28. Mai 2017, 22:27 Uhr

Riesenerfolg für deutschen Film

Sichtlich gerührt steht Diane Kruger auf der Bühne. Beim Filmfest in Südfrankreich gewinnt sie die Auszeichnung als beste Schauspielerin. Und die Goldene Palme geht überraschend an eine schwedische Satire.
28. Mai 2017, 22:27 Uhr
Große Ehre für Diane Kruger: Die Deutsche wird für ihre Leistung in Fatih Akins (l.) Drama als beste Schauspielerin ausgezeichnet. (Foto: dpa)

Riesenerfolg für den deutschen Film in Cannes: Diane Kruger hat am Sonntagabend beim Festival in Südfrankreich den Preis als beste Schauspielerin gewonnen. Die 40-Jährige wurde für ihre überragende Leistung in Fatih Akins NSU-Drama »Aus dem Nichts« ausgezeichnet. Es ist der erste Preis für eine deutsche Hauptdarstellerin seit 1986. Damals gewann Barbara Sukowa für Margarethe von Trottas »Rosa Luxemburg«.

Die Goldene Palme für den besten Film ging überraschend an die bissige Gesellschaftssatire »The Square« des Schweden Ruben Östlund. Im Mittelpunkt steht ein Museumskurator, der sich selbst als weltoffen gibt – dann aber zunehmend als bigott und machohaft entlarvt wird. Das Werk wird so zu einer spannenden Abhandlung über Vertrauen, gesellschaftliche Werte und Doppelmoral. Es ist die erste Goldene Palme für Schweden.

Preis für Sofia Coppola

Überhaupt wurden für Cannes ungewöhnlich viele Filme mit politischem Inhalt ausgezeichnet: Der Große Preis der Jury – die zweitwichtigste Auszeichnung der Filmfestspiele – ging an das berührende Werk »120 battements par minute«. Der französische Regisseur Robin Campillo erzählt darin von Aids-Aktivisten zu Beginn der 1990er Jahre, die unter Präsident François Mitterrand um Aufklärung und lebensnotwendige Medikamente kämpfen – ein Plädoyer für Akzeptanz und gleichberechtigtes Miteinander.

Außerdem wurden zwei weitere Frauen ausgezeichnet. Für die beste Regie vergab die Jury unter Vorsitz des Spaniers Pedro Almodóvar den Preis an die US-Amerikanerin Sofia Coppola für ihr Melodrama »Die Verführten« zur Zeit des US-Bürgerkriegs. Für den Thriller »You Were Never Really Here« gab es gleich zwei Trophäen: Regisseurin Lynne Ramsay wurde für das beste Drehbuch geehrt, ihr Hauptdarsteller Joaquin Phoenix als bester Schauspieler.

Es war ein Festival mit starker deutschsprachiger Präsenz: Im Wettbewerb hatten Fatih Akin und der Österreicher Michael Haneke um die Preise konkurriert, und in einer Nebenreihe zeigte Valeska Grisebach ihr Werk »Western«. Darüber hinaus gehörte die Regisseurin Maren Ade (»Toni Erdmann«) zur internationalen Jury.

In »Aus dem Nichts« erzählt Akin von einer Frau, die bei einem Bombenanschlag in Hamburg ihren Mann und ihren Sohn verliert – schon bald werden Parallelen zu den Morden des rechtsextremen NSU deutlich. Diane Kruger spielt Katja. Sie ist mit dem Kurden Nuri verheiratet.

Außenminister Sigmar Gabriel gratulierte Kruger und Akin. »Diane Kruger gibt ihrer Figur der Katja Sekerci eine berührende Tiefe«, sagte Gabriel laut einer Mitteilung. Die Auszeichnung setze »ein Zeichen gegen die Indifferenz gegenüber Opfern von Fremdenhass«. »Die Antwort auf Renationalisierung, Schneckenhaus und Abgrenzung kann nur lauten: Mut zu einer modernen, weltoffenen Gesellschaft und zu einem verantwortungsvollen Miteinander«, erklärte Gabriel.

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