30. September 2016, 12:00 Uhr

Kulturpreis für Frankfurter Museum Judengasse Alfred Brendel erhält Echo fürs Lebenswerk Regisseur Fritsch wechselt zur Schaubühne Deutschland will Mann-Villa kaufen Rotstift Warten auf die große Sanierung Kopf voller Ideen Hessische Wurzeln

(dpa/lhe). Das Frankfurter Museum Judengasse erhält den Museumspreis 2016 der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Das neue Ausstellungskonzept habe einen besonderen Bezug zur Stadtgeschichte entwickelt und ermögliche damit einen eigenständigen Blick, begründete die Jury gestern die Auszeichnung. Der Preis mit 25 000 Euro verbunden und wird alle zwei Jahre vergeben. Das Museum Judengasse wurde mit völlig neuem Konzept im März dieses Jahres wiedereröffnet. Inmitten von Ruinen des ersten jüdischen Ghettos in Europa bringt die Dauerausstellung Objekte zum Sprechen, die einst vor Ort gefertigt oder genutzt wurden.
30. September 2016, 12:00 Uhr
In die Jahre gekommen: das Stuttgarter Opernhaus. (Foto: dpa)
(dpa/lhe). Das Frankfurter Museum Judengasse erhält den Museumspreis 2016 der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Das neue Ausstellungskonzept habe einen besonderen Bezug zur Stadtgeschichte entwickelt und ermögliche damit einen eigenständigen Blick, begründete die Jury gestern die Auszeichnung. Der Preis mit 25 000 Euro verbunden und wird alle zwei Jahre vergeben. Das Museum Judengasse wurde mit völlig neuem Konzept im März dieses Jahres wiedereröffnet. Inmitten von Ruinen des ersten jüdischen Ghettos in Europa bringt die Dauerausstellung Objekte zum Sprechen, die einst vor Ort gefertigt oder genutzt wurden. (dpa). Der österreichische Pianist Alfred Brendel (85) wird für sein Lebenswerk mit dem Echo-Klassik geehrt. »Seine Interpretationen des klassisch-romantischen Repertoires gelten seit den 1950er Jahren als stilprägend und haben zahlreiche jüngere Künstler nachhaltig beeinflusst«, teilten die Veranstalter gestern mit. Brendel war der erste Pianist, der Beethovens gesamtes Klavierwerk aufnahm. Die Preisgala findet am 9. Oktober in Berlin statt. Das ZDF überträgt die Verleihung mit Moderator Thomas Gottschalk ab 22 Uhr. (dpa). Herbert Fritsch (65) wird künftig regelmäßig an der Berliner Schaubühne inszenieren. Fritsch komme ab der Spielzeit 2017/18 an das Theater, teilte die Schaubühne gestern mit. Fritsch hatte angekündigt, dass er mit dem Ende der Ära Frank Castorf im Sommer 2017 die Berliner Volksbühne verlassen werde. An der Volksbühne brachte Fritsch zahlreiche seine gefeierten Arbeiten auf die Bühne, darunter »Murmel Murmel«, »Die (s)panische Fliege« und »der die mann«. (dpa). Deutschland will nun doch die vom Abriss bedrohte Thomas-Mann-Villa in Kalifornien kaufen. Das kündigte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) gestern im Bundestag an. Das geschichtsträchtige Haus steht für umgerechnet gut 13 Millionen Euro zum Verkauf und soll künftig voraussichtlich als Residenz für begabte Nachwuchskünstler genutzt werden.
»Ich danke allen, die mitgeholfen haben, dass wir hoffentlich die drohende private Veräußerung verhindern konnten«, sagte Steinmeier. Der CSU-Abgeordnete Bernd Fabritius, Vorsitzender im zuständigen Unterausschuss für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik, erklärte, Deutschland sei nach dem amerikanischen Bieterverfahren inzwischen »first in line«. »Das heißt, wir stehen unter den Kaufinteressenten an erster Stelle, jetzt werden die Details ausgehandelt«, sagte er. Die Familie Mann hatte nach der Emigration aus Nazi-Deutschland von 1942 an zehn Jahre in dem Haus in Pacific Palisades am Westrand von Los Angeles gelebt. Thomas Mann schrieb hier Werke wie »Joseph, der Ernährer«, »Doktor Faustus« und »Der Erwählte«. Jeder Mensch lügt mindestens zweihundertmal am Tag. Ungelogen. Bei geschätzten viereinhalb Milliarden Menschen macht das 900 Milliarden Lügen pro Tag. Die Nächte nicht mitgezählt. Bei einer Lüge werden unglaubliche zweihundert Paracelsusjoule zum Quadrat an Energie freigesetzt. Das erklärt die Erd- erwärmung. Als sie noch jung waren, logen schon die alten Griechen, bis sich die Balken bogen. Aus den gebogenen Balken bauten die Griechen Boote und fuhren um die Welt. Da es überall Balken gab und talentierte Griechen, die den Anrainern die Jacke volllogen, schipperten alsbald alle Völker kreuz und quer übers Meer. Die Querfahrtschiffe waren dabei den Kreuzfahrtschiffen unterlegen. Noch heute sind Kreuzfahrtschiffe ein Paradies für Lügner. Als Erfinder der Lüge gelten nach neusten Erkenntnissen die Pygmäen – Forscher haben herausgefunden, dass Lügen kurze Beine haben. Und noch eine Erkenntnis lässt die Experten nicht ruhen: Vor fünf Millionen Jahren wurde im Zweistromland die Steckdose erfunden. Da es noch keine Computer gab, blieb der Strom lange Zeit ungenutzt. Sonst hätte sich vielleicht die Wahrheit durchgesetzt. Manfred Merz (dpa). Große Namen, mutige Inszenierungen und politisches Engagement – damit hat sich die Staatsoper Stuttgart nach einem Jahrzehnt erstmals wieder die Auszeichnung »Opernhaus des Jahres« gesichert. Der nunmehr sechste Titel kommt für das von dem Schweizer Regisseur und Intendanten Jossi Wieler geführte Haus im richtigen Moment. Das mehr als 100 Jahre alte Operngebäude direkt im Herzen der Schwabenmetropole ist in die Jahre gekommen. Es zeigt an einigen Stellen tiefe Risse. Vor allem aber soll der markante Musentempel im Schlossgarten am Eckensee im Zuge einer geplanten Generalsanierung vergrößert werden. Der Titel »Opernhaus des Jahres« dürfte da die Politik ermutigen, rasch und tief in das Geldsäckel zu greifen.
Die Oper glänzte zuletzt mit Inszenierungen prominenter Regisseure wie Christoph Marthaler (»Hoffmanns Erzählungen«), Calixto Bieito (»The Fairy Queen«) und Kirill Serebrennikow, der eine blutrünstige »Salome« mit Anklängen an den islamistischen Terror auf die Bühne brachte. Auch Wieler punktete mit der Neuinszenierung der Oper »Die Puritaner«. Aber in puncto Infrastruktur macht die Oper ihrem Ruhm kaum Ehre.
Mehr als 340 Millionen Euro soll es kosten, das denkmalgeschützte Gebäude zu erneuern und zu erweitern. Bisher beschlossen ist der Bau eines neuen Kulissengebäudes. Arbeiter sollen außerdem die rechte Fassade in Richtung Landtag verschieben, damit dann im Innern mehr Platz für eine größere Bühne entsteht.
Das Kernproblem aber ist weiter ungelöst. Es geht um eine Interimsspielstätte, die nach wie vor nicht in Sicht ist. Dabei ist immerhin eine bisher auf sieben Jahre angesetzte Sanierungszeit zu überbrücken. Bei seiner nächsten Sitzung im November will der Verwaltungsrat weitere Weichen stellen.
Opernchef Wieler (65) will das Projekt noch vor Ende seiner Intendanz 2018 auf den Weg bringen. Dann übernimmt Viktor Schoner, bisher künstlerischer Betriebsdirektor der Bayerischen Staatsoper München, als Intendant die Geschicke des historischen Umbaus. Mit mehr als 1300 Mitarbeitern in Oper, Ballett und Schauspiel bilden die Württembergischen Staatstheater das größte Dreispartenhaus weltweit.
Für Wieler, der mit seinem Dramaturgen Sergio Morabito hier seit Langem Opernerfolge feiert, ist der von 50 Kritikern aus Europa und den USA in einer Umfrage der Zeitschrift »Opernwelt« verliehene Titel ein ersehnter Erfolg. Unter der 15-jährigen Intendanz des gelobten »Dramaturgen-Superhirns« Klaus Zehelein holten die Stuttgarter fünfmal den begehrten Titel – zuletzt 2006.
Eine Aktie daran hatte auch Wieler mit seinen Inszenierungen. Der Regisseur nähert sich den Werken stets mit einigem Respekt – anders als viele seiner als Stückezerstörer bekannten Kollegen. Aber Wieler agiert immer wieder auch über die Grenzen der Bühne hinaus – nicht nur mit Gratisopernvergnügen im Internet für ein Massenpublikum über The Opera Plattform. Er hatte sich zuletzt auch mehrfach in die aktuelle politische Debatte eingeschaltet.
Bei der Eröffnungsmatinee am vergangenen Sonntag mit Ausblick auf die neue Spielzeit zeigte sich der Opernchef einmal mehr besorgt über die wachsende Fremdenfeindlichkeit in der Flüchtlingsdebatte. Und er erinnerte daran, dass die Württembergischen Staatstheater mit Mitarbeitern aus 80 Nationen Vielfalt vorlebten. Mit der Aktion gegen Anhänger der konservativen »Demo für alle« unterstützte die Oper dabei auch die Gleichstellung von Homo- und Heterosexuellen in der Bildungspolitik des Grünen-Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann.
Nicht nur Kretschmann gilt als guter Gast der Staatsoper Stuttgart, die ihre erste Premiere am 30. Oktober mit einer Neuinszenierung von Frank Castorf feiert: »Faust« von Charles Guonod. Vor allem hat sich die für Kultur im Ländle zuständige Ministerin Theresia Bauer (Grüne) mehrfach bekannt zu dem Jahrhundert-Umbau der Oper: »Es ist klar, dass eine Oper von solchem Rang deutlich besser ausgestattet sein muss. Die Qualität für künstlerische Spielräume muss spürbar steigen«, hatte Bauer betont.

Kosky ist »Regisseur des Jahres«

Zur »Aufführung des Jahres« kürten die Kritiker der »Opernwelt« Karlheinz Stockhausens »Donnerstag aus Licht« am Theater Basel. Die erste Neuproduktion des Werks seit drei Jahrzehnten unter der musikalischen Leitung von Titus Engel und in der Regie von Lydia Steier habe den Gedankenkosmos des Werks überzeugend mit Motiven aus der Nachkriegsgeschichte und der Lebenswelt Stockhausens verknüpft.
»Regisseur des Jahres« ist Barrie Kosky – allerdings nicht für eine Inszenierung an der Komischen Oper Berlin, wo er Intendant ist, sondern für seinen Zürcher »Macbeth«. Wesentlich zum Erfolg habe der für seine zuweilen extremen musikalischen Interpretationen gefeierte Teodor Currentzis beigetragen, der damit »Dirigent des Jahres« wurde. (dpa). Von der »Bestbesetzung« spricht die Findungskommission des Museums: Der neue Chef des Städel, Philipp Demandt, kommt mit viel Vorschusslorbeeren von Berlin nach Frankfurt. Ab 1. Oktober wird er wie sein Vorgänger Max Hollein als Dreifach-Direktor neben dem Städel auch für die dazugehörende Skulpturensammlung im Liebieghaus sowie die Ausstellungshalle Schirn verantwortlich sein.
Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in Frankfurt gibt sich der eloquente Demandt, bisher Leiter der Alten Nationalgalerie in Berlin, erwartungsgemäß zurückhaltend. Der 45-Jährige verspricht Kontinuität. Er geizt nicht mit Lob für den nach San Francisco abgewanderten Hollein, der mit bundesweit viel beachteten Ausstellungen als Vater des Frankfurter Museumswunders gilt. Erste neue Akzente, die von Demandt auch verlangt werden, werden aber schon deutlich.
Ein Ziel: Er will die Balance zwischen großen und mittelgroßen Ausstellungen austarieren, wie er ankündigt. Wer will, kann daraus schon eine leise Kritik am bisherigen Konzept rauslesen. Der mit Banken und anderen Großsponsoren bestens vernetzte Hollein, auch ein gelernter Betriebswirt, hat mit Blockbuster-Events wie zu Botticelli oder Dürer für viel Wirbel gesorgt. Diese teuren Ausstellungen haben stets fast alle öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Thematisch innovativ waren sie aber nicht unbedingt.
An der Ausrichtung der drei Einrichtungen mit ihren rund 250 Mitarbeitern wird sich nichts ändern – das macht der promovierte Kunsthistoriker Demandt auch klar. Die Schirn soll weiterhin für ein eher jüngeres Publikum das »Haus der Entdeckungen« bleiben – wie mit der gerade zu Ende gegangenen großen Ausstellung zur Geschichte der US-Comics.
Dabei soll die Kunsthalle, die keine eigene Sammlung besitzt, weiter vom großen Städelbestand profitieren. Das Liebieghaus wiederum liegt Demandt besonders am Herzen, da er nicht nur Spezialist für das 19. Jahrhundert ist, sondern auch für Skulpturen. Im Städel hat er sich zum Ziel gesetzt, den gesamten Bestand auch online zugänglich zu machen. Das Museum hat bereits unter Hollein mit multimedialen Aufbereitungen anerkannte Pionierarbeit geleistet.
Generell gehört zu den Aufgaben eines großen Museums das Sammeln, Forschen, das Erhalten von Gemälden und die Vermittlung der Bestände über Ausstellungen. So sieht es auch Demandt, dessen Vater ein aus Marburg stammender Althistoriker ist. Wichtig ist es ihm dabei, dass Geschichten erzählt werden. »Unser Fach heißt nicht Kunst, sondern Kunstgeschichte«, sagt er. In Berlin hat Demandt mit originellen Ausstellungen wie etwa zum italienischen Tierbildhauer Rembrandt Bugatti – dem Bruder des gleichnamigen Autokonstrukteurs – oder zur Kunstwende vom Impressionismus zum Expressionismus auf sich aufmerksam gemacht. Zuletzt hat er eine Sonderschau zu Caspar David Friedrichs Meisterwerken (»Der Mönch ist zurück«) mitverantwortet.
In Frankfurt freut man sich nun, dass aus der deutschen Kulturhauptstadt Berlin ein namhafter Museumsmann abgeworben werden konnte. In den vergangenen Jahren lief es eher umgekehrt. Der frühere Leiter des Frankfurter Museums für Moderne Kunst (MMK), Udo Kittelmann, ist heute Direktor der Nationalgalerie in Berlin. »Gute Mitarbeiter lässt man immer sehr ungern ziehen«, sagte er zum Umzug Demandts.
Dieser – mit einem »Kopf voller Ideen« – muss sich aber gedulden. Die Ausstellungen für die kommenden zwei Jahre sind in den drei Frankfurter Häusern angesichts langer Vorlaufzeiten weitgehend disponiert. (dpa). Wenn der Kunsthistoriker Philipp Demandt am 1. Oktober von Berlin nach Frankfurt kommt, ist ihm die Region keineswegs unbekannt. Der künftige Städel-Direktor ist nicht nur wegen seiner Arbeit mit den Frankfurter Museen gut vertraut. Sein Vater – ein Althistoriker – stammt aus Marburg. Die Mutter kommt aus Kassel.
Der 45-Jährige ist in Konstanz geboren und hat an der FU Berlin unter anderem Kunstgeschichte studiert. In seiner Doktorarbeit hat er sich mit Porträts der preußischen Königin Luise (1776-1810) und dem »Luisenkult« beschäftigt. Luise stammte übrigens aus dem Hause Hessen-Darmstadt.
Demandt wollte eigentlich Journalist werden – und wäre es nach eigenen Worten beinahe auch in Frankfurt geworden. Doch dann wurde ihm 2004 ein Job als Dezernent bei der Kulturstiftung der Länder angeboten. 2012 wurde er Leiter der Alten Nationalgalerie in Berlin. “ Unser Fach heißt nicht Kunst, sondern Kunstgeschichte „


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