25. Juli 2017, 18:52 Uhr

Kommissarin und Komödiantin

25. Juli 2017, 18:52 Uhr
»Ich muss über mein Alter nicht reden«, sagt Hannelore Elsner. (Foto: dpa)

Schwarze Mähne, strahlendes Lachen und markante Stimme: Hannelore Elsner gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Schauspielerinnen in Deutschland. Ihr Geburtsdatum jedoch war lange nicht ganz klar: An ihrem 52. Geburtstag wurde sie »öffentlich als Fünfzigjährige gefeiert, mit großem Tamtam und Interviews«, schreibt sie in ihrer Autobiografie »Im Überschwang«. Heute nun wird die ausdrucksstarke und temperamentvolle Theater-, TV-, und Filmschauspielerin 75 Jahre alt. »Ich muss über mein Alter reden, seit ich 25 bin«, hält sie in ihrer Autobiografie fest. »Mir gefällt die buddhistische Idee, die sagt, bis 60 ist man jung, ab 60 wird man älter.«

An den Beruf der Schauspielerin habe sie als Schülerin nie gedacht, berichtet Elsner. Sie sei mit 16 in München bei einem Spaziergang mit ihrer Mutter entdeckt worden, von dem türkischen Regisseur Halit Refig. Nach Proben in Istanbul darf sie auf die Schauspielschule, muss dafür aber kleinere Rollen in Filmen mit Stars wie Hans-Joachim Kulenkampff und Freddy Quinn übernehmen. Sie schwärmt jedoch für den französischen Film: »Solche Rollen wollte ich später immer spielen, schwer und leicht zugleich.«

Ihre Agentin habe ihr mit etwa 17 Jahren geraten, die Nase schmaler machen und die Zähne begradigen zu lassen sowie sich einen Künstlernamen zuzulegen, erinnert sich Elsner. Sie hört darauf nicht, streicht nur das »t« aus ihrem Geburtsnamen Elstner. Mit etwa 19 Jahren steht sie zum ersten Mal auf einer Theaterbühne. Fünf Jahre später soll sie in »Tango« (1966) die erste Nackte auf einer deutschen Bühne gewesen sein.

In mehr als 200 Fernseh- und Kinorollen ist die 1,60 Meter große Frau zu sehen. Ihre erste von zahlreichen Auszeichnungen bekam sie mit 29 Jahren: die Goldene Kamera für die Rolle der Sasha in Tschechows Stück »Iwanow«. Ihr Kinodebüt gab sie 1961 in dem Film »Das Mädchen mit den schmalen Hüften«. Star-Regisseur Jürgen Roland vertraute ihr ein Jahr später in der Krimiserie »Stahlnetz« ihre erste Hauptrolle an. Als Durchbruch zu internationaler Anerkennung gilt ihre Hauptrolle in Alf Brustellins Film »Berlinger« (1975). Drei Jahre später dreht sie mit ihm »Der Sturz« nach einem Roman von Martin Walser.

Brustellin ist seit 1973 ihr Partner. Von ihrem ersten Ehemann, dem 18 Jahre älteren Schauspieler Gerd Vespermann, ist sie längst geschieden. Sie lernt Brustellin bei den Dreharbeiten für den Kinofilm mit Elke Sommer und Mario Adorf »Die Reise nach Wien« (Regie: Edgar Reitz) kennen. Der Filmemacher stirbt 1981 bei einem Verkehrsunfall. Da ist Elsners einziges Kind, ihr Sohn Dominik, gerade ein halbes Jahr alt. Vater ist der Regisseur Dieter Wedel. Später ist Elsner »drei wunderschöne Jahre« mit dem Filmproduzenten Bernd Eichinger zusammen. 1993 heiratet sie den Theaterdramaturgen und Verlagsleiter Uwe Carstensen und zieht mit ihm von München nach Frankfurt, die Ehe geht 2000 auseinander.

Im Fernsehen war Elsner in der ARD-Serie »Die Kommissarin« (1994–2006) besonders erfolgreich. Als Lea Sommer ist sie eine der bekanntesten deutschen TV-Ermittlerinen. In Pumps, Kostüm und schwarzer Lederjacke ermittelt sie in fast 70 Folgen; Til Schweiger ist anfangs ihr Assistent.

Auf die Bühne kehrte sie 1996 mit dem Solostück »Eine tot-normale Frau« zurück. Ohne dieses sei sie nicht bereit gewesen für »Die Unberührbare« (2000), berichtet sie. Ihre Darstellung einer vom Leben gekennzeichneten Schriftsellerin bringt ihr den Deutschen Filmpreis ein. Gleich noch einmal bekommt sie ihn für ihren Leinwandmonolog einer Schauspielerin in »Mein letzter Film« (2002) nach einem Drehbuch von Bodo Kirchhoff. Zu ihren großen Kinoerfolgen gehört auch ihre Rolle in Doris Dörries »Kirschblüten – Hanami« (2008) an der Seite von Elmar Wepper. Ihre komödiantische Seite zeigt Elsner besonders erfolgreich in Dani Levys »Alles auf Zucker!« (2004).

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