05. Januar 2018, 11:38 Uhr

Dieter Wedel

Schatten über dem Erfolgsmann Schatten über dem Erfolgsmann

Er ist einer der größten deutschen Regisseure. Aber Dieter Wedels Bild in der Öffentlichkeit droht nach Vorwürfen wegen sexueller Übergriffe Schaden zu nehmen. Er weist alles zurück.
05. Januar 2018, 11:38 Uhr
Kämpft um seinen Ruf: Star-Regisseur Dieter Wedel. (Foto: dpa)

Er ist mit Preisen dekoriert worden, seine Filme gehörten zu den Quotenbringern im Fernsehen, er stand über Jahre im Scheinwerferlicht: Dieter Wedel, lange Zeit Deutschlands wichtigster TV-Regisseur.

In der Filmbranche galt er schon immer als schwierig, als »Exzentriker« und »Choleriker« wurde er vielfach bezeichnet – der Erfolg gab ihm aber immer recht.

Nun droht das Bild des Mega-Mannes in der Öffentlichkeit Schaden zu nehmen, denn drei Schauspielerinnen haben gegen den 75-Jährigen im »Zeit-Magazin« schwere Vorwürfe bis hin zu erzwungenem Sex erhoben, teilweise mit eidesstattlichen Erklärungen.

Wedel selbst weist die Beschuldigungen seinerseits in einer eidesstattlichen Erklärung, zurück.

Geld und Macht

Ein Blick zurück: Wedel drehte im Jahr 1997 das monumentale sechsteilige Sat.1-Werk »Der König von St. Pauli« mit Star-Besetzung und Star-Budget: 27,5 Millionen Mark kostete das Drama von der Reeperbahn.

Wer so viel Geld bewegt, hat auch Macht. Vor allem, wenn er fürs Buch und die Besetzung zuständig ist. Was mag damals hinter den Kulissen vorgegangen sein?

Schauspielerin Jany Tempel (heute 48), mittlerweile nicht mehr im Geschäft, berichtet im »Zeit-Magazin«, dass sie 1996 während der Casting-Phase von Wedel »mit aller Wucht« zum Sex gezwungen worden sei.

Anwalt weist Vorwürfe zurück

Kollegin Patricia Thielemann erzählt von einem ähnlichen Vorfall aus dem Jahr 1991. Auch eine dritte Schauspielerin, die ihren Namen nicht nennen möchte, schildert, dass sie Opfer geworden sei.

Wedels Anwalt Michael Philippi erklärte in einer Pressemitteilung auf der Seite der Bad Hersfelder Festspiele – da ist der in Bad Nauheim aufgewachsene Wedel Intendant –, »dass die offenbar von mehreren Schauspielerinnen gegen ihn erhobenen Vorwürfe unzutreffend und nicht gerechtfertigt sind«.

Er habe »zu keinem Zeitpunkt diesen oder anderen Frauen in irgendeiner Form Gewalt angetan«. Im »Zeit-Magazin« sagte Wedel, er sei Jany Tempel gegenüber »definitiv nie gewalttätig« gewesen. »Ein solches Verhalten ist mir gänzlich fremd, und ich finde jegliche Form von sexueller Gewalt abstoßend.«

Für Demütigungen bekannt

Wedel ist immer wieder ins Gerede geraten, weil er auf künstlerischem Gebiet Ärger mit Mitarbeitern hatte. So trennte er sich beim »König von St. Pauli« nach Meinungsverschiedenheiten von einem der Regisseure, Markus Fischer.

Bei den Bad Hersfelder Festspielen gab es 2017 Streit mit Schauspieler Paulus Manker, der kurz vor der Premiere gehen musste. Aber sexuelle Übergriffe? Und warum werden sie jetzt zum Thema? Ein Anstoß war sicherlich die »#MeToo«-Affäre um US-Produzent Harvey Weinstein, dem Schauspielerinnen massive sexuelle Übergriffe vorwerfen.

Vom »Zeit-Magazin« zu Wedel befragt, betonte Schauspielerin Corinna Harfouch: »Viele haben gewusst, dass Wedel Schauspielerinnen schlecht behandelt und demütigt. Das war ein von allen gestütztes System.«

Grothum verteidigt Regisseur

Es gibt aber auch andere Meinungen: Brigitte Grothum (82), die zuletzt in Bad Hersfeld mit Wedel arbeitete, sagte der Deutschen Presse-Agentur, sie halte es für ausgeschlossen, dass an den Vorwürfen etwas dran sei: »Unvorstellbar, ich habe sehr oft in früheren Jahren mit Wedel gedreht. Er hätte es bestimmt nicht nötig gehabt, eine Frau sexuell zu belästigen oder gar zu nötigen. Meine Erfahrungen sprechen absolut dagegen.«

Das »Zeit-Magazin« schreibt, alle drei Frauen betonten, »dass es ihnen nicht darum gehe, einen prominenten Mann wie Dieter Wedel nachträglich in Verruf zu bringen, sondern den Machtmissbrauch offenzulegen und damit die Mechanismen der Filmbranche zu verändern«.

Vertrauen des Bürgermeisters

Wedel drohen im Zuge der Debatte zunächst wohl keine beruflichen Auswirkungen: »Ich habe keinen Anlass, an der Glaubwürdigkeit von Dieter Wedel zu zweifeln«, sagte der Bad Hersfelder Bürgermeister Thomas Fehling, der Wedels Verpflichtung als Intendant der städtischen Theaterfestspiele vorantrieb, am Donnerstag.

»Er genießt unser volles Vertrauen. Im Zusammenhang mit den gegen ihn erhobenen Vorwürfen fühle ich mich an eine Hexenjagd erinnert.«

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