12. Februar 2017, 22:09 Uhr

Liverpool gratuliert

12. Februar 2017, 22:09 Uhr
Niklas Maienschein und Helena Finatzer in einer vorab gedrehten eingespielten Filmszene. (Foto: Papageno Musiktheater)

Zum 20. Geburtstag erfüllten sich am Samstag das Papageno Musiktheater am Palmengarten, das 1997 als Kindertheater mit der »Zauberflöte« begonnen hatte, und sein Leiter Hans-Dieter Maienschein sich selbst den unbescheidenen Wunsch, das »Liverpool Oratorio« von Paul McCartney auf die Bühne zu bringe – im Großen Saal der Alten Oper.

Intendant Dr. Stephan Pauly gratulierte vor fast ausverkauften Plätzen dem Ehepaar Maienschein und übergab dann das Mikro an Jonathan Power, einen früheren Auslandskorrespondenten und vor allem Schulkameraden und Freund von Sir Paul. Er verlas eine Email von Paul (er freue sich, dass Liverpool nach Frankfurt kommt) und erzählte augenzwinkernd von Pauls erfolglosem Versuch, in den Liverpool Cathedral Choir aufgenommen zu werden.

Dort fand 1991 zum 150. Jubiläum des Royal Liverpool Philharmonic Orchestra die Premiere des »Liverpool Oratorio« statt. Es war der erste Ausflug des Ex-Beatles in die Welt der Klassik, und er musste trotz der Mitwirkung von Stars wie Kiri Te Kanawa oder Sally Burgess viel Spott und Häme für sein autobiografisch gefärbtes Werk einstecken. In der Tat sind die Texte hier und da am Rande des Peinlichen, wenn etwa in Teil 7 »Krisen« der Vorwurf Shantys (Pauls Alter Ego) an seine Frau Mary Dee, sie habe ihm kein Abendessen gekocht, bis zum Abwinken wiederholt wird oder im finalen »Frieden«-Teil die Lösung quasi vom Himmel fällt: »Alle leben zusammen in Frieden«. Das ist von geradezu John Lennon-artiger Naivität und damit schon wieder liebenswert. Abgesehen davon erreichen die Libretti vieler klassischer Opern weit höhere Werte auf der Skala des Hanebüchenen. 200 Mitwirkende füllen die Bühne, darunter die Frankfurter Kantorei und das Orchester Camerata Frankfurt (Ltg. Winfried Toll) sowie die Limburger Domsingknaben (Ltg. Andreas Bollendorf). Streicher, wohin das Auge blickt, Harfe, etliche Perkussion und ein Spieltisch für die große Orgel: All dies sorgt vom gedämpften Beginn (Shantys Geburt im Krieg) bis zum feierlichen Ende für einen angenehmen, nie dissonanten Orchesterklang ohne zu viel Süße – ein Vorwurf, der auf etlichen Pop von Paul ja zutrifft. Szenenwechsel werden durch instrumentale Zwischenspiele überbrückt, gelegentlich treten Instrumente in den Vordergrund, etwa die Trompete in dem bewegenden Teil »Vater« – eine Anspielung darauf, dass Pauls Vater im Alter das Trompetenspiel wegen ausfallender Zähne aufgeben musste.

Filmsequenzen eingespielt

Die Handlung wird von den Solisten Hans-Christoph Begemann (Bariton), Gail Gilmore (Mezzosopran), Daniela Haase (Sopran) und Stefan Vinke (Tenor) getragen. Vor allem die für Anna-Maria Kaufmann kurzfristig eingesprungene Haase und der auch aus Bayreuth bekannte Stefan Vinke überzeugen durchweg, vor allem in den Duetten. Allenfalls die eingespielten Filmsequenzen wirken in ihrer kammerspielartigen Machart etwas unpassend, zur Spanischstunde flitzen weiterhin Mathematiksymbole über die Leinwand, zur Hochzeit gibt es schwarzweißes Prilblumen-Dekor. Vielleicht wären deutsche Übertitel sinnvoller gewesen, andererseits will ein Theater natürlich nicht auf eine szenische Umsetzung verzichten, um dem Publikum den Gang der Handlung deutlich zu machen.

Nicht zuletzt dem sehr homogen und sauber intonierenden Orchester ist es zu verdanken, dass der Jubiläumsabend mit verdient herzlichem Applaus endete. Axel Cordes

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