12. Juli 2017, 20:21 Uhr

Promis auf der Piazza Grande Das nächste Abenteuer lockt Einfach mal umarmt Käthe-Kollwitz-Preis für Katharina Sieverding Mabuse-Schwestern spielen in Hersfeld UNESCO ernennt 21 neue Welterbestätten

Vom reifen Han Solo zum ergrauten Indiana Jones: Harrison Ford ist mit 75 Jahren nicht zu bremsen. Auch Bruchlandungen und Beinbrüche steckt der Hollywood-Star weg. Im Oktober kehrt er als Blade Runner zurück.
12. Juli 2017, 20:21 Uhr
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Von DPA
»Der Mann aus dem Eis«: Jürgen Vogel als Kelab im Hochgebirge der Ötztaler Alpen in Südtirol. (Foto: dpa)

Der Spielfilm »Freiheit« von Regisseur Jan Speckenbach wird im Wettbewerb des 70. Internationalen Filmfestivals von Locarno seine Weltpremiere feiern. Johanna Wokalek (»Die Päpstin«) spielt eine junge Mutter, die Mann und Kinder verlässt, um ihre persönliche Freiheit zu finden. Das formal ungewöhnliche Familiendrama bewirbt sich neben 17 anderen Spiel- und Dokumentarfilmen aus aller Welt um den begehrten Goldenen Leoparden, den Hauptpreis des renommierten Filmfestivals in der Schweiz.

Vom 2. bis 12. August zeigt das Filmfestival in seiner Jubiläumsausgabe in verschiedenen Sektionen fast 300 Filme. Aus Deutschland kommen neben Wokalek auch die populären Schauspieler Jürgen Vogel und Alexander Fehling. Sie zeigen ihre neuen Filme im Programm der abendlichen Freiluftaufführungen auf der Piazza Grande außerhalb aller Wettbewerbe.

Vogel spielt in »Iceman« (Regie: Felix Randau; deutscher Titel: »Der Mann aus dem Eis«) den als Ötzi bekannt gewordenen Mann, dessen mumifizierte Leiche 1991 nach mehr als 5000 Jahren aus dem Eis der Ötztaler Alpen in Südtirol geborgen wurde. Fehling verkörpert in »Drei Zinnen« (Regie: Jan Zabeil) einen Vater, der auf ungewöhnliche Weise um die Zuneigung seines Sohnes kämpft. Beide Filme haben die Chance, den für einen im Piazza-Programm gezeigten Film vergebenen Publikumspreis zu gewinnen. Er gilt nach dem Goldenen Leoparden als der begehrteste des Festivals am Lago Maggiore, das zu den wichtigsten europäischen Filmfesten hinter Cannes, Venedig und Berlin zählt.

Leiter Carlo Chatrian setzt auffallend auf die Anziehungskraft großer Namen. Hollywood-Stars wie Charlize Theron, Noomi Rapace, Glenn Close und Willem Dafoe sollen für Glanz sorgen. Erste prominente Preisträger stehen bereits fest: So geht der Leopard Club Award an den US-amerikanischen Schauspieler Adrien Brody (»Der Pianist«). Die in den vergangenen Jahren überwiegend in Frankreich arbeitende deutsche Schauspielerin Nastassja Kinski (»Paris, Texas«) wird mit einer Hommage geehrt.

Chatrian betonte bei der Präsentation des Programms gestern in Bern, dass es ihm besonders darauf ankomme, dem Publikum die Vielfalt des modernen Kinos zu präsentieren. Kontinuität und Innovation sind dabei für ihn die entscheidenden Stichworte.

Europäisches Autorenkino

Im Hauptwettbewerb, dem »Concorso Internazionale«, und in den anderen Wettbewerben wird besonderer Wert auf die Entdeckung von neuen Talenten und ungewöhnlichen Filmsprachen gelegt. Die abendlichen Freiluftaufführungen auf der Piazza Grande, dem mittelalterlichen Marktplatz der pittoresken Stadt, sollen wieder jeweils etwa 8000 Zuschauer mit anspruchsvoller Unterhaltung anlocken.

Eröffnet wird das Festival am 2. August mit Noémie Lvovskys »Demain et tous les autres jours« (»Morgen und alle anderen Tage«). Damit gibt Locarno ein starkes Bekenntnis zum europäischen Autorenkino ab. Die Retrospektive zeigt Filme von Jacques Tourneur (1904–1977). Der aus Frankreich stammende Regisseur hat in den 1940er Jahren in Hollywood mit Horrorfilmen wie »Katzenmenschen« und »Goldenes Gift« Filmgeschichte geschrieben.

Gute Gene? Heimliche Hilfsmittel? Gesunder Lifestyle? Oder seine 22 Jahre jüngere Frau Calista Flockhart? Was immer Harrison Ford als Anti-Aging-Strategie für sich entdeckt hat, es funktioniert. Der Schauspieler, der heute 75 Jahre alt wird, jagt mit Lederjacke, Peitsche und Hut bereits dem nächsten Abenteuer nach. Anfang Juli 2020 soll Ford als Indiana Jones im fünften Teil der Abenteuer-Saga in die Kinos kommen.

Vielleicht ist es nicht sein letzter Auftritt in der ikonischen Rolle als Archäologie-Professor Henry Walton Jones. Regisseur Steven Spielberg versprach den Fans im vorigen Jahr ein Happy End für »Indiana Jones 5«. »Ich werde Harrison am Ende nicht sterben lassen«, versicherte Spielberg. Seit 1981 spielte Ford viermal den draufgängerischen Leinwandhelden, zuletzt 2008 in »Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels« – da war er schon 64 Jahre alt.

Der ergraute Star findet es »wirklich cool«, bei der Fortsetzung des düsteren Science-Fiction-Films »Blade Runner« (1982) an Bord zu sein. Im Mai stellte Ford zusammen mit Ryan Gosling den offiziellen Trailer für »Blade Runner 2049« für den Kinostart im Oktober vor. Ford kehrt in seiner legendären Rolle als Ex-Polizist Rick Deckard in einer apokalyptischen Welt zurück.

Der Star ist einfach nicht zu bremsen. Als gestandener Haudegen Han Solo brauste er 2015 in »Star Wars: Das Erwachen der Macht« mit Lichtgeschwindigkeit durch den Weltraum. Von einem Fußbruch am Set bei den Dreharbeiten in London – eine hydraulische Tür des »Star Wars«-Raumschiffs »Millennium Falcon« war schuld an dem Unfall – erholte er sich schnell.

Auch eine Bruchlandung mit seinem einmotorigen Oldtimer-Flieger auf einem Golfplatz in Südkalifornien ging 2015 glimpflich aus. Die Brüche und Schnittwunden kurierte der passionierte Hobby-Pilot schnell wieder aus. Sein ältester Sohn, Ben Ford, gab damals beim Besuch im Krankenhaus schnell Entwarnung: »Angeschlagen, aber okay!«, twitterte der Sohn. »Er ist genau der Mann, wie man ihn sich vorstellt.« Sein Vater sei »unglaublich stark«.

Und Humor hat er auch, wenn etwas schief geht. »Ich bin der Trottel, der auf dem Taxiway gelandet ist«, sagte Ford im Februar nach einer Landepanne in Kalifornien, als ihn die Fluglotsen im Funkverkehr zur Rede stellten. Der »Indiana Jones«-Star war nicht auf der ihm zugewiesenen Landebahn, sondern auf einem Rollfeld gelandet, wo eine Passagiermaschine rangierte.

In Hollywood war der Mann mit der auffälligen Narbe am Kinn – sie stammt von einem Autounfall in den 1960er Jahren – ein Spätzünder. Mit 30 jobbte er noch als Tischler. Die Gagen für kleine Nebenrollen und TV-Gastauftritte reichten nicht, um seine Frau und zwei Kinder zu ernähren. Der damals unbekannte George Lucas heuerte den Zimmermann für seinen Low-Budget-Film »American Graffiti« an. Ford ist schon 35, als ihm Lucas die Rolle des Schmugglers Han Solo in »Star Wars« gibt. Der Rest ist Geschichte.

Die Weltraumsaga und »Indiana Jones« machten ihn zum Blockbuster-Star, doch Ford kann auch anders. Seine Polizistenrolle in dem Verbrecherdrama »Der einzige Zeuge« (1985) brachte ihm eine Oscar-Nominierung ein. Regisseur Peter Weir engagierte ihn auch für die Verfilmung des Paul-Theroux-Romans »The Mosquito Coast« (1986), in der sich Ford vom Menschenfreund zum fanatischen Despoten wandelt. Roman Polanski stellte ihn 1988 in den Mittelpunkt seines Psychothrillers »Frantic«. In »Die Waffen der Frauen« bewies Ford sein komödiantisches Talent. Wolfgang Petersen machte ihn in dem Actionfilm »Air Force One« zum fiktionalen US-Präsidenten.

Das Privatleben hält der vierfache Vater unter Verschluss. Schlagzeilen machten allerdings seine teure Scheidung von Ehefrau Nummer zwei, der Drehbuchautorin Melissa Mathison, und die Liaison mit der 22 Jahre jüngeren Schauspielerin Calista Flockhart (»Ally McBeal«), die er 2002 bei der Golden-Globe-Gala kennenlernte. Acht Jahre später heiratete das Paar. »Harrison und ich lachen viel zusammen, und Humor bedeutet mir alles«, erzählte Flockhart. Vielleicht ist das Fords Geheimrezept gegen das Altern.

Berlin, Hotel Adlon. Wehe, du fragst was Privates! Bitte nicht stressen, danke. Wäre nett, wenn Mr. Holland leise redet – ich hatte einen etwas anstrengenden Tag. Der neue SpiderMan hat ja keinen Schimmer, was bei mir heute schon los war! Frühdienst – also um 3 Uhr aufstehen. Dann flott zum Flughafen, gerade noch den Koffer eingecheckt. Dann mit einem der letzten Flieger vor dem Sturm nach Berlin abgehoben – kurz vor der Landung aber noch mal durchgestartet, weil ein Hubschrauber vor dem Airbus herumgeeiert ist. Verspätet gelandet, mit dem Taxi durch den Hauptstadtstau ins Hotel – die haben meine Reservierung nicht gefunden. Stadt aber voll, wegen irgendeinem Kongress. Zehn Minuten auf’m Zimmer, kaum ausgeruht – dann den Film gucken, durch das erste Gewitter zum Hotel zurück – mit einem Bein in der Dusche – hektischer Anruf, dass Mr. Holland doch früher da ist. Aus 20 Minuten Gespräch wurden kurzerhand zehn – und alles, was ich höre ist: »Ich brauchte zwei Leute, um meinen Spider-Man-Anzug anzuziehen und ich finde Robert Downey jr. so cool, dass ich ihn in einer Szene einfach mal umarmt habe.« Sorry – da ist mein privater Tag heute aber spannender gewesen. Obwohl: Downey jr. würde ich auch privat umarmen.

Holland spielt den neuen Spider-Man, der sich jetzt im Avengers-Universum rumtreiben darf. Er erzählt, dass ihm die Figur sehr gut gefällt und stolz ist auf den Job. Kann er auch sein, in den USA ist »Spider-Man: Homecoming« mit 117 Millionen Dollar Umsatz am Startwochenende super angelaufen.

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Shadia Omar arbeitet als Redakteurin für HR3 und trifft seit mehr als zehn Jahren Hollywood-Größen. In ihrer Kolumne in dieser Zeitung berichtet sie in loser Folge donnerstags von ihren Begegnungen off the record und öffnet den Vorhang für einen Blick hinter die Kulissen des Filmzirkus.

Preisträgerin des diesjährigen Käthe-Kollwitz-Preises ist die Düsseldorfer Künstlerin Katharina Sieverding. Die Berliner Akademie der Künste zeigt dazu bis zum 27. August eine Ausstellung mit 19 ihrer Arbeiten. Sieverding habe seit den 60er Jahren »das Zeitalter der großformatigen Fotokunst« eingeleitet, erklärte die Akademie. Der Preis für bildende Kunst ist mit 12 000 Euro dotiert.

Die beiden südafrikanischen Tanzsport-Schwestern, Motsi und Otlile »Oti« Mabuse, spielen in diesem Jahr beide bei den Bad Hersfelder Festspielen. Sie wirken im Drama »Hexenjagd« bei dem Freilichttheaterfestival mit und stehen erstmals beide auf der Theaterbühne. Otlile Mabuse übernimmt die Rolle Tituba im Juli, Motsi Mabuse übernimmt den Part dann im August, wie die Festspiele vor der anstehenden Wiederaufnahme bekannt gaben.

Das 2016 erstmals in Bad Hersfeld unter der Regie von Intendant Dieter Wedel aufgeführte Stück wird vom 21. Juli an wieder gezeigt. Otlile Mabuse, die Jüngere der beiden Schwestern sagte über die Zusammenarbeit mit Wedel: »Er holt aus mir Fähigkeiten heraus, die ich an mir nicht kannte.«

Die UNESCO hat gestern ihre Sitzung in Krakau beendet. Während der zehntägigen Beratungen in Südpolen nahmen die Welterbe-Experten 21 neue Stätten weltweit in die begehrte Liste auf, die Grenzen fünf weiterer Kultur- und Naturstätten wurden angepasst. Aus Deutschland kamen die sechs »Höhlen der ältesten Eiszeitkunst« in Baden-Württemberg hinzu. Außerdem wurde das Welterbe Bauhaus um Stätten in Dessau-Roßlau und Bernau erweitert. Ihre ersten Welterbe-Stätten feierten die afrikanischen Staaten Angola und Eritrea mit der Altstadt von M’banza Kongo und der modernistischen Stadt Asmara. Für Kontroverse sorgte die von Israel scharf kritisierte Aufnahme der Altstadt Hebrons auf Antrag der Palästinenser.

Die UNESCO debattierte auch über Welterbe-Stätten in Gefahr, darunter alle sechs Stätten in Syrien wie etwa Aleppo, Damaskus und die Wüstenstadt Palmyra. Entwarnung gab es nach erfolgreichen Schutzmaßnahmen hingegen für den Nationalpark Comoé in der Elfenbeinküste und den Simien Nationalpark in Äthiopien – sie kamen von der Liste wieder runter.



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