03. Mai 2018, 18:25 Uhr

Neue Versionen vertrauter Geschichten

03. Mai 2018, 18:25 Uhr
Avatar_neutral
Von DPA
Leitet das Berliner Theatertreffen: Daniel Richter. (Foto: dpa)

Bekannte Schauspieler wie Sophie Rois, Nina Hoss, Joachim Meyerhoff, Nicola Mastroberardino und Martin Wuttke treten ab heute beim 55. Theatertreffen deutschsprachiger Bühnen auf. Für das Berliner Festival wählte eine Kritiker-Jury die zehn »bemerkenswertesten« Inszenierungen der Saison aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aus. Die 18 000 Tickets für die Aufführungen sowie weitere Theatertreffen-Veranstaltungen sind fast restlos ausverkauft, wie die Berliner Festspiele mitteilten.

»Die Auswahl des diesjährigen Theatertreffens steht für ein sehr lebendiges, spielerisch kraftvolles Stadttheater«, sagte der Leiter Daniel Richter (42) im Interview. »Die Inszenierungen rütteln an unserem mitteleuropäischen Selbstverständnis, das weiß, männlich und privilegiert ist«, so Richter. »Auffällig ist, dass alle Inszenierungen sehr vertraute Geschichten in neuen Versionen erzählen. Geschichten, die vor dem Hintergrund anderer Perspektiven und Erfahrungen umgeschrieben werden.«

Gezeigt werden bis zum 21. Mai Regiearbeiten unter anderem von Frank Castorf, Ulrich Rasche, Karin Henkel, Falk Richter und Thomas Ostermeier. Zum Auftakt steht heute Abend Castorfs letzte große Volksbühnen-Inszenierung auf dem Programm. Der frühere Intendant zeigt seine rund siebenstündige Version von Goethes »Faust«. Auf der Bühne werden Martin Wuttke als Faust, Marc Hosemann als Mephistopheles und Sophie Rois als Hexe stehen.

Gleich drei in Berlin arbeitende Regisseure und Teams wurden mit ihren Inszenierungen zum Theatertreffen eingeladen. Neben Castorf ist auch Thomas Ostermeier, Künstlerischer Leiter der Berliner Schaubühne, dabei. Er zeigt »Rückkehr nach Reims« nach dem Roman von Didier Eribon mit Nina Hoss in der Hauptrolle. Aus Termingründen nicht gezeigt werden kann das Mammutprojekt »Nationaltheater Reinickendorf« von Vegard Vinge und Ida Müller, das im vergangenen Sommer in der Hauptstadt Premiere hatte.

Zwei Theatertreffen-Einladungen ergatterten die Münchner Kammerspiele. Regisseurin Anta Helena Recke zeigt eine Neuinszenierung von Anna-Sophie Mahlers Roman-Adaption »Mittelreich«. Ihr Regiekollege Christopher Rüping hat Brechts Klassiker »Trommeln in der Nacht« neu aufgearbeitet.

Preis für Karin Henkel

Zwei Schweizer Bühnen sind dieses Mal beim Theatertreffen dabei. Zu sehen ist Ulrich Rasches Büchner-Schauspiel »Woyzeck« vom Theater Basel. Nicola Mastroberardino spielt in der spektakulären Inszenierung den Franz Woyzeck, Franziska Hackl die Marie. Karin Henkel, die am Samstag auch mit dem Theaterpreis Berlin geehrt wird, kommt mit ihrem am Schauspielhaus Zürich entstandenen, mythologischen Drama »Beute Frauen Krieg« – in einer Fassung unter Verwendung von »Die Troerinnen« von John von Düffel nach Euripides und »Iphigenie in Aulis« von Soeren Voima nach Euripides.

Das Burgtheater Wien schickt die Bühnenversion von Thomas Melles Roman »Die Welt im Rücken« nach Berlin. In der Regie von Jan Bosse spielt Joachim Meyerhoff den manisch-depressiven Patienten. Aus Hamburg kommen Falk Richters Jelinek-Inszenierung »Am Königsweg« (Deutsches Schauspielhaus) und Antú Romero Nunes’ »Die Odyssee« nach Homer (Thalia Theater). Das Theatertreffen endet am 21. Mai mit der Vergabe des Alfred-Kerr-Darstellerpreises.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos