrer kammerspielartigen Machart etwas unpassend, zur Spanischstunde flitzen weiterhin Mathematiksymbole über die Leinwand, zur Hochzeit gibt es schwarzweißes Prilblumen-Dekor. Vielleicht wären deutsche Übertitel sinnvoller gewesen, andererseits will ein Theater natürlich nicht auf eine szenische Umsetzung verzichten, um dem Publikum den Gang der Handlung deutlich zu machen.

Nicht zuletzt dem sehr homogen und sauber intonierenden Orchester ist es zu verdanken, dass der Jubiläumsabend mit verdient herzlichem Applaus endete. Axel Cordes

Die Autorin Karen Duve ist in Kassel mit dem Literaturpreis für grotesken Humor ausgezeichnet worden. Duve erhielt die Ehrung am Samstag für ihre sprachkräftige Erzählkunst. Ihr grotesker Humor tendiere zu Schwärze und Sarkasmus und erprobe auch die Grenzen des Komischen, urteilte die Jury. Zu Duves bekanntesten Büchern gehören »Dies ist kein Liebeslied« (2002) und der Roman »Taxi« (2008), der 2015 verfilmt wurde. Die Autorin wurde 1961 in Hamburg geboren. Der mit 10 000 Euro dotierte Preis wird seit 1985 jährlich von der Stiftung Brückner-Kühner und der Stadt Kassel an Autoren vergeben, »deren Werk auf hohem künstlerischen Niveau von Komik und Groteske geprägt ist«.

Der japanische Manga-Zeichner Jiro Taniguchi ist nach Angaben seines belgischen Verlags Casterman am Samstag gestorben. Der Autodidakt, der mit seinen Bildergeschichten zwischen der japanischen Manga-Tradition und westlichen Comic-Welten wandelte, wurde den Angaben zufolge 69 Jahre alt. Taniguchi feierte internationale Erfolge: Als der Künstler 2015 zum Comic-Festival von Angoulême kam, hatten sich seine auf Französisch bei Casterman erschienenen Bücher schon mehr als eine Million Mal verkauft, wie der Verlag mit Sitz in Brüssel und Paris mitteilte.

Auf Deutsch erschienen Werke des 1947 im japanischen Tottori geborenen Zeichners im Carlsen-Verlag, darunter »Die Sicht der Dinge« und »Der Gourmet«.

Weiterer Oscar für die Münchner Firma Arri: Eine Kamera des Unternehmens für Filmherstellung ist in der Nacht zum Sonntag mit einem sogenannten Technik-Oscar ausgezeichnet worden, wie die Academy of Motion Picture Arts and Sciences mitteilte. Insgesamt wurden 18 Preise für wissenschaftlich-technische Errungenschaften an fünf Unternehmen sowie 34 Ingenieure und Erfinder vergeben. Das Gala-Dinner in Los Angeles moderierten die Schauspieler John Cho und Leslie Mann. Die große Oscar-Show geht dann am 26. Februar in Hollywood über die Bühne.

Arri bekam den Preis für die Entwicklung der Alexa-Digitalkameras. Sie zählten zu den ersten Digitalkameras, die in Spielfilmproduktionen verwendet wurden. Der Mexikaner Emmanuel Lubezki hatte mit der Kamera aus München das bildgewaltige Abenteuerepos »The Revenant – Der Rückkehrer« gedreht und damit im vorigen Jahr den Oscar für die beste Kameraarbeit gewonnen.

Die Niederlande haben das Festjahr zum 100-jährigen Bestehen der Kunstrichtung »De Stijl« (Der Stil) gestartet. Der niederländische König Willem-Alexander eröffnete am Samstag in Den Haag die erste große Ausstellung zum Werk des Malers Piet Mondrian (1872–1944). Mit Dutzenden von Ausstellungen werden die Niederlande 2017 unter dem Motto »Von Mondrian bis Dutch Design« an diesen Aufbruch in der Kunst erinnern.

Der Niederländer Mondrian war der berühmteste Repräsentant des Stijl. Die Ausstellung im Gemeentemuseum zeigt erstmals seine Verbindung zu seinem Kollegen Bart van der Leck (1876-1958). Kennzeichnend für das Werk von Mondrian ist die Farbkombination rot-gelb-blau. Dazu war er von van der Leck inspiriert worden.

Der Jazz-Sänger Al Jarreau ist tot. Der vielfach preisgekrönte Stimmakrobat starb am Sonntag im Alter von 76 Jahren, wie sein Agent Bob Zievers der dpa bestätigte. »Al ist gegen 5.30 Uhr friedlich in einem Krankenhaus in Los Angeles entschlafen. Familienmitglieder und einige enge Freunde waren dabei.« Der Sänger war vor kurzem aufgrund von Erschöpfung in das Krankenhaus eingeliefert worden und hatte seine Karriere daraufhin als beendet erklärt. Auf ärztlichen Rat hin habe er geplante Auftritte abgesagt und trete in »vollständiger Trauer« vom Tour-Leben ab, hieß es.

London, Tokio, Kapstadt – und für dieses Jahr standen unter anderem Oldenburg, Karlsruhe und Düsseldorf auf dem Programm. Jahrzehntelang war Al Jarreau nicht zu bremsen gewesen, tourte über die Bühnen der Welt, bekam Auszeichnungen und ließ sich von seinen Fans feiern. Doch dann wurde »der Mann mit dem »Orchester in der Kehle« vor kurzem ins Krankenhaus gebracht, die Diagnose Erschöpfung zwang ihn zum Karriereende. Mitte vergangener Woche hatte er das mit großer Trauer auf ärztlichen Rat hin verkündet, gestern ist Jarreau gestorben. Eine öffentliche Trauerfeier war zunächst nicht geplant, Familie und Freunde wollten Jarreaus im kleinen, privaten Kreis gedenken. Auch seinen 75. Geburtstag im vergangenen Jahr hatte Jarreau, der mit Ehefrau Susan in Kalifornien lebte, schon »in aller Stille daheim mit seiner Familie und ein paar Freunden« verbracht, wie sein Manager Joe Gordon damals sagte.

Jarreau, dessen internationale Karriere einst im legendären Hamburger Szenelokal »Onkel Pö« begann, hatte sich selbst gern als »Crossover-Legende« bezeichnet. Mühelos wechselt er zwischen klassischem Jazz und Funk-Rhythmen, zwischen Fusion und Soul – mit Abstechern in Rhythm & Blues und Hitparaden-Pop, was einige Jazz-Puristen immer wieder kritisierten.

In Jarreaus geschmeidiger Stimme glaubte man eine Violine zu hören, eine Flöte, oder einen Trommelwirbel. Er war berühmt für seine einzigartigen Tonkaskaden. Fans auf der ganzen Welt feierten den siebenfachen Grammy-Gewinner dafür – »doch mit dem deutschen Publikum fühlt sich Al so eng verbunden wie sonst mit keinem anderen weltweit«, sagte sein Manager einmal.

Erste Auftritte in Nachtclubs

Jarreau kam als eines von sechs Kindern eines afro-amerikanischen Pastors in Milwaukee (US-Bundesstaat Wisconsin) zur Welt. Schon mit vier Jahren habe er Gershwins Melodien aus »Porgy und Bess« auswendig gekannt, erinnerte er sich einmal. »Bei uns zu Hause wurde viel gesungen.« Er studierte Psychologie, verdiente tagsüber als Sozialarbeiter sein Geld und sang abends in den Nachtclubs von Los Angeles, bis er sich entschied, sein Leben ganz der Musik zu widmen. Songs wie »We’re in this Love together«, »Mornin’» oder »Moonlighting Theme« wurden zu Klassikern.

»Ich bin davon überzeugt, dass ich auch heute noch in der Lage bin, Menschen zu helfen, durch meine Musik«, sagte Jarreau einmal. »Wenn Sie so wollen, bin ich heute ein besserer Sozialarbeiter, als ich es je zuvor war«.

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