07. November 2019, 18:22 Uhr

Schwarz oder weiß?

07. November 2019, 18:22 Uhr
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Von DPA
»Blue Eyed Soul« hat Mike Hucknall sein neustes Album genannt. (Foto: dpa)

Welche Hautfarbe sollte ein Soul-Sänger haben, um »echt« und authentisch zu wirken? Damit schlägt sich der Brite Mick Hucknall herum, seit er vor 35 Jahren das Projekt Simply Red ins Leben rief. Seine neue Platte hat er nun fast trotzig »Blue Eyed Soul« benannt, also nach einem nicht ganz unumstrittenen Subgenre: schwarzer US-amerikanischer Soul im Stil der 60er und 70er Jahre - komponiert und gesungen von einem weißen Musiker.

Eigentlich hatte Hucknall ja schon in seinen frühen Jahren nachdrücklich bewiesen, dass er die schwarze Musik im Blut und in der Stimme hat. Mit Single-Welthits wie »Holding Back The Years« oder dem Cover »If You Don’t Know Me By Now«, mit Millionenseller-Alben wie dem Debüt »Picture Book« (1985), »A New Flame« (1989) oder dem Karrierehöhepunkt »Stars« (1991) wurde er zu einem der erfolgreichsten Pop-Sänger seiner Generation.

Doch es blieben Zweifel: Darf ein rothaariger Bursche aus Manchester den großen afroamerikanischen Vorbildern wie Ray Charles, Sam Cooke, James Brown, Marvin Gaye und Curtis Mayfield so stilecht nacheifern, ohne dass es nach Kulturimperialismus riecht? Hucknalls Band Simply Red beantwortet diese Frage nun mit einem Album, das tatsächlich ziemlich schwarz klingt und mit klassisch-altmodischen Songs ausdrückt: »Who cares« - frei übersetzt: Macht euch mal locker. Im Interview des Magazins »Rolling Stone« erinnerte sich der inzwischen 59 Jahre alte Musiker kürzlich an sein Einstiegsjahr 1984: »Amerikanische Plattenfirmen dachten, da sänge ein schwarzes englisches Mädchen.« In den USA habe es geheißen: »Zu weiß fürs schwarze, zu schwarz fürs weiße Radio.«

Deshalb kann er nun mit »Thinking Of You«, dem Opener des neuen Albums, oder mit »BadBootz« ganz unverblümt Disco-Funk für reifere Dancefloor-Besucher machen. Oder mit »Complete Love« einen feinen Schmusesong abliefern. Oder mit »Tonight« eine der schönsten Balladen einer Laufbahn zelebrieren, in der Hucknall rund 60 Millionen Tonträger verkauft haben soll.

Nichts an »Blue Eyed Soul« dürfte sich irritierend anfühlen für langjährige Fans von Simply Red - man nimmt dem blassen Mann seine Begeisterung für die schwarze Musik jederzeit ab. »Diese gegenseitigen Befruchtungen betrachte ich als größtes kulturelles Erbe des 20. Jahrhunderts«, sagte Hucknall dem »Rolling Stone« - und verwies auf weiße Künstler wie George Gershwin, Elvis Presley oder Mick Jagger.

Ob die zehn mit großer Band-Besetzung eingespielten Simply-Red-Stücke von »Blue Eyed Soul« nun originell sind oder doch nur gut gemeint und definitiv gut gemacht, daran werden sich wohl wieder die Geister scheiden. Das erste Studioalbum der Band seit »Big Love« (2015) - ihr insgesamt zwölftes - beweist aber zumindest eines: Hucknall ist ein wunderbarer Sänger, der sich vor den Black-Music-Legenden nicht verstecken muss - Hautfarbe hin oder her.



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