07. Juli 2017, 18:48 Uhr

Mit Herz und Botschaft

07. Juli 2017, 18:48 Uhr
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Von DPA
Pharell Williams (oben links) holt für »Freedom« das Publikum auf die Bühne. Herbert Grönemeyer singt mit Chris Martin von Coldplay (unten links). Andreas Bourani (unten Mitte) zündet seine Hymne »Auf uns« und Shakira gibt Herz und Seele beim Global-Citizen-Festival in Hamburg. (Fotos: dpa)

Protest geht auch friedlich – und mit Pop: Während es am Vorabend des G20-Gipfels in Hamburg zu heftigen Krawallen kommt, verschaffen sich andere zeitgleich bei einer imposanten Show ganz friedlich Gehör. Internationale und nationale Musikstars zeigen beim Global-Citizen-Festival, dass es auch anders geht. Erstmals trägt die Bewegung Global Citizen (Weltbürger) ihre seit 2012 in New York stattfindende Show in Deutschland aus. Das Ziel: Vor dem Treffen der Staats- und Regierungschefs in der Hansestadt ein Zeichen zu setzen und Politiker in die Pflicht zu nehmen. Mit ihren Fans – laut Veranstaltern mehr als 11 000 Zuschauer – feiern sie eine große Charityparty.

Die Stars traten ohne Gage auf und geizten auch sonst nicht. Ob die britische Band Coldplay – deren Frontmann Chris Martin ist Schirmherr des Festivals und trommelte gemeinsam mit Global-Citizen-Gründer Hugh Evans die Prominenz zusammen – oder die Musiker Shakira, Ellie Goulding, Pharrell Williams, Andreas Bourani und nicht zuletzt Herbert Grönemeyer: Sie alle nahmen sich Zeit für die Fans und dankten ihnen für deren Engagement. Denn: 80 Prozent der Tickets gab es gratis für Aktivisten. Gewinnen konnten diejenigen, die sich an den diversen Aktionen der Bewegung beteiligten – von Aufrufen via Twitter an Politiker bis hin zu Anrufaktionen in Botschaften.

Nicht nur Künstler machten mit. Den ersten »Popstar« des Abends stellte die Politik: Kanadas Ministerpräsident Justin Trudeau kam gleich zu Beginn mit Ehefrau Sophie Grégoire auf die Bühne, tauchte später wieder auf und begeisterte die Massen. Mit weniger Applaus musste sich die weitere Politprominenz wie Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) begnügen. Der hatte immerhin noch schnell an seinem Outfit gefeilt, weil er sonst sein erstes Pop-Konzert mit Krawatte erlebt hätte, und fand die Show »schon ’ne geile Nummer«. Andere schickten Videobotschaften, darunter SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Weltbank-Präsident Jim Yong Kim begrüßte das Publikum im hohen Norden mit »Moin«.

Die Show startete mit einem umjubelten Auftritt von Coldplay. Die Halle tobte, als Chris Martin bestens gelaunt, im Konfettiregen tanzend und bald ordentlich schwitzend, Hits wie »Paradise«, »Viva La Vida« und »Fix You« lieferte. Nach dem fröhlich-bunten Spektakel wurde es ausgerechnet dann ruhiger, als Wirbelwind Shakira die Bühne betrat und im gefühlvollen Duett mit Martin Coldplays »Yellow« anstimmte. Grinsend forderte die kolumbianische Sängerin den Briten, an dessen Hüfte inzwischen eine Deutschlandflagge baumelte, auf Spanisch heraus – zumindest für ein Lied. Ein Traumpaar blieben die beiden noch für einige weitere Titel.

Entertainerin Barbara Schöneberger führte durch das im ARD-Programm One, im Radio und Internet live übertragene Konzert und hatte als Co-Moderatoren mal die Schauspieler Elyas M’Barek und Florian David Fitz, mal »Tagesschau«-Sprecherin Linda Zervakis an der Seite. Die Musik kam nicht zu kurz – und ihre Stars lieferten, worauf die Fans warteten.

Andreas Bourani brachte mit »Auf uns« die Halle zum Toben und mahnte das Publikum: »Danke, dass ihr da seid und die Stimme erhebt! Macht weiter!« Ellie Goulding ließ sich für Lieder wie »Love Me Like You Do« feiern. Auch der Klassik-Part mit der georgischen Pianistin Khatia Buniatishvili erntete Jubel. Pharrell Williams und die Zuschauer tanzten zu »Happy«, ESC-Gewinnerin Lena Meyer-Landrut forderte zum Mitsingen auf. Der letzte Teil war für Grönemeyer reserviert, der sich mal Bourani und mal Martin als Duettpartner holte.

Mit einem starken Statement setzte Grönemeyer den Schlusspunkt der viereinhalbstündigen Show, als er auf die »furchtbare Hungersnot« im Südsudan, in Somalia, Nigeria und Jemen verwies: »Frau Merkel, Sie als Gastgeberin, schicken Sie keinen nach Hause, bevor der Topf gefüllt ist. Es fehlen 3,5 Milliarden.« Ein für die Veranstalter erfreuliches Ergebnis verkündete Global-Citizen-Gründer Evans. 638 Millionen Euro seien durch die aktuelle Kampagne zugesagt worden: »Gemeinsam machen wir unseren Planeten wieder stark.«



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