29. Mai 2017, 20:21 Uhr

Monumental und blutrot

Die tiefrote Farbe steht für das Blut Christi, aber auch für harte Glaubenskriege. Die Handschrift steht für die Bedeutung des Wortes: Das Luther-Porträt des Künstlers Michael Apitz steckt voller Symbolik. Auf 95 Holztafeln.
29. Mai 2017, 20:21 Uhr

Das Gemälde »Luther95« ist so groß, dass immer nur ein Drittel davon ins Atelier passt. Wenn es fertig ist, dann wird es vier Meter hoch und mehr als dreineinhalb Meter breit sein – und den Reformator auf einem Umfang von 1517 Zentimetern zeigen. Eine Zahl mit Historie: Der Künstler Michael Apitz nimmt damit Bezug auf das Jahr, in dem Martin Luther (1483-1546) der Überlieferung nach mit seinen Thesen zu Wittenberg den Ablasshandel anprangerte. Und auch die Zahl der Thesen spiegelt sich im Kunstwerk wider – das monumentale Bild besteht aus 95 Holztafeln.

Apitz bearbeitet die Tafeln mit Acryl-Wischtechnik jeweils in kleinen Gruppen zusammen, damit die Übergänge passen. Die übrigen Teile, jeweils rund 39 mal 39 Zentimeter groß, sind in der ehemaligen Scheune gestapelt, lehnen an der Wand oder liegen auf einem Tisch ausgebreitet. Der 51-jährige Maler und Grafiker lebt im kleinen Taunus ort Hausen vor der Höhe in Hessen.

Wie kam Apitz zu dem religiösen Motiv? »Ich bin ein evangelischer Christ, Luther ist ein Thema für mich«, sagt Apitz. »Klar war, dass ich nicht einfach nur ein Bild malen wollte, sondern das hat bei mir gerne eine doppelte und dreifache Bedeutung.«

Im Mittelpunkt des Kunstwerks steht der Reformator Luther selbst, die Gesichtszüge orientieren sich vor allem an Darstellungen aus dem Atelier des Malers Lucas Cranach. Luther pocht mit einer Hand auf die Bibel. »Es ist die Pose eines Widerständlers«, erklärt Apitz. »Trotzig stellt er sich gegen die vorherrschende Meinung und folgt allein seinem Glauben aus den Worten der Bibel heraus.«

Die linke Hälfte des Bildes ist eher hell, die rechte Hälfte in tiefrote Farbe getaucht. »Das hat den Hintergrund, dass ich Luther als gespaltene Persönlichkeit sehe«, sagt Apitz. »Auf der einen Seite ein Mensch, der viel Positives angestoßen hat. Auf der anderen Seite jemand, der Abgründe hatte.« Die rote Farbe stehe sowohl für die blutigen Auseinandersetzungen, die Luther auslöste, aber auch für das Blut Christi. Im Hintergrund hat Apitz eine Originalhandschrift des Reformators eingearbeitet. Diese Psalmen auf Latein stehen für die Kraft des Wortes.

Der Künstler ist unter anderem mit Comiczeichnungen bekannt geworden – etwa mit den historischen Wein-Abenteuern von »Karl, dem Spätlesereiter«. Für die Stadionzeitung des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt gestaltet Apitz seit rund zehn Jahren ein Comic.

Sein Hauptwerk liegt inzwischen bei der moderne Malerei, unter anderem von Flusslandschaften oder Weinbergslagen. Dazu zählt das 3,50 mal neun Meter große Welterbe-Wein-Triptychon von 2006, das unter anderem in Berlin, am Germania-Denkmal oberhalb von Rüdesheim und im Kloster Eberbach ausgestellt wurde.

Das »Luther95«-Kunstwerk soll am 25. Juni in Wiesbaden erstmals präsentiert werden. Es folgen Stationen unter anderem in der Wormser Dreifaltigkeitskirche (September) und in der Paulskirche in Frankfurt (Oktober).

Der Augustinermönch und Theologieprofessor Luther soll am 31. Oktober vor 500 Jahren seine Thesen veröffentlicht haben. Er verurteilte damit den Ablasshandel der katholischen Kirche, um sich von Sünden freikaufen zu können. Dies war der Ausgangspunkt der Reformation, die schließlich in eine Spaltung der Kirche mündete.

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