29. Oktober 2017, 22:08 Uhr

Meister der spielerischen Sprachfreude

29. Oktober 2017, 22:08 Uhr
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Von DPA
Wagner

Der Lyriker Jan Wagner hat den renommierten Georg-Büchner-Preis verliehen bekommen. Dem 46-Jährigen wurde die mit 50 000 Euro dotierte Auszeichnung am Samstag in Darmstadt überreicht. Die Gedichte des in Berlin lebenden Autors »vereinen spielerische Sprachfreude und meisterhafte Formbeherrschung«, begründete die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung bei ihrer Feier im Staatstheater. Der Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland. Er wurde zum 66. Mal vergeben. Im vergangenen Jahr erhielt der Lyriker und Romancier Marcel Beyer die Auszeichnung. Zur langen Reihe der Geehrten zählen bekannte Autoren wie Erich Kästner (1957), Günter Grass (1965) und Heinrich Böll (1967).

Das Werk Wagners umfasst laut Akademie Gedichtbände, Essays und Kritiken, Anthologien und Übersetzungen zeitgenössischer englischsprachiger Lyrik. Seine Gedichte seien in rund 30 Sprachen übersetzt worden. Er erhielt schon zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem 2015 den Preis der Leipziger Buchmesse in der Sparte Belletristik für seinen Gedichtband »Regentonnenvariationen« (2014). Im vergangenen Jahr erschien »Selbstporträt mit Bienenschwarm. Ausgewählte Gedichte 2001-2015«.

»Entstanden im Dialog mit großen lyrischen Traditionen« seien seine Gedichte »doch ganz und gar gegenwärtig«, hieß es zur Verleihung weiter. »In neugierigen, sensiblen Erkundungen des Kleinen und Einzelnen, mit einer wachen Aufmerksamkeit für die Phänomene des Lebens- wie der Zeitgeschichte schärft seine poetische Sprachkunst unser Denken und unsere Wahrnehmung der Welt.«

Jan Wagner beschrieb seine Arbeit: »Ich mache Verse aus der Überzeugung heraus, dass noch das Geringste zum Gedicht werden kann und, hat man Auge und Ohr, ein Gedicht die komplexesten Dinge in sich birgt.« Ein gelungenes Gedicht lade »unwiderstehlich dazu ein, die Welt neu zu sehen und damit neu zu denken«. Sein Laudator, der schwedische Schriftsteller Aris Fioretos, meinte: »Wagners Bilder, die immer überraschen und dennoch selbstverständlich wirken, verweilen nach der Lektüre wie eine Nachglut.«

Der Namensgeber der Auszeichnung, Georg Büchner, war deutscher Revolutionär und Dramatiker (»Dantons Tod«, »Woyzeck«). Der wegweisende Autor des 19. Jahrhunderts starb mit nur 23 Jahren am 19. Februar 1837 im Exil in Zürich an Typhus.

Neben dem Büchner-Preis wurden noch zwei andere Auszeichnungen verliehen, jeweils mit 20 000 Euro dotiert. Den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa erhielt die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger (62), Professorin an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Zu ihren Veröffentlichungen zählen »Des Kaisers alte Kleider. Verfassungsgeschichte und Symbolsprache des Alten Reiches« (2008/2013) sowie »Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit. Eine Biographie« (2017).

Mit dem Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay wurde Jens Bisky ausgezeichnet. Der 51-Jährige ist Feuilletonredakteur der »Süddeutschen Zeitung«. Zu seinen Buchveröffentlichungen zählen »Kleist. Eine Biographie« (2007) sowie »Unser König: Friedrich der Große und seine Zeit – ein Lesebuch« (2011).



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