29. Dezember 2019, 22:04 Uhr

Sankt-Pauli-Museum schließt Ende März

Fontanes »Effi Briest« ist den meisten vor allem aus dem Schulunterricht bekannt. Naserümpfend wird dann oft an einen angestaubten Autor gedacht. Doch ist das wirklich so? Oder ist der Literat nicht doch auch für junge Leute interessant?
29. Dezember 2019, 22:04 Uhr
Die computeranimierte Sängerin Hatsune Miku während der Fotoprobe der Oper »The End« auf der Leinwand. FOTO: DPA

Das von Kiezfotograf Günter Zint in Hamburg gegründete Sankt-Pauli-Museum schließt Ende März seinen Standort in der Davidstraße auf St. Pauli. Grund sei eine neuerliche Mieterhöhung auf 6300 Euro pro Monat. »Die Mieterhöhung ist über den Betrieb unseres unsubventionierten Museums unmöglich zu bewältigen. Rein wirtschaftlich müssten wir uns sogar früher aus dem Vertrag verabschieden. Rein organisatorisch wird uns das leider nicht gelingen«, teilte Julia Staron, Vorstand des Museumsvereins, am Samstag in Hamburg mit. Die Kündigung der seit 2010 genutzten Mieträume sei bereits erfolgt. Ein neuer Standort werde gesucht.

Der Januar steht auf den Musikbühnen ganz im Zeichen der deutschen Sprache. Silbermond spielen ihre neue Platte. Kettcar kommen vor ihrer Band-Pause noch einmal auf Tour. Jeanette Biedermann präsentiert ihr neues Album. Dota zeigt neue Lieder in großer Besetzung. Aber auch Fans experimenteller Klänge und epischer Arrangements kommen auf ihre Kosten: Der virtuelle Superstar aus Japan, Hatsune Miku, verspricht einmalige Konzerterfahrungen in Berlin, Angel Olsen zeigte ihre Orchesterstücke in Berlin und München.

Silbermond setzen sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus ein und scheuen auch nicht davor zurück, unbequeme Wahrheiten über ihre sächsische Heimat auszusprechen. Auf ihrem mittlerweile sechsten Album »Schritte« werden die Pop-Rocker aus Bautzen erneut politisch. Im Januar starten sie ihre Konzertreise. Los geht es in Hamburg (22.1.). Danach folgen Auftritte unter anderem in Hannover (24.1.), Leipzig (25.1.), Berlin (1.2.) und München (8.2.).

Fans der Hamburger Band Kettcar mussten in diesem Herbst stark sein: Die Band verkündete eine erneute Pause - und das, obwohl sie für ihr 2017 erschienenes Album »Ich vs Wir« viel gefeiert wurde. Auf dem Album rechnen die fünf Hamburger mit der Gesellschaft ab. »Ich hab meiner Band gesagt: Wenn wir noch mal ein Album machen, dann wird es nicht eine Sekunde gemütlich werden«, sagt Sänger Marcus Wiebusch. »Ich vs Wir« ist ein Album über die Themen unserer Zeit. Kettcar beschreiben einen Rechtsruck in der Gesellschaft, nehmen Flüchtlingskrise und Gentrifizierung auf. Im Januar sind die fünf Hamburger live zu erleben. Auftakt ist in Braunschweig (25.1.). Danach spielt die Gruppe unter anderem in München (28.1.), Dresden (30.1.) und Bremen (31.1.).

Jenseits von Schlagerkitsch

Im September 2019 veröffentlichte Jeanette Biedermann ihr erstes Album als Solokünstlerin seit zehn Jahren. Es trägt den Titel »DNA«, liefert viele persönliche Texte. Wer die Sängerin aus ihren frühen Jahren kennt, dem wird sofort auffallen, dass Biedermann nun auf Deutsch singt. Bekannt geworden ist die Musikerin durch ihre Rolle als Marie Balzer in der Soap »Gute Zeiten, schlechte Zeiten«. 2000 erschien ihr erstes Album. Trotz der Kreativpause als Solomusikerin spielte sie weiter Musik. 2012 gründete sie die Band Ewig, die sich 2019 auflöste. Biedermann präsentiert ihr neues Album im Januar auf einer Deutschlandtour, die in Mannheim startet (20.1.). Auf dem Programm stehen Shows in Frankfurt (21.1.), Hamburg (30.1.), Dresden (4.2.) und Berlin (9.2.).

Dota alias »Die Kleingeldprinzessin« gehört zu der neuen Generation respektabler Songpoetinnen und Songpoeten. Diese beweisen gerade, dass sich mit deutschen Texten Gefühle und Erlebnisse jenseits von Schlagerkitsch oder Gangster-Rap glaubhaft transportieren lassen. Dota ist auf Weltreisen viel als Straßenmusikerin aufgetreten - daher der Name »Kleingeldprinzessin«. 2018 erschien ihr aktuelles Album »Die Freiheit«. Im Januar ist die Musikerin mit großer Besetzung auf den deutschen Bühnen unterwegs. Start ist in Rostock (9.1.). Danach reist die Band weiter nach Hamburg (10.1.), Erfurt (17.1.), Hannover (22.1.) und in einige weitere Städte.

Seitdem Hatsune Miku im Jahr 2007 von einer japanischen IT-Firma hochgeladen wurde, zieht die computeranimierte Sängerin nicht nur in Japan ein Millionenpublikum mit ihrer künstlichen Gesangsstimme in ihren Bann. Die dreidimensionale Projektion des Mädchens mit den blauen Haaren und den großen Augen ist schon auf der ganzen Welt aufgetreten. Im Jahr 2016 spielte Hatsune Miku in einer Oper mit. Sie war in der Inszenierung überlebensgroß und kostümiert in ein Bühnenbild projiziert, während Komponist Keiichiro Shibuya live auf der Bühne ihren Gesang begleitete. Für ein exklusives Deutschlandkonzert kommt der virtuelle Superstar nach Berlin (20.1.).

Einst schrieb Angel Olsen minimalistische Folk-Songs. Auf ihrem vierten Studioalbum sind ihre Lieder zu epischen Orchesterstücken und kühlen Synthie-Meditationen angewachsen. Was auf »All Mirrors« geblieben ist: der Sinn der 32-Jährigen für melancholische und schwelgerische Melodien. Das Ergebnis sind elf Lieder, die auch live eine lohnende Erfahrung versprechen. Im Januar können Fans die Kreationen von Angel Olsen live in München (29.1.) und Berlin (30.1.) erleben. Im Februar spielt sie in Hamburg (4. und 5.2.).

Was hat das Jubiläumsjahr zum 200. Geburtstag des Literaten Theodor Fontane (1819-1898) mit Hunderten Veranstaltungen und Zehntausenden Besuchern gebracht? »Vor allem einen verblüffenden Effekt: dass Leben und Werk Fontanes eine Anziehungskraft besitzen, mit der kaum jemand rechnete«, sagt Roland Berbig, Vorsitzender der Theodor-Fontane-Gesellschaft mit Sitz in Neuruppin. »Der Autor wurde von dem Schulstaub, der ihm anhaftet, befreit und - siehe da: eine lebende, alles anders als preußisch-verkalkte Person trat zum Vorschein«, sagt er. Das Fontanejahr endet offiziell nach neun Monaten am heutigen 30. Dezember, dem Geburtstag des Autors.

»Der Aufwand hat sich definitiv gelohnt. Brandenburg war (und ist) im Fontane-Fieber«, sagt Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD). Es sei gelungen, Fontane zu entstauben und im Spiegel des 21. Jahrhunderts zu betrachten. Knapp eine Million Besucher seien auf seinen Spuren gewandelt. Neben dem »märkischen Wanderer« konnte auch der für seine Zeit durchaus moderne und »zukunftsneugierige« Autor lebendig gemacht werden. Das Land unterstützte das Jubiläumsjahr mit rund zwei Millionen Euro. Dazu kamen eine Million Euro von der Kulturstiftung des Bundes.

In Neuruppin wurde Fontane als Sohn eines Apothekers geboren. In der Stadt verlebte er seine Kindheit und ging aufs Gymnasium. Als er 13 Jahre alt war, zog die Familie dann nach Berlin. Fontane wurde wie sein Vater Apotheker. Seine erste Novelle erschien 1839. Später entschied er sich gegen den Apothekerberuf und arbeitete nur noch als Journalist, Kritiker und Kriegsberichterstatter. Erst im Alter von fast 70 Jahren erschien sein berühmter Roman »Effi Briest«, der einige Male verfilmt wurde. Weitere Romane folgten. Zuvor veröffentlichte er die »Wanderungen durch die Mark Brandenburg«, die für die Identität der Bewohner des Landes zwischen Elbe und Oder wichtig wurden. Berühmt ist zudem sein Gedicht vom »Herr von Ribbeck im Havelland« und dem Birnbaum in seinem Garten.

»Wer vor dem Autor andächtig niederkniet, verfehlt ihn«, betont Berbig. Wer jedoch seinem vielgefächerten Autorenleben folge, begegne einem Gesprächspartner, der ihm sonst fehlen würde. Ob es auch gelang, den deutschen Romancier des 19. Jahrhunderts international bekannter zu machen, bleibe abzuwarten. Das gewachsene Interesse sei jedoch spürbar, sagt Berbig.

Seine beschauliche Geburtsstadt Neuruppin, die sich seit einigen Jahren Fontanestadt nennen darf, freute sich über mehr Bekanntheit. Bürgermeister Jens-Peter Golde will die Besucher auch 2020 weiter »fontanisieren«. Vor allem die große Leitausstellung »fontane.200/Autor« konnte mit 30 000 Besuchern die anfangs erhoffte Zahl von 15 000 weit übertreffen. Dem Publikum gefiel, wie der Schriftsteller von seinem Sockel geholt wurde, so ist im Besucherbuch zu lesen. Seine Worterfindungen führten als Faden durch die Schau: Schuhbürstenbart, Weltverbesserungsleidenschaft und Gemütlichkeitsrangliste.

Fontane nutzte zu seiner Zeit die modernsten Fortbewegungsmittel auf seinen Reisen durch Europa. »Heute würde er wahrscheinlich twittern«, meint Ministerin Schüle. »Ich denke, gerade die modernen Formate hätten ihm viel Spaß gemacht«, betont sie.

Und welches Werk sollte man heute unbedingt noch einmal vom alten Fontane lesen? Der Literaturwissenschaftler Berbig empfiehlt den Roman »Frau Jenny Treibel«. »Das ist eine umwerfende Erzählkomödie, die Geschichte einer sozialen Aufsteigerin, die virtuos Kunst, Geld und Leben vermischt«, sagt er. Die Ministerin sagt, dass sie als Märkerin eigentlich die »Wanderungen« empfehlen müsste. Als Politikerin finde sie »Effi Briest« aber spannender, weil sich Fontane mit Umbruchsituationen auskannte. Schüle: »Das macht ihn auch heute noch lesenswert.« Fontane starb am 20. September 1898 in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof der Französischen Gemeinde in der Liesenstraße in Berlin-Mitte.

Sind Bibliotheken in Zeiten von Internet und Smartphones überflüssig? Wer beim Deutschen Bibliotheksverband nachfragt, bekommt eine eindeutige Antwort: Die Zahl der Besuche steigt, Bibliotheken sind nach wie vor beliebt. »Das hängt damit zusammen, dass sie Orte sind, an denen man sich trifft, zusammenarbeitet, kommuniziert und relativ niedrigschwellig Zugang findet«, sagte der Bundesvorsitzende Andreas Degkwitz. Bibliotheken hülfen sozusagen gegen Einsamkeit.

Der international renommierte Ausstellungskurator und langjährige Schirn-Direktor Christoph Vitali ist tot. Der Schweizer starb im Alter von 79 Jahren in Zürich, wie die Familie mitteilte. Vitali war von 1985 bis 1993 Geschäftsführer und erster Direktor der Kunsthalle Schirn in Frankfurt am Main, danach leitete er jahrelang das Haus der Kunst in München und ging schließlich nach Basel zur Fondation Beyeler (2003 bis 2007). Vor seinem Engagement in der Schirn war Vitali Verwaltungsdirektor der Städtischen Bühnen in Frankfurt/Main. Der Jurist kuratierte in der Schirn mehrere, beim Publikum sehr beliebte Ausstellungen.

Die amerikanische Schauspielerin Sue Lyon, die mit 14 Jahren die Titelrolle in dem Film »Lolita« gespielt hatte, ist tot. Lyon sei im Alter von 73 Jahren in Los Angeles gestorben, berichtete die »New York Times«. Lyon habe unter gesundheitlichen Problemen gelitten. Die 1946 in Iowa geborene Lyon hatte als Kind erste Filmrollen und wurde mit 14 für die Rolle der frühreifen Lolita in der Romanverfilmung von Stanley Kubrick ausgewählt. Der Film kam 1962 ins Kino. Für ihre Darstellung bekam sie einen Golden Globe. Danach hatte Lyon, die fünfmal verheiratet war, nur noch kleinere Rollen.

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