02. Mai 2017, 20:17 Uhr

Musikalisches Tripel mit Humor

Drei Opern an einem Abend. Muss das sein? Es muss sein. Zumal es um kleine, feine Einakter geht. Die skurrilen Werke von Ernst Krenek lassen sich gut miteinander verzahnen. In Frankfurt entsteht eine vielschichtige Trilogie.
02. Mai 2017, 20:17 Uhr
Ja, er denkt auch mit dem Bizeps: Der Schwergewichtsboxer (Simon Bailey) zeigt seine Muskeln. (Foto: Aumüller)

Sitzfleisch ist nicht vonnöten. Obwohl das Programmheft gleich drei Opern ankündigt, sind die Stücke kurz und humoristisch. Sie bereiten Spaß. Nicht zuletzt, weil sich ein Bogen spannen lässt dank des Shakespeare’schen Narren, der die Trilogie einläutet und beschließt. Es geht Ernst Krenek in seinen drei Werken um Menschen, Macht und Eifersucht, um Dreiecksbeziehungen, um Liebe, Freiheit und Begehren, um Ernstes und Absurdes.

Der Komponist und Librettist vermählt in seinen Einaktern »Der Diktator«, »Schwergewicht oder Die Ehre der Nation« und »Das geheime Königreich« althergebrachte Stile mit neuen Klängen. Nach seinem Erfolg mit der Oper »Jonny spielt auf« beschert ihm das nach der Uraufführung 1928 in Wiesbaden weitere Anerkennung. Mit dem musikalischen Tripel zeigt Regisseur David Hermann nun an der Frankfurter Oper in seiner Neuinszenierung, dass Krenek bis heute Interesse weckt.

Gleichwohl sind die Opern als Ganzes schwer zu fassen. Sie bleiben musikalisch in der Schwebe. Der Tonsetzer verehrt und benutzt, was ihm gefällt, bricht das Sujet dann aber mit Ironie auf, ohne sich festzulegen. Nach Zitaten aus dem Fundus anerkannter Musikgrößen wartet ein Schuss Expressionismus aufs Publikum. Statt Tiefgang setzt Krenek auf Schiefgang, musikalisch wie inhaltlich, was ein wenig an Dadaismus erinnert und doch die hohe Kunst der alten Schule verkörpert.

Jo Schramm hat dafür drei Bühnenbilder geschaffen. Er zeigt im »Diktator« eine weite Fläche als Gebirge und ein karg möbliertes Hotelzimmer als Zentrum der Urlaubsmacht. Der Diktator begehrt Maria, deren Mann im Krieg sein Augenlicht verlor. Sie will ihn rächen und erschießt den Despoten gleich dreimal. Doch der irre Machthaber lebt einfach weiter. Als wäre das nicht schon grotesk genug, verliebt Maria sich in ihn. Empört von seinen Liebschaften, will die eifersüchtige Ehefrau Charlotte ihrerseits den Diktator töten, erschießt aber Maria.

Für das »Schwergewicht« kreiert Schramm eine Turnapparatur und setzt das burleske Verhalten eines Boxers und seines Gefolges auf eine Bühnenschräge. Dass ein Mitstreiter in dieser satirischen Operette ein Techtelmechtel mit der Gattin des Boxers unterhält, bringt den Schläger auf die Palme. Er jagt alles in die Luft. Im »Geheimen Königreich«, einer Märchenoper, streiten die Frau des gealterten Königs und ein Rebell um die Krone. Im Zauberwald, den Schramm wie ein überdimensionales Terrarium im Zoo zeichnet, verwandelt sich die Königin in einen Baum, der König findet mit ihrer Hilfe und der des Narren zurück zur Natur.

Regisseur Hermann haucht seinen Protagonisten spannungsreiches Leben ein. Dank der Kürze der Handlungsstränge kommt keine Langeweile auf, die Charaktere erhalten Kontur. Die Kostüme von Katharina Tasch kolorieren das Ganze passgenau – die drei Ehefrauen etwa tragen jeweils die gleiche blonde Perücke.

Langer Applaus

Dirigent Lothar Zagrosek arbeitet im Graben mit dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester die einzelnen Stile sauber heraus, die vom italienischen Verismo eines Puccini über Modetänze der 20er Jahre bis zu expressiven Linien mit einem Schuss Atonalität reichen. Das Orchester meistert die zahllosen Übergänge ohne Spannungsverluste, liefert klangvolle Bilder zu den eindringlichen Szenen auf der Bühne. Die junge Koloratursopranistin Ambur Braid (Königin) fasziniert im »Geheimen Königreich« mit ihren tänzerischen Klangkaskaden. Juanita Lascarro (Charlotte) und Sara Jakubiak (Maria) halten das Publikum im »Diktator« bei Laune. Simon Bailey ist die Titelrolle im »Schwergewicht« auf den Leib geschrieben. Sebastian Geyer glänzt als Narr. Peter Marsh (Rebell) hat Potenzial. Davide Damiani (Diktator und König) zeigt sich solide. Langer Applaus vom nicht ausverkauften Haus.

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